Alpha-1-Antitrypsinmangel

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 17. Dezember 2017
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Ein Alpha-1-Antitrypsinmangel ist eine Erbkrankheit, die durch eine fehlerhafte Synthese von Alpha-1-Antitrypsin in der Leber gekennzeichnet ist und Schädigungen an Leber und Lunge verursacht. Alpha-1-Antitrypsinmangel stellt eine der Ursachen von Atemwegserkrankungen dar, die häufig nicht oder erst spät erkannt werden.

Inhaltsverzeichnis

Definition Alpha-1-Antitrypsinmangel

Der Alpha-1-Antitrypsinmangel ist eine erblich bedingte Erkrankung, die sich nachhaltig negativ auf die Lunge und die Leber auswirkt. Da das für die Erkrankung verantwortliche Gen verschiedenartigen Mutationen unterliegen kann, können sich voneinander abweichende Krankheitsbilder abzeichnen.

Diese reichen von leichten Erkrankungsformen, die mit keinen Beschwerden einhergehen können, bis hin zu schweren Formen eines Alpha-1-Antitrypsinmangels, die eine Leberzirrhose und ein Lungenemphysem nach sich ziehen können.

Darüber hinaus ist für die Form der Erkrankung ausschlaggebend, ob der für ein Alpha-1-Antitrypsinmangel verantwortliche Gendefekt lediglich von einem Elternteil (heterozygote, leichte Form) oder von beiden Elternteilen weitergegeben wurde (homozygote, schwere Form).

Ursachen

Der Alpha-1-Antitrypsinmangel geht auf einen Gendefekt des Chromosoms 14 zurück, das für die Synthese von Alpha-1-Antitrypsin zuständig ist und bei Vorliegen der Erkrankung fehlerhaftes Alpha-1-Antitrypsin herstellt.

Alpha-1-Antitrypsin ist ein Protein, das Eiweiß abbauende Enzyme wie Elastase (sogenannte Proteasen) hemmt. Bei einem gesunden Menschen liegt ein Gleichgewicht zwischen Alpha-1-Antitrypsin und körpereigenen Proteasen vor.

Wird die Lunge durch eine bakterielle Infektion oder Staub gereizt, wird Elastase freigesetzt, das die Eiweiße in den schädlichen Substanzen abbaut. Hierbei kann Elastase jedoch nicht zwischen körpereigenen und -fremden Proteinen differenzieren und greift auch Lungengewebe an, wenn sie nicht durch Alpha-1-Antitrypsin gehemmt wird.

Bei einem Alpha-1-Antitrypsinmangel liegt eine stark reduzierte Menge an „fehlerfreiem“ Alpha-1-Antitrypsin im Blut vor, der Regulationsmechanismus greift nicht und das Lungengewebe wird geschädigt. Darüber hinaus lagert sich das nicht funktionsfähige Alpha-1-Antitrypsin in der Leber ab und führt zu den für Alpha-1-Antitrypsinmangel typischen Leberschäden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ist typischerweise mit einer chronischen-obstruktiven Lungenerkrankung verbunden. Dieses Krankheitsbild äußert sich durch eine Reihe von Symptomen und Veränderungen. Zunächst kommt es zu einer Atemnot, die vor allem bei körperlicher Anstrengung auftritt. Begleitend dazu kommt es zu Husten, starkem Auswurf und einer keuchenden oder pfeifenden Atmung.

Durch die Schädigung des Lungengewebes kann es zu einer Lungenüberblähung kommen, die trockenen Reizhusten und Schmerzen hervorruft. Durch den Sauerstoffmangel im Blut färbt sich die Haut blau. Weiterhin äußert sich eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung durch wiederkehrende Atemwegsinfekte, zum Beispiel die chronische Bronchitis oder Entzündungen im oberen Rachenraum.

