Allergie und Nervensystem
Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Friedrich (Facharzt für Innere Medizin)Anzeige
Als Allergien wird eine besondere Empfindlichkeit des Organismus gegenüber verschiedenartigen Stoffen, wie Chemikalien, menschlichem oder tierischem Eiweiß, Arzneimitteln, Pflanzen, Gräserpollen und Nahrungsmitteln bezeichnet. Der Organismus bildet gegen die auf dem Atemwege, durch die Haut und Schleimhäute oder bei der Nahrungsaufnahme ins Blut eindringenden Stoffe (Antigene) Antikörper.
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Ursachen für Allergien
Die Häufigkeit solcher Erkrankungen kann im weitesten Sinne von der Körperbeschaffenheit des Menschen abhängig sein. So gibt es Familien, in denen die Neigung zu allergischen Erkrankungen, wie Ekzemen, Asthma bronchiale, Heuschnupfen und anderen, auf Grund einer besonderen Durchlässigkeit der Schleimhäute weit verbreitet ist. In solchen Fällen muss schon im Kindesalter versucht werden, durch systematische medikamentöse Therapie, Klimabehandlung und andere physiotherapeutische Maßnahmen eine Umstimmung der Reaktionslage des Organismus, also der Disposition zur Allergie, zu erzielen.
Auch die häufige Konfrontierung mit bestimmten Stoffen oder Substanzen kann schließlich zu einer Allergie führen; man denke besonders an Berufe in der chemischen Industrie. Die Überempfindlichkeit derartigen Allergenen gegenüber (also Stoffen, die allergische Krankheitsbilder auslösen) kann so weit gehen, dass sie selbst bei einer Verdünnung 1:1.000.000 noch allergische Erscheinungen auslösen können. Darauf beruht im Übrigen das Prinzip der Allergietests, bei der man hohe Verdünnungen von Stoffen, durch die möglicherweise eine Allergie hervorgerufen wird, in die Haut einführt.
So können sich die Symptome eines Heuschnupfens, der schon seit Jahren besteht, unter dem Eindruck beruflicher und privater Konflikte wesentlich verschlimmern. Ebenso kann aber auch das Gegenteil eintreten, wie wir beispielsweise bei einem Patienten beobachteten, dessen Heuschnupfenerscheinungen während eines Todesfalls in der Familie für einige Zeit völlig verschwanden. Hier zeigt sich bereits der Einfluss zentralnervaler Erregungen auf die Blutgefäßdurchlässigkeit (Permeabilität), auf die allergische Reaktion und möglicherweise auch Antikörperbildung.
Beispiele für Allergien
Unter bestimmten Bedingungen treten bei Allergikern auch körperliche Sensationen auf, die denen der allergischen Reaktionen gleichen und bei denen sich dennoch kein Allergen nachweisen lässt, ja, bei denen eine Beteiligung des Allergens sicher auszuschließen ist. Es liegt gegenüber bestimmten Stoffen eine echte Allergie vor, die aber auch durch andere Momente vorgetäuscht werden kann. Hierfür folgende Beispiele:
Ein Mädchen leidet an einer Nahrungsmittelallergie gegen Erdbeeren, die in juckenden roten Hautquaddeln zum Ausdruck kommt. Aus diesem Grund ist ihr der Genuss dieser schmackhaften Früchte vom Arzt verboten worden. Bei Besuch von Bekannten muss sie daher bei einem Erdbeeressen mit Schlagsahne sehr zu ihrem Leidwesen zuschauen. Und dennoch, bereits gegen Ende der Mahlzeit verspürt sie einen Juckreiz, und es bilden sich dieselben Hautquaddeln wie nach einem wirklichen Genuss der Früchte. In diesem Fall könnte man das Zustandekommen einer Allergie auch durch den Erdbeergeruch annehmen, wissen wir doch, dass auch minimale Mengen des Allergens ein ausgeprägtes allergisches Erscheinungsbild hervorrufen können. Zur Überprüfung versetzten wir die Patientin, die selbst an einer Klärung interessiert war, in Hypnose und suggerierten ihr ein Erdbeeressen. Freudig griff sie zu den in ihrer Vorstellung vorhandenen Früchten. Nach kurzer Zeit traten die gleichen Hauterscheinungen auf wie nach einem wirklichen Genuss von Erdbeeren.
