Altersbedingte Makuladegeneration

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. August 2017
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Die altersbedingte Makuladegeneration, altersabhängige Makuladegeneration oder kurz AMD, ist eine fortschreitende Schädigung des Epithelgewebes (Pigmentepithel) und der Photorezeptoren in der Netzhaut. Durch die Schädigung des Gewebes kommt es zum Funktionsverlust und somit zu einer schweren Visusminderung (Visus = Sehschärfe) im höheren Alter. Im folgenden Text wird auf die Definition, Ursachen, Diagnose und Verlauf sowie die Behandlung und vorbeugende Maßnahmen der altersbedingten Makuladegeneration eingegangen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine altersbedingte Makuladegeneration

Die altersbedingte Makuladegeneration ist eine Erkrankung der Retina (Netzhaut). Insbesondere betrifft sie den Ort des schärfsten Sehens, die Makula lutea (auch als „gelber Fleck“ bezeichnet).

Durch eine Fehlfunktion des Pigmentepithels kommt es bei der altersbedingten Makuladegeneration zur Anhäufung von Stoffwechselprodukten in der Netzhaut. Dadurch bilden sich dann sogenannte Drusen, die zur Zerstörung und Verdünnung des dort üblichen Pigmentepitehls führen. Folgend sind die benachbarten Photorezeptoren ebenfalls in ihrer Funktion beeinträchtig.

Photorezeptoren sind lichtempfindliche Sinneszellen, wobei die Zäpfchen für Farbreize und die Stäbchen für Dämmerungssehen bzw. schwarz-weiß-Sehen zuständig sind. Die altersbedingte Makuladegeneration ist eine Erkrankung des höheren Alters und beginnt in der Regel ab dem 60. Lebensjahr.

Ursachen

Je nach klinischem Erscheinungsbild werden eine trockene und eine feuchte Verlaufsform der altersbedingten Makuladegeneration unterschieden. Die Diagnostik erfolgt mittels Ophthalmoskospie, einer Spiegelung des Augenhintergrundes und einer Gesichtsfelduntersuchung.

Zu Hause kann man auch einen Amsler-Gitter-Test zur Früherkennung der altersbedingten Makuladegeneration durchführen. Dabei sieht man ein weißes Gitter auf schwarzem Hintergrund oder umgedreht. Ein in der Mitte liegender Punkt wird fixiert. Sieht man verzerrte Linien, unterschiedlich große Quadrate, fehlende Ecken oder verschwommene Stellen sollte man schnellstmöglich einen Augenarzt aufsuchen.

Seltener wird zur Diagnostik einer altersbedingten Makuladegeneration eine Fluoreszenzangiografie durchgeführt, dabei wird ein Kontrastmittel in eine Vene gespritzt. Anschließend wird die Netzhaut fotografiert.

Typische Symptome & Anzeichen

  • Sehstörungen in Form von:
  • vermindertes Kontrastsehen
  • verzerrtes Sehen
  • sehr schlechte Sehschärfe

Diagnose & Verlauf

Schematische Darstellung zur Anatomie des Auges und zum Unterschied zwischen gesundem Auge und Makuladegeneration. Klicken, um zu vergrößern.

Bei der trockenen Verlaufsform der altersbedingten Makuladegeneration zeigen sich harte Drusen, die scharf begrenzt sind und gelblich aussehen. Im Verlauf der Erkrankung nehmen die Anzahl und Größe der Drusen zu, die sich dann zu einer Fläche vereinigen können. Hierbei kommt es zu einer Abnahme des Visus, der Sehschärfe.

Die trockene Form der altersbedingten Makuladegeneration zeigt bei der Gesichtsfelduntersuchung ein Zentralskotom (Ort der Abschwächung). Ein schwererer Verlauf der altersbedingten Makuladegeneration ist die feuchte Form. Hier zeigen sich weiche Drusen mit einer Flüssigkeitsansammlung unter dem Pigmentepithel. Dies entspricht einer Pigmentepithelabhebung. Die Patienten klagen über ein plötzliches Verzerrtsehen (Metamorphopsien) bei gleichzeitiger Visusabnahme.

Des Weiteren werden bei dieser Form der altersbedingten Makuladegeneration Gefäßneubildungen (Neovaskulariasationen) beobachtet, die zur weiteren Schädigung des Pigmentepithels und der Photorezeptoren führen. Diese Schädigung ist irreversibel und kann sehr schnell erfolgen. Es kann zu Einblutungen in die Netzhaut kommen.

