Alkohol bei Kindern und Jugendlichen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Juli 2017
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Jugendliche, die sich aus dem Elternhaus lösen und den Übertritt in die Gesellschaft als selbstständige Mitglieder vollziehen, befinden sich mit ihrer neuen Umgebung in einer ständigen Auseinandersetzung. Im Ringen um diese Selbstständigkeit lehnen sie Belehrung in gleichem Maße ab, wie sie Vorbildern nacheifern. Oft orientieren sie sich dabei auf solche Eigenschaften, die ihnen als besonderer Ausdruck des Erwachsenseins und als Privileg der Erwachsenen erscheinen. Da aber ihre Umwelt selbst nicht ohne Fehler und das eigene Urteilsvermögen noch nicht immer ausreichend entwickelt ist, unterläuft ihnen manch ein Irrtum. Das betrifft auch die Frage des Alkoholgenusses.

Inhaltsverzeichnis

Alkohol - Gefahr für die Entwicklung

Die Zahl der Jugendlichen, denen das Trinken von Alkohol zu einem mehr oder minder ständigen Bedürfnis geworden ist, ist erschreckend groß und nimmt ständig zu. Viele von ihnen trinken Alkohol im Glauben, damit sehr erwachsen zu handeln. Diesen Trugschluss kann man nicht den Jugendlichen zur Last legen. Er ergibt sich vielmehr aus dem fehlerhaften Verhalten der Erwachsenen in ihrer Umgebung. Man kann es erleben, dass noch nicht schulpflichtige Kinder bei Familienfeiern ihren „Kinderschnaps“ erhalten.

In vielen Elternhäusern können Kinder ohne Mahnung und Strafe in Wein- und Likörgläsern naschen. Weitverbreitet ist auch die Unsitte, dass Jugendliche bei ihrer Abschlussfeier nach der Schule, der Konfirmation oder Jugendweihe, mit dem Vater und sonstigen Familienmitgliedern in aller Öffentlichkeit anstoßen dürfen. Diese Fehlorientierung setzt sich fort in vielen Lehr- und Ausbildungsfirmen und vor allem in zweifelhaften Bekanntenkreisen. Aufdringliche Anpreisungen und Auslagen alkoholischer Getränke, die unendlich große Zahl von Kneipen, von ungeeigneten Vergnügungsstätten und das schlechte Vorbild der Erwachsenen gehören ebenfalls zur Umwelt der heranwachsenden Jugend und üben ihren ungünstigen Einfluss aus.

Es ist also kein Wunder, wenn man mit Besorgnis feststellt, dass sich der Verbrauch von Alkohol immer mehr in die jungen Jahre hineinverlagert. Die Besorgnis ergibt sich vor allem aus der Tatsache, dass das, was man in jungen Jahren annimmt, sehr leicht zur Gewohnheit wird und der Alkoholkonsum gerade in jungen Jahren besonders schädlich ist.

Einige Milliarden Euro werden jährlich allein in Deutschland für den Kauf alkoholischer Getränke ausgegeben. Worin ist die Ursache für diesen gewaltigen Verbrauch alkoholischer Getränke zu suchen? (Über den Wert des Alkohols als Nahrungsmittel und seinen Nutzen in der Medizin zu sprechen, ist hier nicht der Platz. Beides wird im übrigen weit überschätzt.) Der Alkohol wird genossen, weil er eine angenehme, leichte Stimmungslage verschafft. Sorgen und Lasten des Alltags wiegen unter der Wirkung von Alkohol nicht mehr.

Wirkung von Alkohol

Schwere Leberschäden, Fettleber, und Alkoholhepatitis (Leberentzündung) oder einer Leberzirrhose sind die gefährlichen Erkrankungen, die mit einer Alkoholsucht einhergehen können.

Wie kommt nun diese Wirkung des Alkohols zustande? In der Großhirnrinde des Menschen findet ständig ein Wechselspiel zwischen Erregungen und Hemmungen statt. Diese Erregungs- und Hemmprozesse spiegeln die Erfahrungen wider, die der Mensch in seiner Entwicklung sammelt, und stellen schließlich das zur Erhaltung der Existenz notwendige Gleichgewicht zwischen dem Menschen und seiner Umgebung her. Umstände, die diese Prozesse stören, stören auch das Gleichgewicht zwischen Mensch und Umgebung.

Wenn Alkohol nicht in so großen Mengen genossen wird, dass eine allgemeine Lähmung der Funktionen des zentralen Nervensystems eintritt, wirkt die Alkohollähmung sehr spezifisch auf die Hemmfunktionen des Zentralnervensystems. Umsicht, Urteilsvermögen, Selbstbeherrschung usw. gehen unter der Wirkung des Alkohols verloren. Daraus resultieren der verstärkte Bewegungs- und Rededrang, die Selbstüberschätzung und das gesteigerte Geltungsbedürfnis, das unmotivierte Lachen und Weinen der Berauschten. So unterschiedlich im einzelnen das Verhalten der Berauschten auch sein mag, eines ist stets gemeinsam: In der Trunkenheit wird die Welt des Seins, der Wirklichkeit mit der Welt des Scheins, der Illusion vertauscht.

