Amisulprid

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. November 2016
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Der Wirkstoff Amisulprid ist ein Benzamid und Sulpirid-Derivat. Er ist unter mehreren Namen im Handel und wird als atypisches Neuroleptikum zur Schizophrenie-Therapie eingesetzt. Amisulprid ist verschreibungspflichtig.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Amisulprid?

Die vollständige chemische Bezeichung für Amisulprid lautet (RS)-4-Amino-N-[(1-ethyl-2-pyrrolidinyl)methyl]-5-(ethylsulfonyl)-2-methoxybenzamid. Amisulprid ist ein Dopamin-Rezeptor-Antagonist und wird als sogenanntes Racemat zur Therapie von akuten und chronischen Schizophrenien verwendet. In Einzelfällen wurden außerdem Therapieerfolge beim Tourette-Syndrom beobachtet. Amisulprid gibt es als Tabletten zu 50 mg, 100 mg, 200 mg und 400 mg sowie als 1-ml-Lösung zum Einnehmen mit 100 mg des Wirkstoffs. Die Darreichungsform und Dosis entscheidet der behandelnde Arzt.

Das Neuroleptikum Amisulprid hat einen antipsychischen und sedierenden Einfluss. Anders als die meisten Neuroleptika wirken Benzide wie Amisulprid nicht dämpfend, sondern eher stimmungsaufhellend und aktivierend. Die Einnahme von Amisulprid verursacht weniger Nebenwirkungen als übliche Neuroleptika. Insbesondere Phänomene wie Bewegungsstörungen oder Müdigkeit treten wesentlich seltener auf.

Pharmakologische Wirkung

Chemisch zählt Amisulprid zur Gruppe substituierter Benzamide und es ist ein Derivat von Sulpirid. Neuroleptika greifen in die Nerventätigkeit des Gehirns ein, indem sie die Konzentrationen der Botenstoffe im Gehirn verändern. Dies beeinflusst Wahrnehmung und Gefühlsleben.

Während die meisten der typischen Neuroleptika auf den Botenstoff Dopamin wirken und damit auf die entsprechenden Rezeptoren, wirkt Amisulprid als atypisches Neuroleptikum zusätzlich hemmend auf weitere Botenstoffe und ihre Bindungsstellen im Gehirn. Dazu gehört auch Serotonin.

Als Medikament gegen Psychosen wie Schizophrenie wirkt das atypische Neuroleptikum Amisulprid zweifach:

1. Amisulprid beeinflusst die „Positiv-Symptomatik“: Es dämpft Wahnvorstellungen.
2. Amisulprid beeinflusst außerdem die „Negativ-Symptomatik“: Es verringert Effekte wie sozialen Rückzug, Isolation, Antriebsminderung sowie Gefühlsabflachungen eines Patienten.
Amisulprid wirkt also vermehrt stimmungsaufhellend und aktivierend und nicht ermüdend und dämpfend wie typische Neuroleptika.

Der Wirkstoff Amisulprid kann mit anderen zentral wirkenden Arzneimitteln interagieren und deren Wirkung verstärken. Auf Levodopa, ein Anti-Parkinson-Medikament, übt Amisulprid eine entgegengesetzte Wirkung aus und schwächt dessen Effekt. Gelegentlich wird wiederum während einer Therapie mit Amisulprid eine ergänzende Gabe von einem Anti-Parkinson-Medikament empfohlen, um Nebenwirkungen wie eingeschränkte motorische Fähigkeiten, Körpersteifheit oder Verkrampfungen zu lindern.

Als weitere mögliche Nebenwirkungen von Amisulprid sind zu nennen: Spätdyskinesien, Hyperprolaktinämie, Menstruationsstörungen, Impotenz, Libidoverlust, gastrointestinale Beschwerden, epileptische Anfälle, Hypotonie und die Verlängerung des QT-Intervalls des Herzens. Extrapyramidal-motorische Nebenwirkungen treten unter einer Behandlung mit Amisulprid verglichen mit anderen Neuroleptika selten auf.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Amisulprid ist unter mehreren Namen im Handel und wird als atypisches Neuroleptikum zur Schizophrenie-Therapie eingesetzt.

Amisulprid als atypisches Neuroleptikum wird zur Therapie von Schizophrenie sowie weiteren Psychosen verwendet. Dies sind im Einzelnen:

Als ein nicht dämpfendes und dafür die Stimmung hebendes und aktivierendes Medikament wirkt Amisulprid dazu auf positive Weise bei Verhaltensformen wie sozialem Misstrauen bis zur Feindseligkeit - insbesondere gegenüber Fremden, sozialem Rückzug, verarmtem beziehungsweise verflachtem Gefühlsleben sowie Antriebsmangel entgegen.

Unter einer Therapie mit Amisulprid schaffen es bisher stark lethargische Patienten, sich aus ihrer aus einem Antriebsmangel selbst gewählten Isolation zu befreien, indem sie wieder interessiert auf andere Menschen zugehen.

Trotz einer Indikation auch für akute Schizophrenie verfügt Amisulprid speziell hier nur über ein begrenztes Potenzial.

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Risiken & Nebenwirkungen

In bestimmten Fällen ist Amisulprid kontraindiziert - und zwar bei:

Zu beachten ist auch, dass Amisulprid die Wirkung von anderen Psychopharmaka verstärken kann.

Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren sind von einer Amisulprid-Verordnung ausgeschlossen. Ebenso wird von einer Anwendung im Alter von 15 bis 18 Jahren sowie über 65 Jahren abgeraten. Während Schwangerschaft und Stillzeit sollte Amisulprid nicht eingenommen werden, gegebenenfalls sollte so lange abgestillt werden.

Da es wie bei anderen Neuroleptika bei Amisulprid zu einem malignen neurologischen Syndrom kommen kann, ist bei entsprechenden Symptomen wie Muskelsteifigkeit, hohem Fieber, vegetativen Störungen (Blässe, Schweißausbruch und Kreislaufinstabilität) und Bewusstseinstrübung unverzüglich ein Arzt zu kontaktieren und das Medikament abzusetzen.

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