Betroffene zeigen nur noch ein minimales peripheres Gesichtsfeld und können sich nur grob im Raum orientieren. Lesen ist nicht mehr möglich. Bei dieser feuchten Form der altersbedingten Makuladegeneration erfolgt eine Fluoreszenzangiographie zur Beurteilung der Gefäßneubildung.

Komplikationen

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) tritt in zwei unterschiedlichen Verlaufsformen, der trockenen und der feuchten AMD, auf. Die trockene Verlaufsform ist die mit der langsameren Progression. Bei ihr lassen sich im Bereich der Makula, der winzigen, nur wenige Millimeter großen Zone des zentralen Sehens, winzige Ablagerungen ausmachen, die allmählich zu einer Beeinträchtigung des zentralen Sehens führen.

Die größte Komplikation, die mit der trockenen AMD verbunden sein kann, ist das Risiko, dass sie in die feuchte Verlaufsform übergeht. Das bedeutet, dass dann in den Bereich der Makula, auch gelber Fleck genannt, neue Blutgefäße einwachsen, die aufgrund ihrer Undichtigkeit Einblutungen in diesen Bereich der Netzhaut verursachen. Die Einblutungen werden von einer progressiven Verschlechterung des zentralen Scharf- und Farbsehens begleitet.

Bisher ist für die Behandlung der trockenen AMD keine Therapie bekannt, die über eine Behandlung der Symptome hinausgeht. Die Höhe der Wahrscheinlichkeit, dass sich aus der trockenen die feuchte AMD entwickelt, ist unabhängig davon, ob die trockene AMD bereits im Frühstadium therapiert wurde. Andere Komplikationen, die mit dem Krankheitsfortschritt einer der beiden Verlaufsformen der AMD assoziiert sind, sind nicht bekannt.

Für die Behandlung der feuchten AMD stehen zwei verschiedene Therapieansätze zur Verfügung. Einerseits soll über den Botenstoff VEGF die Gefäßneubildung unterdrückt und andererseits können mittels Lasertechnik Gefäßneubildungen verödet werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Falls sich im zentralen Gesichtsfeld Veränderungen in der Sehwahrnehmung mit permanentem Charakter feststellen lassen, empfiehlt es sich, die veränderte Sehwahrnehmung recht bald durch einen Augenarzt abklären zu lassen. Falls das zentrale Gesichtsfeld trotz Brille unscharf gesehen wird, der Farbkontrast verringert ist oder Verzerrungen oder sogar Zonen mit Totalausfall vorhanden sind, besteht der Verdacht auf eine sich entwickelnde Altersbedingte Makuladegeneration (AMD).

Es lässt sich auch mit einfachen Mitteln zur Erhärtung des Verdachts ein Eigentest, der sogenannte Amsler-Gitter-Test durchführen. Es handelt sich um ein relativ engmaschiges Gitternetz, das aus Quadraten gebildet wird und in der Mitte einen gut sichtbaren schwarzen Punkt aufweist. Das Gitternetz ist unter dem Stichwort „Amsler-Gitter“ im Internet leicht zu finden. Das Gitter wird aus normaler Leseentfernung abwechselnd mit dem linken und dem rechten Auge angeschaut und das andere Auge jeweils abgedeckt.

Falls der Punkt oder einzelne Quadrate des Gitternetzes verzerrt erscheinen oder ganz verschwinden, besteht ein starker Verdacht auf Erkrankung an der AMD. In diesen Fällen sollte zur Abklärung unverzüglich ein Augenarzt aufgesucht werden. Bei Bestätigung des Verdachts kann der Augenarzt eine Therapie einleiten, die die Krankheit verlangsamen oder sogar stoppen kann und die berücksichtigt, ob es sich um die häufiger vorliegende trockene oder die seltenere feuchte Verlaufsform der AMD handelt.

Behandlung & Therapie

Die Therapie der altersbedingten Makuladegeneration erfolgt je nach trockener oder feuchter Form. Für die trockene altersbedingte Makuladegeneration ist derzeit keine Intervention möglich. Es können Sehhilfen wie Leuchtlupen, Lupenbrillen oder Fernsehlesegeräte verordnet werden.

Für die feuchte Form der altersbedingten Makuladegeneration kann der Progress der Gefäßneubildung im Frühstadium vorübergehend aufgehalten werden. Dafür erfolgt eine Laserkoagulation der neugebildeten Gefäße. Allerdings ist dieser Erfolg nur von kurzer Dauer. Häufig treten Rezidive (Rückfälle) der altersbedingten Makuladegeneration innerhalb von 2 Jahren auf, die dann nicht mehr behandelt werden können.