Unter der Wirkung größerer Mengen von Alkohol kommt es zu Fehleinschätzungen und Fehlreaktionen, deren Folgen allgemein so bekannt sind, dass sie hier nicht im einzelnen angeführt werden müssen. Die Folgen müssen aber um so drastischer sein, je weniger solche Erfahrungen, wie z.B. Umsicht, Urteilsvermögen und Selbstbeherrschung schon zu festen Charaktereigenschaften geworden sind, je weniger also die Persönlichkeit entwickelt ist. In der Tat lässt sich auch nachweisen, dass Jugendliche in der Trunkenheit im allgemeinen viel unbeherrschter sind als Erwachsene, und dementsprechend sind auch die Folgen ernster.

Hinzu kommt, dass Jugendliche an den Folgen viel schwerer zu tragen haben, weil sie erst am Anfang ihrer Entwicklung stehen. Wie vielen Prostituierten wurden unüberlegte und unüberwundene Erlebnisse unter Alkoholeinfluss Anlass und Anfang ihres Abgleitens. Durch den Alkohol wird manch ein Leben zerstört, bevor es eigentlich begonnen hat.

Alkoholmissbrauch

Neben diesen unmittelbaren und sichtbaren Folgen treten nach regelmäßigem Alkoholkonsum bei Jugendlichen Störungen in der Entwicklung der Persönlichkeit auf, deren Zusammenhang mit dem Alkoholgenuss nicht ohne weiteres erkennbar ist, und die daher statistisch auch nur schwer zu erfassen sind. Die Einreihung der Jugendlichen als selbstständige Mitglieder in die Gesellschaft vollzieht sich nicht konfliktlos. In diesem Prozess bilden sich die moralischen und sozialen Anschauungen, die Urteilsfähigkeit und das Selbstbewusstsein der Jugendlichen heraus.

Es entwickeln sich Eigenschaften, die für die Gestaltung eines zielstrebigen und verantwortungsvollen Lebens erforderlich sind. Einer Lösung der Konflikte durch Betäubung mit Alkohol aus dem Weg zu gehen und sich damit in die Welt des Trugs zu flüchten, statt sich mit der Wirklichkeit auseinanderzusetzen, ist für junge Menschen eine verhängnisvolle Versuchung. Menschen, die einen solchen Weg gehen, werden den Schwierigkeiten und oft recht harten Anforderungen des Lebens schlecht gewachsen sein, wenn sie ihnen nicht gar unterliegen. Schäden dieser Art sind sehr ernst zu werten, da nach Ansicht einer Reihe namhafter Wissenschaftler die Zahl der von ihnen betroffenen Jugendlichen in die Hunderttausende geht.

Krankheiten durch Alkoholmissbrauch

Die Wesensveränderungen nach chronischem Alkoholmissbrauch können schließlich solche Grade annehmen, dass die Betroffenen für ihre Umgebung nicht mehr tragbar werden und in Anstalten untergebracht werden müssen. Leider betrifft das in zunehmendem Maße auch Jugendliche. Chronischer Alkoholgenuss führt in vielen Fällen auch zu schweren Veränderungen der Organe. Entzündungen des Magendarmkanals, Leberschrumpfungen, Hautveränderungen und anderes mehr sind häufig auftretende Folgen übermäßigen Alkoholmissbrauchs. Die meisten dieser Schäden werden heute auf Vitaminmangel zurückgeführt.

Der Vitaminmangel tritt dadurch ein, dass der Alkoholiker seinen Energiebedarf zu großen Teilen durch den Alkohol deckt und nicht, wie notwendig, durch normale, vitaminreiche Kost. Dieser Vitaminmangel erklärt hinreichend die Tatsache, dass sich unter Alkoholmissbrauch organische Schäden bei Jugendlichen leichter einstellen als bei Erwachsenen, da der im Wachstum begriffene Körper einen hohen Vitaminbedarf hat.

Aus all diesen Gründen muss man es begrüßen, dass im Jugendschutzgesetz (JuSchG) auch ein Ausschank- und Verkaufsverbot alkoholischer Getränke an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren und eine Abgabebeschränkung für Jugendliche von 16 bis 18 Jahren festgelegt ist, gleichgültig, ob die Jugendlichen allein sind oder sich in Begleitung ihrer Eltern oder anderer Erwachsener befinden. Übertretungen dieses Gesetzes werden mit empfindlichen Gefängnis- oder Geldstrafen geahndet. Diese Gesetze werden aber erst dann in vollem Umfang wirksam, wenn sie von den Menschen verstanden, befürwortet und unterstützt werden, denen die Erziehung der Kinder und Jugendlichen obliegt: den Eltern, Lehrern und Erziehern.

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