Die genannten Symptome treten meist zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr auf, wobei der Alpha-1-Antitrypsin-Mangel bereits lange Zeit vorher bestehen kann. Bereits davor kann es zu Leberbeschwerden kommen. Kann die Produktion von Alpha-1-Antitrypsin nicht mehr wie gewohnt stattfinden, sammeln sich veränderte Moleküle in den Leberzellen an.

Dies kann unter anderem zu einer chronischen Hepatitis und Leberzirrhose führen – beides macht sich oft schon im Kindes- und Jugendalter bemerkbar. Die typischen Symptome sind eine Gelbfärbung der Haut, eingefallene Augenhöhlen und mitunter auch Schmerzen im Oberbauch. Im weiteren Verlauf nimmt die körperliche Leistungsfähigkeit erheblich ab.

Diagnose & Verlauf

Der Alpha-1-Antitrypsinmangel ist eine erblich bedingte Erkrankung, die sich nachhaltig negativ auf die Lunge und die Leber auswirkt.

Ein Alpha-1-Antitrypsinmangel wird anhand einer Blutanalyse festgestellt. Liegt der Alpha-1-Antitrypsin-Wert deutlich unter dem Normalwert, deutet dies auf einen Alpha-1-Antitrypsinmangel.

Die Diagnose kann durch eine Gewebeentnahme aus der Leber (Leberbiopsie) oder eine genetische Analyse gesichert werden. Während die typischen Lebersymptome eines Alpha-1-Antitrypsinmangels wie chronische Hepatitis, Leberzirrhose und Ikterus (Gelbfärbung der Haut) schon im Kindesalter beobachtet werden können, entwickelt die Lunge in der Regel erst zwischen dem dreißigsten und vierzigsten Lebensjahr die für Alpha-1-Antitrypsinmangel charakteristischen Krankheitsanzeichen wie chronische Bronchitis, oftmals in Kombination mit einem Lungenemphysem, Atemnot, Reizhusten und Zyanose (Blaufärbung der Haut).

Etwa ein Fünftel der Betroffenen weisen ferner eine bronchiale Hyperreaktivität (Atemwegsüberempfindlichkeit) auf. Alpha-1-Antitrypsinmangel ist durch einen progressiven, potentiell letalen (tödlichen) Krankheitsverlauf gekennzeichnet.

Komplikationen

Ein Alpha-1-Antitrypsinmangel kann verschiedene Komplikationen nach sich ziehen. Durch das Alpha-1-Antitrypsin werden eiweißabbauende Enzyme gehemmt, das heißt bei einem Mangel werden die abbauenden Enzyme nicht gehemmt, weswegen es vor allem in der Lunge zu einem Abbau des Lungengewebes kommen kann. Der Betroffene bekommt schlechter Luft und leidet somit unter einer Atemnot.

Als häufigste Folge ist hier die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (kurz: COPD) zu nennen. Diese ist durch eine starke Abnahme der Lebensqualität gekennzeichnet, aber auch der Lebenserwartung. Zusätzlich kommt es hierbei zu einer Überblähung der Lungenbläschen (Emphysem). Dies verstärkt noch einmal die Atemnot und den Reizhusten, beim Betroffenen kann es zu einem Sauerstoffmangel kommen (Zyanose).

Daneben wird der Druck in den Lungengefäßen erhöht, so dass das rechte Herz einen größeren Druck aufwenden muss, um gegen den Widerstand anzuhalten. Dies kann in einer Schwäche enden (Rechtsherzinsuffizienz), welche durch eine starke Abnahme der Leistung und Müdigkeit charakterisiert ist.

Auch in der Leber führt der Mangel des Alpha-1-Antitrypsin zu erheblichen Schäden, die bis hin zu einer Leberzirrhose führen können. Dadurch wird die Syntheseleistung der Leber stark eingeschränkt, weswegen weniger Proteine produziert werden. Eine Störung der Gerinnung kann hier die Folge sein, aber auch ein verhäuftes Auftreten von Ödemen ist hierbei zu beobachten.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Da es durch den Alpha-1-Antitrypsinmangel vor allem zu Schäden an der Lunge und an der Leber kommen kann, muss bei dieser Krankheit auf jeden Fall eine ärztliche Behandlung stattfinden. Die Krankheit wird nicht von alleine heilen, sie bedarf einer Behandlung, sonst kann der Betroffene im schlimmsten Fall daran sterben. Da es in der Regel zu einer Gelbsucht kommt, sollte der Betroffene schon bei den ersten Anzeichen einen Arzt oder direkt das Krankenhaus aufsuchen.

