Amygdala

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. November 2016
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Das menschliche Gehirn zählt zu den komplexesten Gebilden im gesamten Universum und stellt Forscher immer noch vor große Rätsel. Ein Teil dieses Wunderwerks der Natur ist die sogenannte Amygdala, deren Funktion schon seit Urzeiten überlebenswichtig für den Menschen ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Amygdala?

Die Amygdala ist Teil des menschlichen Gehirns. Die Bezeichnung stammt vom griechischen Wort für Mandel, amygdale, und wurde gewählt, weil die beiden betreffenden Bereiche im Gehirn zwei Mandelkernen ähnlich sehen. Daher werden sie seltener auch als Corpus amygdaloideum, also Mandelkernkomplex, bezeichnet.

Anatomie & Aufbau

Die Amygdala ist Teil des limbischen Systems und befindet sich im Vorderteil des Temporallappens. Sie besteht aus zwei einander ähnlichen Kerngebieten, die direkt vor dem Hippocampus, nahe dem Schwanz des Nucleus caudatus sowie des Unterhorns des Seitenventrikels liegen.

Da zur Amygdala auch ein kleines Stück der Hirnrinde gezählt wird, ist sie quasi ein Übergangsbereich zwischen Hirnrinde und Kerngebiet des menschlichen Gehirns. Die Amygdala lässt sich in drei verschiedene Zonen einteilen: dem basolateralen Komplex, in dem sich die drei Kerne Nucleus lateralis, Nucleus basalis sowie Nucleus basolateralis befinden, der zentromedialen Kerngruppe mit dem Nucleus centralis und Nucleus medialis, sowie der cortikalen Kerngruppe, in der sich der Nucleus corticalis befindet.

Diese Kerne sind durch eine Vielzahl von Nervenfasern miteinander verbunden und interagieren miteinander. Darüber hinaus ist die Amygdala zudem mit dem Hirnstamm, dem im Zwischenhirn befindlichen Hypothalamus sowie den Basalganglien verbunden.

Funktion & Aufgaben

Die Hauptaufgabe der Amygdala liegt in der Entstehung und Verarbeitung von Angstzuständen sowie den damit verbundenen körperlichen Reaktionen. So zeigt sie sich z.B. dafür verantwortlich, dass sich in gefährlichen Situationen der Herzschlag drastisch erhöht und der Atem stockt. Auch das typische Zusammenzucken beim plötzlichen Auftauchen einer Angst- oder Schrecksituation wird durch die Verbindung von Amygdala und dem motorischen System des Gehirns ausgelöst.

Durch ihre Verknüpfung mit dem Hypothalamus ist sie außerdem dafür zuständig, diesem die Notwendigkeit einer Erhöhung der Adrenalinproduktion in den Nebennieren zu signalisieren. Durch das Adrenalin wird der Körper auf einen Kampf oder eine Flucht vor der drohenden Gefahr vorbereitet. Dafür nicht benötigte Prozesse wie die Verdauung werden dann kurzzeitig eingeschränkt, um Energie für wichtigere Funktionen wie das Herz-Kreislauf-System bereitzustellen. Gleichzeitig verarbeitet die Amygdala die von der Angst entwickelten Emotionen und sorgt dafür, dass Informationen bzw. erlebte Ereignisse mit Emotionen verknüpft werden.

Dies spielt auch bei der emotionalen Einordnung von Gesichtsausdrücken eine wichtige Rolle. Die Amygdala verarbeitet also äußerliche Impulse und die daraus resultierenden körperlichen Reaktionen. Auch kann die Amygdala bestimmte Emotionen wie Angst oder Wut verstärken und ist an der (Wieder-)erkennung von bereits erlebten Situationen beteiligt. Traumatische Erlebnisse werden in der Amygdala gespeichert und ständig mit aktuellen Situationen verglichen. Beim Auftreten einer ähnlichen Situation werden dann die eben beschriebenen körperlichen und hormonellen Reaktionen ausgelöst.

Ohne die Amygdala kann weder Furcht noch Aggression entstehen und Gefahren nicht mehr eingeschätzt werden, eine der wichtigsten Überlebensstrategien der menschlichen Evolution. Auch wenn diese in der modernen Welt freilich immer mehr an Bedeutung verliert, da das heutige Leben mit dem Überlebenskampf früherer Zeiten oft nur noch wenig gemein hat.

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Krankheiten

Die Amygdala spielt eine große Rolle bei einer Vielzahl von Angst- und Panikerkrankungen. So gehen z.B. viele Phobien, also Ängste vor bestimmten Dingen oder Situationen, von Fehlfunktionen der Amygdala aus, die diese Dinge fälschlicherweise als Bedrohung wahrnimmt und dementsprechende Signale an den Organismus sendet.

Es kann in diesem Zusammenhang aber auch zu einer Generalisierung der als gefährlich wahrgenommenen Situationen kommen, sodass die körperlichen und geistigen Symptome von Angst wie Übelkeit oder Panik völlig unerwartet und plötzlich auftreten. Dieser Zustand wird durch eine Überreizung der Amygdala ausgelöst, die dann fast wahllos Situationen als gefährlich erachtet, die es objektiv gesehen gar nicht sind und die Betroffenen Angstzustände ohne ersichtlichen Grund erleben lässt. Denn häufig werden die Symptome unbewusst, also ohne dass eine tatsächlich wahrnehmbare Erinnerung an das traumatische Ereignis vorliegt, ausgelöst.

Die Situationen, die zur Auslösung der Panikreaktionen führen, werden in der Fachsprache als Trigger bezeichnet. Eine mangelnde Funktionstüchtigkeit der Amygdala kann darüber hinaus zu einer Vielzahl weiterer Symptome führen. Zu diesen zählen unter anderem Gedächtnisstörungen, Autismus, Narkolepsie, Depressionen oder posttraumatische Belastungsstörungen. Beim äußerst selten vorkommenden und genetisch bedingten Urbach-Wiethe-Syndrom liegt eine Verkalkung der Amygdala vor. Betroffene haben deshalb große Schwierigkeiten damit, die emotionale Bedeutung von Gesichtsausdrücken, besonders wenn diese Angst ausdrücken, zu begreifen.

Generell können sie mit der Emotion Angst nur wenig anfangen. So sind sie weder dazu in der Lage, Angst zu fühlen, noch sie zu beschreiben oder bei anderen Menschen zu erkennen. Dieser Mangel an Angstempfinden erschwert es den Betroffenen häufig, richtige Entscheidungen in kritischen bzw. gefährlichen Situationen zu treffen, was für sie eine große Gefahr darstellt.

In einer Zeit, in der psychische Erkrankungen in der westlichen Welt stark zunehmen, kommt gerade der genauen Erforschung der Amygdala eine immer größere Rolle zu. Als eine für die Entstehung und Verarbeitung von Angst essentielle Region im menschlichen Gehirn, nimmt sie eine Schlüsselrolle bei der Suche nach neuen und wirkungsvollen Behandlungsmethoden für Angststörungen und verschiedenen Formen von Depressionen ein.

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