Auch die Auslösung eines Asthmaanfalls als Ausdruck von Überempfindlichkeit gegenüber Bettfedern oder in Bettfedern befindlichen Schimmelpilzen kann in der gleichen Intensität mit allen Erscheinungen des Bronchialkrampfes und der vermehrten Schleimsekretion auftreten, wenn die Berührung von verpilzten Bettfedern nur vorgetäuscht wird. Am bekanntesten ist jedoch folgendes vielzitiertes Beispiel: Ein Patient, der auf den Geruch von Rosen mit einem Asthmaanfall reagierte, erlitt einen heftigen Anfall, als er an Papierrosen roch. Aus unseren Beispielen wird deutlich, dass neben einer echten Allergie auch noch andere Faktoren die Auslösung eines allergischen Anfalls hervorrufen, und zwar nervale Reflexe, die sich bei längerer Dauer der Erkrankung mehr und mehr ausbilden.
Bei solchen Patienten handelt es sich um eine Ausbildung der von Pawlow beschriebenen "bedingten Reflexe", hier jedoch zu pathologisch bedingte Reaktionen, die allein durch die Vorstellung, also über das Zentralnervensystem, ausgelöst werden, wie zum Beispiel der Speichelfluss bei dem bloßen Gedanken an ein schmackhaftes Essen. Der Einfluss des Zentralnervensystems auf den Ablauf der allergischen Reaktionen wird jedoch durch Einbeziehung weiterer Faktoren, wie eingangs am Beispiel des Heuschnupfens dargelegt, noch wesentlich komplizierter. Dies gilt sowohl für das Asthma bronchiale als für allergische Hauterscheinungen. Ein Ekzem kann im Zustand seelischer Entspannung völlig verschwinden.
Neben den bestehenden körperlichen Veränderungen spielt auch die psychische Einstellung zu den Leiden, insbesondere im Zusammenhang mit der Auslösung des einzelnen Anfalls, eine große Rolle. Schon die Angst vor dem Anfall überhaupt ist geeignet, das Anfallsleiden hervorzurufen. Auch das wiederholte Erlebnis eines Asthmaanfalls im Elternhaus kann die Neigung zum echten Anfall, vor allem bei Kindern, wesentlich verstärken. In Perioden seelischer und körperlicher Erschöpfung kann ebenfalls eine Häufung von Anfällen eintreten, während eine ausgeglichene Stimmungslage am Urlaubsort oder freudige Erregung wie eine "Asthmamedizin" wirken kann.
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Behandlung und Therapie von Allergien
Aus den wissenschaftlich erforschten Zusammenhängen zwischen dem Großhirn, den vegetativen Umschaltstellen im Zwischenhirn und der Auslösung allergischer Reaktionen konnten wesentliche Schlußfolgerungen für die Vorbeugung und Behandlung allergischer Erkrankungen gezogen werden. Wenn der Arzt auch in vielen Fällen nicht ohne Antiallergika, Antiasthmatika oder Nebennierenhormonpräparaten auskommt, so wird er doch stets den Einfluss zentralnervaler Regulationen, die die Gefäßdurchlässigkeit verändern oder die Bronchien krampfartig verengen können, in Betracht ziehen.
Durch die Beseitigung schädlicher psychischer Einflüsse kann unter Umständen vermieden werden, dass seelische und körperliche Belastungen, Angst und Atemnot den letzten Anstoss zur Auslösung eines Asthmaanfalls geben. Die Kenntnis dieser körperlich-seelischen Zusammenhänge nimmt dem Betroffenen die Angst vor dem Anfall und bewahrt ihn damit häufig vor dem Anfall selbst.
Ähnliche prophylaktische aufklärende Methoden haben es uns ja auch ermöglicht, den Schwangeren die Angst vor der Geburt zu nehmen und damit eine Schmerzlinderung während des Geburtsvorgangs herbeizuführen.
Entstehungsmechanismus und Ablauf allergischer Erkrankungen zeigen uns mit eindringlicher Deutlichkeit den engen Zusammenhang und die gegenseitige Beeinflussung eines überempfindlich reagierenden Abwehrmechanismus mit dem jeweiligen Erregungszustand und den Regulationsabläufen im Zentralneryensystem. Noch bestehen unter den meisten an Allergie Erkrankten Unkenntnis über die Zusammenhänge und damit nicht selten Unverständnis für die Empfehlungen des behandelnden Arztes. So mancher Patient versteht einfach nicht, warum er einmal keine Medikamente verschrieben bekommt, auch wenn diese Maßnahme vom ärztlichen Standpunkt völlig richtig ist. Womöglich sucht er noch einen anderen Arzt auf, der ihn aus Unwissen über sein Gesamtkrankheitsbild mit einem Rezept zur Apotheke schickt und damit mehr schlecht als recht handelt.
Bücher über Allergien
Weblinks
Quellen: Herold, G.: Innere Medizin, Köln 2012; Andreae, S.: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Stuttgart 2008; Ruß A., Endres S.: Arzneimittel pocket plus 2012, Grünwald 2012, Greten H., Rinninger F.: Innere Medizin, Stuttgart 2010.
Von Dr. med. Albrecht Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin).
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