Meistens kann hier auch ein Allgemeinarzt besucht werden, der den Patienten an einen Spezialisten weiterleitet. Außerdem stellen Husten und Atemnot ebenso Beschwerden des Alpha-1-Antitrypsinmangels dar und sollten durch einen Mediziner untersucht werden. Durch den Sauerstoffmangel kann es zu einer Blaufärbung der Haut kommen. Dabei können auf lange Sicht Organe und Extremitäten irreversibel geschädigt werden. Aus diesem Grund ist bei einer Blaufärbung der Haut ebenfalls sofort ein Doktor aufzusuchen. In vielen Fällen nimmt auch die Belastbarkeit und die Leistung des Patienten erheblich ab, was auch zu den gewöhnlichen Symptomen des Alpha-1-Antitrypsinmangels gehört.

Behandlung

Da Alpha-1-Antitrypsinmangel genetisch bedingt ist, existiert keine kausale (Ursachen bekämpfende) Therapie. Ein Alpha-1-Antitrypsinmangel wird bei leichter Krankheitsausprägung und gleichzeitig eingeschränkter Lungenfunktion in der Regel durch eine Ersatztherapie (Substitutionstherapie) behandelt, bei welcher intravenös Alpha-1-Antitrypsin, das gentechnisch oder aus Blutplasma synthetisiert wird, gespritzt wird.

Ziel der Therapie ist eine verlangsamte Abnahme der Lungenfunktionsfähigkeit. Hierbei ist eine Nikotinkarenz (Vermeidung aktiven und passiven Rauchens) grundlegend für den Behandlungserfolg, da Tabakrauch die Lungenbläschen zusätzlich schädigt und die Wirkung der Ersatztherapie mindert. Gleichzeitig werden die entsprechenden bereits aufgetretenen Folge- und Begleiterkrankungen eines Alpha-1-Antitrypsinmangels therapiert.

Ferner sollte eine Atemtherapie und eine entsprechende Infektionsprophylaxe (Pneumokokken- und Grippeimpfung) stattfinden. Bei einigen von Alpha-1-Antitrypsinmangel Betroffenen können bei eingeschränkter Lungenfunktionsfähigkeit laut Studien positive Effekte durch eine Therapie mit Glukokortikoiden (u.a. Kortisoninhalator) beobachtet werden.

Im fortgeschrittenen Verlauf eines Alpha-1-Antitrypsinmangels werden chirurgische Therapiemaßnahmen wie eine Entfernung der überblähten Lungenbereiche (Lungenvolumenreduktion), eine Leber- oder Lungentransplantation erforderlich.

Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei Alpha-1-Antitrypsinmangel bei 60 bis 68 Jahren, wobei Nikotinkonsum diese deutlich herabgesetzt (48 bis 52 Jahre).

Aussicht & Prognose

In der Regel führt der Alpha-1-Antitrypsinmangel zu verschiedenen Schäden und Beschwerden an der Lunge und an der Leber. Die Beschwerden an der Lunge werden dabei in vielen Fällen erst relativ spät erkannt, sodass eine frühzeitige Behandlung dieser Erkrankung meist nicht möglich ist. Die Betroffenen leiden dabei in erster Linie an einer Gelbsucht, die durch die Beschwerden an der Leber ausgelöst wird. Ebenso kann es weiterhin durch Schädigungen der Lunge zu einem starken Husten und weiterhin auch zu einer Atemnot kommen. Durch die Atemnot werden eventuell Organe und das Gehirn nicht mit genügend Sauerstoff versorgt. Ebenso kommt es durch die Unterversorgung mit Sauerstoff zu einer starken Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Die Betroffenen können dadurch kaum noch körperliche Arbeiten durchführen und sind daher in ihrem Alltag deutlich eingeschränkt. Die Lebensqualität wird durch den Alpha-1-Antitrypsinmangel verringert.

