Ambivalenz

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 29. März 2017
Sie sind hier: Symptomat.deKrankheiten Ambivalenz

Von Ambivalenz ist in der Psychologie bei konträren Gefühlregungen, Gedanken oder Wünschen die Rede. Bleuler sieht die Ambivalenz als Ursachenfaktor für Erkrankungen wie Schizophrenie. Eine Erhöhung der Ambivalenz-Toleranz könnte so psychischen Erkrankungen vorbeugen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Ambivalenz?

Sowohl-als-auch-Einstellungen wie die Hassliebe kennt wahrscheinlich jeder Mensch. Gegensätzliche Wertungen in Form von Gedanken oder Gefühlen werden in solchen Einstellungen verbunden. Diese Einstellungen werden in der Psychologie unter bestimmten Bedingungen mit dem Begriff der Ambivalenz beschrieben.

Bei Ambivalenz handelt es sich dementsprechend um eine psychologische Funktion. Alle Dinge haben immer zwei Seiten. Der psychologische Begriff der Ambivalenz bezieht sich allerdings nicht ausschließlich auf diese Mehrseitigkeit, sondern vor allem auf den daraus entstehenden, inneren Konflikt. Aus der Gegensätzlichkeit zweier Sichtweisen entstehen für eine Person mit Ambivalenz gegensätzliche Reaktionsoptionen, die sich hemmend auf die Entscheidungsfähigkeit auswirken.

Karl Abraham beschreibt Kinder als typischerweise ambivalent, da sie durch Triebschwankungen angetrieben werden. Für den erwachsenen Menschen geht er von einer Ambivalenz-Freiheit aus. Ihm zufolge erleben psychisch gesunde Erwachsene also keine Ambivalenz. Einige Psychoanalytiker widersprechen dieser Ansicht und erkennen Ambivalenz in den meisten aller menschlichen Regungen.

Der Begriff der psychologischen Ambivalenz geht auf Eugen Bleuler zurück, der ihn Anfang des 20. Jahrhunderts erstmals verwendete. Als synonyme Begriffe gelten der der Ambitendenz und der Ambiguität. Freud übernahm die Ambivalenz in seine Psychoanalyse, entwickelt ihn weiter und übertrug ihn vor allem auf die Sozialpsychologie.

Ursachen

Die Ursache für psychische Ambivalenz sieht Erstbeschreiber Bleuler in einer Triebsteuerung, wie sie für Kinder charakteristisch ist. Bei Erwachsenen hält er die Ambivalenz grundsätzlich für pathologisch und durch eine psychische Erkrankung bedingt. Als ursächlichen Zusammenhang der Ambivalenz gibt er den größeren Rahmen der Schizophrenie an.

Die gleichzeitige Existenz von konträren Gefühlen und Gedanken im Sinne der Ambivalenz beschreibt Bleuler als das auslösende Moment einer Schizophrenie. Ambivalente Gefühlsgegensätzlichkeit sind für ihn affektive Ambivalenzen. Ambivalente Bedürfnisse bezeichnet er als Ambitendenzen und intellektuelle Ambivalenz ist für ihn das Nebeneinander gegensätzlicher Gedanken, das Konflikte im Patienten hervorruft und letztlich zur Spaltung der Persönlichkeit führt.

Schizophrene Tendenzen und Ambivalenz bedingen sich so gegenseitig. Diese Aussagen stehen im Widerspruch zu den Theorien vieler anderer Quellen. Zahlreiche Psychoanalytiker erkennen die Ambivalenz als typisch menschlich und halten sie nicht zwingend für ein pathologisches Phänomen. Sie sprechen demnach nicht von einer Krankheit als Ursache, sondern führen das Phänomen auf physiologische Vorgänge im menschlichen Geist, Körper oder Gemüt zurück.

Viele von ihnen sprechen von einer Ambivalenz der Libido und des Thanatos, wie sie einen Großteil menschlicher Regungen charakterisiert. Mit Libido und Thanatos ist das gleichzeitige Vorhandensein von Liebe und Trieb zur Destruktion gemeint.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Letztlich verhält sich ein Mensch mit Ambivalenz widersprüchlich oder uneinig und wirkt damit nicht im Einklang mit sich selbst. Diese Widersprüchlichkeit im Verhalten ist für Menschen grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Allerdings kann starke Ambivalenz durch bestimmte Situationen zu einer psychischen Beeinträchtigung werden, die therapiebedürftige Dysbalancen der Psyche zur Folge hat.

