Amphetamin

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. November 2016
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Arzneistoff, Aufputschdroge, Dopingmittel - das Amphetamin hat in seiner Geschichte schon eine Menge mitgemacht und viele Bezeichnungen erhalten. Unter dem Namen "Speed" ist es hierzulande illegal, noch in den 30er Jahren wurde es aber als Schnupfenmittel und gegen Depressionen oder Impotenz angewandt. Als Arzneimittel sind Amphetamine eigentlich aufgrund ihres Suchtpotentials heutzutage obsolet geworden - das ADHS-Medikament Methylphenidat bildet auch hier jedoch eine Ausnahme.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Amphetamin?

Der Wirkstoffname Amphetamin ist die Kurzversion der chemischen Bezeichnung alpha-Methylphenethylamin und beschreibt einen synthetisch hergestellten Stoff aus der Gruppe der Phenylethylamine, welcher im Körper eine nicht-halluzinogene stimulierende Wirkung hat.

Die verschiedenen Amphetamine haben eine Menge Wirkungen und sind in ihrer Geschichte als Arzneimittel für viele verschiedene Indikationen verwendet worden - heutzutage gibt es aufgrund des enormen Suchtpotenzials keine medizinische Indikation mehr.

Als Droge sind die Amphethamine auch unter dem Namen "Speed" bekannt - auch das MDMA (Methylendioxymetamphetamin) ist ein bekannter Vertreter dieser Substanzklasse.

Pharmakologische Wirkung

Als Arzneimittel sind Amphetamine eigentlich aufgrund ihres Suchtpotentials heutzutage obsolet geworden - das ADHS-Medikament Methylphenidat bildet auch hier jedoch eine Ausnahme.

Ihre pharmakologische Wirkung entfalten die Amphetamine durch ihre Verwandtschaft mit dem Adrenalin des Körpers und über die Freisetzung der Neurotransmitter Noradrenalin und Dopamin im Zentralen Nervensystem.

Sie gehören somit in die pharmakologische Gruppe der Sympathomimetika. In der Körperperipherie haben die Amphetamine eine deutliche direkte adrenerge Wirkung: Blutgefäße werden verengt, Herzschlag und Blutdruck gesteigert, die Bronchien werden erweitert zur vermehrten Sauerstoffaufnahme und Schleimhäute schwillen ab. All dies und viele weitere Teilwirkungen sind Bestandteil des Fight-or-Flight-Systems unseres autonomen Nervensystems, des Sympathikus.

Dieser wird dann aber vor allem noch einmal direkt stimuliert im Zentralen Nervensystem: Als "Weckamine" gehen die Amphetamine problemlos über die Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn und setzen hier aus den Speichern von Nervenzellendigungen Noradrenalin und Dopamin frei. Ebenso wie das Coffein wirken die Amphetamine dabei bei ermüdeten Personen deutlicher als im hellwachen Zustand. Die Müdigkeit verschwindet, die Stimmung wird angehoben, eventuell kommt es zu Euphorie, die durch Ermüdung herabgesetzte Leistungsfähigkeit wird für einige Stunden wiederhergestellt.

Kraftreserven werden mobilisiert, die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit steigt, gleichzeitig kommt es zu Appetithemmung und gesteigertem Bewegungsdrang - der Körper wird bis in die Haarspitzen in einen Kampf-und-Flucht-Modus versetzt.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass der Körper bei wiederholter Gabe bald in einen Erschöpfungszustand gerät, schließlich fehlen im Schlaf und Nahrung - auch wenn der Geist dies nicht mehr erkennt. Es tritt eine Gewöhnung ein, die zur Dosissteigerung führt. Eventuell kommt es zur Gewohnheitsbildung und Sucht. Auch Psychosen können in diesem Stadium des Missbrauchs entstehen. Aus diesem Grund sind die Amphetamine als Betäubungsmittel klassifiziert und nicht frei zugänglich oder verschreiblich.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Heutzutage gibt es keine berechtigte medizinische Anwendung für die Amphetamine mehr. Früher galt das Gegenteil: So ziemlich jede der oben beschriebenen Wirkungen hat zur Verwendung der Amphetamine als Arzneimittel geführt.

In den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren sie Erkältungsmittel und Antiallergikum, dienten Studenten zum Durchlernen ganzer Nächte, wurden später auch verwendet gegen Parkinson, Depressionen, Narkolepsie und Impotenz. Im Zweiten Weltkrieg hielten Armeen ihre Soldaten massenhaft mit Amphetaminen wach - so wurde der Weg geebnet für die Verbreitung des Wirkstoffes als Droge, welche vor allem ab den 50er Jahren um sich griff.

1948 wurde ein Amphetamin auch gegen ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung) auf den Markt gebracht - dies ist die letzte heute noch verbliebene medizinische Verwendung (das heute gebräuchliche Methylphenidat ist mit den Amphetaminen verwandt und ist daher ebenfalls der BtM-Verschreibungsordnung unterstellt).

Im Hochleistungssport werden Amphetamine zudem gerne als Dopingmittel zur Leistungssteigerung verwendet. Der Athlet bemerkt seine körperliche Müdigkeit auf diese Weise nicht und gibt weiter "Vollgas" - psychische Bremsen, die eigentlich zum Schutz des Körpers vor Überanstrengung sehr sinnvoll sind, werden somit ausgeschaltet, kurzfristig wird also die Leistungsfähigkeit gesteigert.

Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Risiken und Nebenwirkungen des Amphetamins und seiner Derivate sind so schwerwiegend, dass Amphetamine heute nicht mehr (legal) verwendet werden. Besitz und Handel mit Amphetaminen ist in Deutschland und den meisten anderen europäischen Ländern strafbar.

Hauptproblem ist natürlich die körperliche Auszehrung, welche bei Amphetamingebrauch eintritt, ohne dass der Betroffene es merkt und richtig einschätzen könnte. Energisch durchtanzte Nächte unter Einfluss von Speed und verwandten Drogen führen so nicht nur zum Kater am nächsten Morgen, sondern können ernsthafte lebensbedrohliche Erschöpfungszustände hervorrufen.

Langfristig tragen Appetit- und Schlafmangel zu dieser Problematik bei. Gleichzeitig haben Amphetamine aufgrund ihrer berauschenden Wirkung ein enormes Suchtpotenzial. Die Dosis muss dabei aufgrund rascher Gewöhnungsprozesse stetig gesteigert werden, um noch dieselbe Wirkung zu erzielen.

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