Es ist nicht möglich, den Alpha-1-Antitrypsinmangel kausal zu behandeln. Die Behandlung findet daher rein symptomatisch statt und zielt auf die Behandlung der einzelnen Beschwerden ab. Der Betroffene muss daher vor allem auf Zigaretten und Alkohol verzichte. Die Lebenserwartung wird durch den Alpha-1-Antitrypsinmangel deutlich verringert.

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Vorbeugung

Da ein Alpha-1-Antitrypsinmangel erblich bedingt ist, existieren keine direkt vorbeugenden Maßnahmen. Jedoch kann durch das Einhalten spezifischer Verhaltensregeln einem schweren Verlauf der Erkrankung vorgebeugt werden.

Hierzu gehören der Verzicht auf Zigarettenkonsum, ein eingeschränkter Alkoholkonsum, Vermeidung von Schadstoffen, die die Lungenfunktion beeinträchtigen (Kaminöfen, hohe Ozon-Werte, Staubpartikel) sowie vorbeugende Maßnahmen gegen Atemwegserkrankungen (Pneumokokken-, Grippeimpfung). Auch das Erlernen der entsprechenden Atemtechnik im Rahmen physiotherapeutischer Maßnahmen und Lungensport können die von Alpha-1-Antitrypsinmangel verursachten Atembeschwerden minimieren und so die Lebensqualität anheben.

Das können Sie selbst tun

Die seltene Erbkrankheit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ist zwar von Geburt an vorhanden, wird aber häufig nicht erkannt, weil sich die ersten Symptome meist erst im Erwachsenenalter zeigen. Frühzeitige, hilfreiche medizinische Behandlungen und gezielt angewandte Selbsthilfemaßnahmen bleiben dadurch meist aus. Eine frühe Erkennung der Enzym-Mangelerscheinung könnte auch einer Reihe von Selbsthilfemaßnahmen zu einer höheren Effizienz verhelfen.

Selbst wenn bei erfolgter Diagnose der Krankheit bereits eine Schädigung des Lungengewebes vorliegt, ist leichtes Ausdauer- und Intervalltraining drei- bis fünfmal pro Woche im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten wichtig. Hierdurch kräftigen sich die noch intakten Lungenbläschen. Zur Unterstützung der Atmung ist gezieltes Training der Atemmuskulatur hilfreich.

Besondere Aufmerksamkeit sollte einer vitamin- und enzymreichen Ernährung zukommen, die sowohl aus rein pflanzlichen wie unter Einbezug tierischer Produkte aufgebaut sein kann. Besonders wichtig ist die ausreichende Versorgung mit den fettlöslichen [[Vitamin A|Vitaminen A, D und E sowie mit dem stark antioxidativen Vitamin C. Besonders das Vitamin E schützt die Zellmembranen, so dass das Immunsystem weniger aggressiv auf das Lungengewebe einwirken kann.

Als reine Vorsorgemaßnahme sollten Betroffene Kontakte zu Menschen, die offensichtlich an einer Erkältung oder an einer sonstigen Bakterien- oder Viruserkrankung leiden, möglichst meiden, um nach Möglichkeit eine Ansteckung zu verhindern. Als wichtige Vorbedingung für die Wirksamkeit sämtlicher Maßnahmen gilt die Einhaltung eines strikten Rauchverbotes.

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Quellen

  • Baenkler, H.-W.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Gerok, W., Huber, C., Meinertz, T., Zeidler, H. (Hrsg.): Die Innere Medizin: Referenzwerk für den Facharzt. Schattauer, Stuttgart 2007
  • Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage, De Gruyter, Berlin 2014

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