Eine medikamentöse Therapie verblieb bislang ohne weiteren Erfolg. Mit einer photodynamischen Therapie kann der Entwicklungsprozess einer feuchten Form der altersbedingten Makuladegeneration verlangsamt, aber nicht beendet werden. Dabei wird ein gefäßtoxischer Stoff intravenös gespritzt. Die giftigen Substanzen werden erst durch Laserlicht aktiviert. Die zerstörende Gefäßneubildung kann verlangsamt werden und dem Betroffenen wird ein besseres Sehvermögen für längere Zeit erhalten bleiben.

Aussicht & Prognose

Durch die Makuladegeneration leiden die Betroffenen vor allem an Beschwerden an den Augen. In der Regel wird dabei die Sehschärfe deutlich verringert, sodass die Betroffenen nur noch undeutlich sehen können. Der Alltag des Patienten wird durch die Makuladegeneration deutlich erschwert. Ebenso können Kontraste nicht mehr richtig dargestellt werden, sodass es zu einer stark verringerten Lebensqualität des Patienten kommt. Im schlimmsten Falle kann es dabei zu einer vollständigen Erblindung kommen. Oft hat die Makuladegeneration auch eine negative Auswirkung auf das Farbsehen des Betroffenen.

In der Regel ist es nicht möglich, die Makuladegeneration direkt zu behandeln. In einigen Fällen können die Beschwerden durch einen Laser korrigiert werden. Allerdings kann dadurch nicht ausgeschlossen werden, dass es zu einem erneuten Rückfall der Makuladegeneration kommen kann. Dabei kann leider keine erneute Korrektur mehr vorgenommen werden. Die Beschwerden können jedoch durch Sehhilfen relativ gut eingeschränkt werden. Die Lebenserwartung des Betroffenen wird durch die Makuladegeneration nicht eingeschränkt.

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Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen einer altersbedingten Makuladegeneration gibt es leider nicht. Sofern verzerrte Linien oder ein verschwommenes Bild wahrgenommen werden, sollte frühzeitig ein Augenarzt konsultiert werden.

Das können Sie selbst tun

Selbsthilfemethoden außerhalb einer ärztlichen oder klinischen Behandlung, die den Fortschritt einer altersbedingten Makuladegeneration (AMD) aufhalten oder gar heilen könnten, sind nicht bekannt. Eine Kombination von Selbsthilfemaßnahmen mit ärztlichen Behandlungsmethoden kann in einer systemischen Behandlung erfolgen, die auf ernährungstechnischer Basis erfolgt und die besondere Mitarbeit des Patienten erfordert.

Zur Feststellung einer AMD kann jederzeit als Selbsthilfemaßnahme der sogenannten Amsler-Gittertest durchgeführt werden, anhand dessen jeder Betroffene erkennen kann, ob bei ihm mit hoher Wahrscheinlichkeit eine AMD vorliegt und wie stark das zentrale Sehen beeinträchtigt ist. Das Amsler-Gitter kann im Internet leicht gefunden und aufgerufen werden. Es besteht aus der Abbildung eines Gitternetzes, das aus quadratischen Feldern besteht und in der Mitte einen gut sichtbaren schwarzen Punkt zeigt. Das Gitternetz wird aus normaler Leseentfernung mit Lesebrille – falls erforderlich - abwechselnd mit dem rechten und linken Auge angeschaut, während das jeweils andere Auge abgedeckt wird. Falls einige Quadrate – vor allem in der Nähe des schwarzen Punktes – und der Punkt selbst verzerrt erscheinen oder überhaupt nicht sichtbar sind, liegt mit großer Wahrscheinlichkeit eine AMD mit trockener oder feuchter Verlaufsform vor.

Bei Personen mit bereits weit fortgeschrittener Störung des zentralen Sehens sind beispielsweise Filme und Videos bzw. TV-Programme hilfreich, wenn sie in den kurzen Dialogpausen zur Unterstützung akustische Handlungsbeschreibungen auf Abruf bereithalten.

Bücher über Sehstörungen

Quellen

  • Grehn, F.: Augenheilkunde. Springer, Berlin 2012
  • Heimann, H., Kellner, U. (Hrsg.): Atlas des Augenhintergrundes. Thieme, Stuttgart 2010
  • Lang, G.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

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