Anagrelid

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. November 2016
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Bei Anagrelid handelt es sich um einen Wirkstoff aus der Gruppe der Antineoplastika. Das Medikament ist in Deutschland in Form von Hartkapseln unter dem Handelsnamen Xagrid® sowie als Generika zu haben. Anagrelid dient zur Behandlung einer essenziellen Thrombozythämie.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Anagrelid?

Anagrelid wird zur Therapie von essenziellen Thrombozytosen eingesetzt, die durch eine erhöhte Zahl der im Knochenmark gebildeten Blutplättchen im Blut charakterisiert sind. Anagrelid empfiehlt sich als Zweitlinientherapie auch für sogenannte Risikopatienten, die die bisherige Behandlung nicht gut vertrugen beziehungsweise nicht gut genug darauf ansprachen.

Das Medikament Anagrelid wurde Ende 2004 von der European Medicines Agency - kurz: EMEA - als Sekundärtherapie für diesen Patientenkreis zugelassen, bei dem diese Unverträglichkeit oder ein Nichtansprechen auf die vorherige Primärtherapie besteht. Ursprünglich war Anagrelid als Thrombozytenaggregationshemmer entwickelt worden. Der Wirkstoff hemmt parallel aber ebenso die Reifung von Megakaryozyten.

Pharmakologische Wirkung

Anagrelid dient zur Behandlung einer essenziellen Thrombozythämie.

Die pharmakologische Wirkung von Anagrelid auf Körper und Organe ist bisher ungeklärt. Erste Forschungen führten zur Annahme, dass die Gabe von Anagrelid eine Thrombozytenaggregationshemmung hervorrufe. Hierunter ist die eindämmende Wirkung auf das Verklumpen von Blutplättchen zu verstehen, das die Entstehung von Blutgerinnseln - Thromben - fördert.

Weitere Studien ergaben jedoch, dass Anagrelid keinen thrombozytenaggregationshemmenden Effekt ausübt. Dennoch verringert es sehr rasch die Thrombozytenmenge im Blut. Warum, ist unbekannt. Fest steht aber, dass Anagrelid gut als Hemmer der cAMP-Phosphodiesterase des Typs 3 wirkt. So ist vermutlich hier die Antwort auf die Wirkweise von Anagrelin zu suchen. Der Wirkstoff scheint sich in die postmitotische Phase in der Entwicklung der Megakaryozyten einzuschalen und so ihre Reifung und Größe sowie die Chromosomenzahl zu beeinflussen.

Die Verhinderung der Phosphodiesterase-III erhöht im Blut die Spiegel des cyclischen Adenosinmonophosphats (cAMP) der Blutplättchen. Hochdosiertes Anagrelid hemmt auch diese Aggregation. Anagrelid zeigt eine thrombozytenselektive Wirkung und beeinflusst daher nicht die Bildung der weißen und roten Blutkörperchen.

In klinischen Studien mit über 4000 an myeloproliferativen Erkrankungen leidenden Patienten zeigte sich, dass diese innerhalb von 4 bis 12 Wochen auf die Therapie mit Anagrelid ansprachen.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Anagrelid wird zur Behandlung von Thrombozytosen eingesetzt. Patienten mit Thrombozytosen leiden an myeloproliferativen Erkrankungen wie

Bei Thrombozytosen kommt es zu einer erhöhten Anzahl der im Knochenmark gebildeten und in die Blutbahn abgegebenen Blutplättchen. Diese Blutplättchen, auch als Thrombozyten bekannt, führen im Übermaß leicht zu hämorrhagischen und thrombotischen Erkrankungen wie beispielsweise zu transienten ischämischen Attacken (TIA), Schlaganfall oder Thrombosen kleinerer Blutgefäße.

In seltenen Fällen kann sich eine akute Leukämie entwickeln. Bei Diagnosestellung einer Thrombozytose haben viele der meistens über 50 Jahre alten Betroffenen noch keine subjektiven Beschwerden. Dennoch sollte wegen der bestehenden Risiken rechtzeitig medikamentös gegengesteuert werden.

Als Startdosis für Anagrelid wird 1 mg pro Tag empfohlen, aufgeteilt in zwei Gaben. Die Kapseln können sowohl zu einer Mahlzeit als auch nüchtern eingenommen werden. Nach einer Woche erfolgt die individuelle Dosiseinstellung, wobei die maximale Einzeldosis 2,5 mg betragen soll. Nach dem Absetzen von Anagrelid steigt die Zahl der Blutplättchen in 10 bis 14 Tagen zurück auf ihren Ausgangswert.

Während der Therapie mit Anagrelid müssen engmaschige Kontrollen der Laborwerte für Leber und Nieren durchgeführt werden.

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Risiken & Nebenwirkungen

Bei der Einnahme von Anagrelid kann es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen wie:

Nach Markteinführung von Anagrelid ließen sich bei der Einnahme gravierende kardiovaskuläre Nebenwirkungen beobachten. Diese betrafen auch Patienten ohne Verdacht auf Herzerkrankungen beziehungsweise Normalbefunden in vor Therapiebeginn mit Anagrelid durchgeführten Herz-Kreislauf-Untersuchungen. Daher kommt Anagrelid bei Risikopatienten lediglich als Zweitlinientherapie infrage.

Kontraindiziert ist Anagrelid bei erhöhter Sensibilität gegenüber dem Wirkstoff, bei mittel- bis schwergradiger Leberschädigung und bei Niereninsuffizienz. Ebenfalls ausgenommen von einer Anagrelid-Therapie sind Schwangere und Stillende.

Mit folgenden Medikamenten wirkt Anagrelid interaktiv:

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