Alprazolam

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. November 2016
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Alprazolam kommt vor allem bei Angstzuständen und Panikstörungen zur Anwendung. Dieser Wirkstoff behandelt ausschließlich die Symptome, nicht jedoch den Auslöser der Beschwerden. Aufgrund der zum Teil erheblichen Nebenwirkungen wird Alprazolam nur dann eingesetzt, wenn die Einnahme unumgänglich ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Alprazolam?

Alprazolam wurde von dem US-amerikanischen pharmazeutischen Unternehmen Upjohn (später durch Pfitzer übernommen) entwickelt. Auf den deutschen Markt gelangte es 1984 unter dem Namen Tafil®. Das weiße, kristalline, in Wasser praktisch unlösbare Pulver zählt zu den Benzodiazepinen.

Im Gegensatz zu den klassischen Vertretern dieser Gruppe besitzt Alprazolam einen Triazolring im Molekül. Daher trägt es auch die Bezeichnung Triazolobenzodiazepin. Im Handel ist dieses Präparat in Form von Tabletten und Retardtabletten, üblicherweise in Dosen von 0,25 mg, 0,5 mg oder 1 mg, erhältlich. Die Einnahme erfolgt oral. Die genaue Dosierung legt der behandelnde Arzt fest.

Pharmakologische Wirkung

Der angstlösende, beruhigende, entspannende und teilweise auch euphorisierende Einfluss von Alprazolam beruht auf seiner Einwirkung auf bestimmte Botenstoffe im Gehirn. Es überwindet die Blut-Hirn-Schranke und bindet sich an die GABA-A-Rezeptoren. Dort verstärkt der zunehmende Einstrom von Chloridionen die Wirkung des hemmenden Nervenbotenstoffes GABA innerhalb des zentralen Nervensystems. Die Nervenzellen werden dadurch unempfindlicher gegen exzitatorische Reize.

Der als Tablette eingenommene Wirkstoff wird im Darm zu achtzig Prozent in die Blutbahn aufgenommen. Nach einmaliger oraler Gabe ist der maximale Plasmaspiegel nach circa ein bis zwei Stunden erreicht. Die Plasmaproteinbindung beträgt siebzig bis achtzig Prozent. Das Verteilungsvolumen liegt bei rund 1,0 bis 1,2 l/kg. Bei adipösen Patienten ist es jedoch deutlich größer. Die Plasmahalbwertzeit wird mit etwa zwölf bis fünfzehn Stunden angegeben, kann allerdings bei älteren männlichen Patienten verlängert sein.

Der biochemische Umbau von Alprazolam erfolgt in der Leber. Ausgeschieden wird der Wirkstoff hauptsächlich über den Urin. Die verzögerte Freisetzung des Wirkstoffs bei Retardtabletten hat keinen Einfluss auf dessen Verteilung, Verstoffwechslung und Elimination. Die Serumspitzenkonzentration wird bei dieser Medikamentenform ungefähr fünf bis zehn Stunden nach der Einnahme erreicht.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Alprazolam kommt vor allem bei Angstzuständen und Panikstörungen zur Anwendung. Der Wirkstoff behandelt ausschließlich die Symptome, nicht jedoch den Auslöser der Beschwerden.

Das Hauptanwendungsgebiet von Alprazolam sind Angstzustände mit signifikanter Übererregbarkeit (Nervosität). Zum Teil wird es auch als Zusatztherapie bei der Behandlung von Depressionen verschrieben. Diese Verwendung ist unter Medizinern umstritten.

Zwar hat sich das Präparat bei kurzer Behandlungsdauer als wirksam erwiesen, bei längerer Verabreichung können die depressiven Beschwerden jedoch zunehmen. Daher eignet sich der Wirkstoff nicht zur alleinigen Behandlung bei einer Depression. Des Öftern wird Alprazolam auch als Schlafmittel genutzt. Hierfür hat es allerdings keine Indikation (Off-Label-Use). Bei höherer Dosierung kann das Medikament die Muskelspannung mindern und epileptische Krämpfe vermeiden helfen.

Zu Beginn bekommen viele Patienten dreimal am Tag 0,25 mg bis 0,5 mg Alprazolam. Bei Bedarf lässt sich die Dosis auf bis zu 3 mg täglich erhöhen. Nach der Einnahme treten teilweise Gedächtnislücken für die Zeit direkt nach der Anwendung auf. Daher ist auf eine ausreichend lange Schlafdauer der behandelten Personen zu achten.

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Risiken & Nebenwirkungen

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Alprazolam gehören Benommenheit, Schläfrigkeit und Schwindel. Müdigkeit, verringerte Aufmerksamkeit, Verwirrtheit, Muskelschwäche, Kopfschmerzen, Bewegungs- und Gangunsicherheit, Sehstörungen und Tremor sind zu Beginn der Behandlung ebenfalls nicht unüblich.

Die Einnahme dieses Wirkstoffs kann außerdem zu Leberfunktionsstörungen, Menstruationsstörungen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Verstopfung, Hyperprolaktinämie, Hautreaktionen und zur Veränderung der Libido führen.

Kinder und ältere Personen können nach der Gabe von Alprazolam aggressiv reagieren und unter Alpträumen, Reizbarkeit, Unruhe und Halluzinationen leiden. Sobald solche Symptome auftreten, empfiehlt es sich, den behandelnden Arzt aufzusuchen und die Behandlung mit diesem Medikament zu beenden.

Schon nach kurzer Einnahmezeit kann Alprazolam körperlich und psychisch abhängig machen. Das Risiko der Abhängigkeit steigt mit der Dauer der Einnahme und der Höhe der Dosierung. Besonders gefährdet sind Patienten, die vorher bereits einmal alkohol-, tabletten- oder drogensüchtig waren. Ein abruptes Absetzen des Wirkstoffs zieht Angstzustände, Reizbarkeit, Unruhe, Kopf- und Muskelschmerzen, in extremen Fällen sogar Realitäts- und Persönlichkeitsverlust oder starke Überempfindlichkeitsreaktionen nach sich.

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