Ungereimtheiten und Widersprüchlichkeiten im eigenen Verhalten sind damit bis zu einem gewissen Grad weitverbreitet, können laut Bleuler aber durchaus psychische Krankheiten bedingen, sobald sie Überhand nehmen. Das gleichzeitige Bestehen konträrer Gefühle, Regungen oder Willensvorstellungen muss sich nicht zwingend in Phänomenen wie der Hassliebe äußern, sondern kann sich auch in einem Leben zwischen Gehorsam und Auflehnung manifestieren.

Besonders im Gefühlsverhalten zu bestimmten Personen liegt häufig eine Ambivalenz vor. Den Extremfall der Ambivalenz beschreibt Freud zum Beispiel als Ödipuskomplex. Für zwei verschiedene Personen bewegt sich die Ambivalenz-Toleranz in unterschiedlicher Höhe, also die Fähigkeit zur Toleranz von Ambivalenz.

Je Ambivalenz-toleranter der Mensch ist, desto positiv angepasst wirkt er in seiner Persönlichkeit und desto besser kann er mit menschlich natürlichen Ambivalenzen umgehen. Für Personen mit einer geringen Ambivalenz-Toleranz liegt das Risiko für psychische Erkrankungen demzufolge höher.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Einschätzung von Ambivalenz-Toleranz nehmen Psychologen oder Psychotherapeuten vor. Das Ziel der Einschätzung ist es oft, das individuelle Risiko für psychische Erkrankungen abzuschätzen. Was Bleuler mit der Ambivalenz im Rahmen der Schizophrenie beschrieben hat, ist letztlich als eine geringe Ambivalenz-Toleranz zu verstehen. Die Unfähigkeit zum richtigen Umgang mit physiologischer Weise ambivalenten Gefühlsregungen und Wünschen kann also in Krankheiten wie Schizophrenie münden und spielt im Rahmen von deren Diagnostik eine entscheidende Rolle.

Behandlung & Therapie

Eine pathologische Ambivalenz löst unterschiedliche Erkrankungen der Psyche aus. Damit spielt das Phänomen der Ambivalenz bei der ursächlichen Therapie verschiedener Erkrankungen eine gesteigerte Rolle. In Bleulers Definition ließe sich etlichen Erkrankungen der Psyche vorbeugen, indem die Betroffenen geeignete Umgangsstrategien zur Ambivalenz erlernen.

Darüber hinaus könnten Strategien zum Umgang mit Ambivalenzen die Ursache einer psychischen Erkrankung auslösen, falls niedrige Ambivalenz-Toleranz tatsächlich eine ursächliche Rolle für die jeweilige Krankheit spielt. Die moderne Gesellschaft ist sich über die seelischen Überforderungen bewusst, denen sie Tag für Tag ausgesetzt ist. Aus diesem Grund werden Angebote wie Psychotherapie immer häufiger wahrgenommen.

In psychotherapeutischen Behandlungen lässt sich ein gesunder Umgang mit Ambivalenz erlernen. Darüber hinaus können moderne Ansätze wie die kognitive Verhaltenstherapie scheinbar konträre Wünsche und Gefühlsregungen miteinander in Einklang bringen, sodass Ambivalenzen abgeschwächt werden.

Falls Amivalenz und niedrige Ambivalenz-Toleranz bereits psychische Erkrankungen hervorgerufen haben, richtet sich die Behandlung nach der jeweiligen Erkrankung und kann sowohl symptomatisch medikamentöse Therapieschritte, als auch ursächlich therapeutische Schritte beinhalten.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Psychischen Erkrankungen aufgrund gesteigerter Ambivalenz lässt sich durch die Erlernung geeigneter Umgangsstrategien und damit die Dämpfung von Ambivalenz im Rahmen einer Psychotherapie vorbeugen.

Bücher über Schizophrenie

Quellen

  • Gleixner, C., Müller, M., Wirth, S.: Neurologie und Psychiatrie. Für Studium und Praxis 2015/16. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2015
  • Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015
  • Payk, T., Brüne, M.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013

Das könnte Sie auch interessieren:

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Ambivalenz?

Name oder Pseudonym:

E-Mail: (optional)

(wird nicht angezeigt, nur notwendig, wenn aktuelle Gesundheitsinformationen erwünscht werden)

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?

Bekannt aus: