Alemtuzumab

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. November 2016
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Der monoklonale Antikörper Alemtuzumab bindet an bestimmte weiße Blutkörperchen (B- und T-Lymphozyten) und bewirkt deren Abbau. Während Alemtuzumab früher auch bei chronisch-lymphatischer Leukämie (CLL) zugelassen war, wird es heute hauptsächlich bei Multiple Sklerose (MS) eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Alemtuzumab?

Alemtuzumab ist ein monoklonaler Antikörper, der spezifisch an das Antigen CD52 auf der Oberfläche von Lymphozyten bindet. Bildet der menschliche Körper als natürliche Reaktion auf den Kontakt mit Krankheitserregern Antikörper, dann sind diese immer polyklonal.

Das bedeutet, die gebildeten Antikörper stammen von vielen verschiedenen Zellen und richten sich gegen unterschiedliche Epitope (Bindestellen für Antikörper). Monoklonale Antikörper werden dagegen gentechnisch hergestellt. Sie werden im Labor von Zellen einer bestimmten Zelllinie produziert.

Diese Zellklone bilden alle den exakt gleichen (monoklonalen) Antikörper, der sich nur gegen ein einzelnes, spezifisches Epitop richtet. Im Falle von Alemtuzumab ist dies das Oberflächenantigen CD52, das sich auf gesunden und malignen B- und T-Lymphozyten befindet.

Pharmakologische Wirkung

Lymphozyten sind Bestandteil des Immunsystems und gehören zu den weißen Blutkörperchen. Antikörper mit einer Spezifität gegen Lymphozyten erkennen diese und binden spezifisch an ein bestimmtes Antigen auf diesem Zelltyp. Durch die Bindung des Antikörpers erkennt das körpereigene Immunsystem die Lymphozyten und baut sie ab.

Ein Beispiel für einen Lymphozyten-spezifischen Antikörper ist Alemtuzumab. Dieser Antikörper ist gegen CD52 gerichtet. CD52 wird auch als CAMPATH1-Antigen bezeichnet und kommt fast ausschließlich auf reifen Lymphozyten vor. Man findet CD52 sowohl auf B-Lymphozyten (B-Zellen) als auch auf T-Lymphozyten (T-Zellen). Zur Behandlung wird Alemtuzumab den Patienten unter ärztlicher Aufsicht als Infusion verabreicht. Durch das Präparat werden die Lymphozyten im Körper des Patienten selektiv abgetötet.

Je nach Dosierung eignet sich das Medikament dazu, die Zahl der Lymphozyten mehr oder weniger stark zu verringern. Dies kann zum Beispiel bei Erkrankungen, bei denen die Lymphozyten krankhaft verändert sind, wichtig sein. Allerdings sind die Lymphozyten ein Teil des natürlichen Immunsystems. Ein Abbau dieser Zellen führt immer auch zu einer Schwächung der Immunabwehr.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Während Alemtuzumab früher auch bei chronisch-lymphatischer Leukämie (CLL) zugelassen war, wird es heute hauptsächlich bei Multiple Sklerose (MS) eingesetzt.

Unter dem Handelsnamen MabCampath® wurde der monoklonale Antikörper Altemtuzumab gegen chronisch-lymphatische Leukämie (CLL) verwendet. Bei dieser Erkrankung zeigte er sich als Krebsimmuntherapie bei einem Teil der Patienten als gut wirksam.

Inzwischen wurde die Zulassung von Alemtuzumab bei der Indikation CLL jedoch durch die Herstellerfirma zurückgezogen. Hintergrund dafür waren offensichtlich kommerzielle Überlegungen und keine unerwünschten Arzneimittelwirkungen (Nebenwirkungen). 2013 wurde Alemtuzumab für die Behandlung von Multiple Sklerose (MS) neu zugelassen und unter dem Handelsnamen Lemtrada® wieder auf den Markt gebracht – allerdings um das 40-fache teurer im Vergleich zum früheren Präparat.

Heute wird Alemtuzumab deshalb größtenteils bei Multipler Sklerose (MS) verwendet. Ziel ist nicht die Abtötung möglichst vieler Lymphozyten, sondern nur eine vorübergehende Dezimierung der Abwehrzellen. Diese sind bei MS im Zentralnervensystem an der Zerstörung der Myelinscheiden beteiligt. Anschließend bildet der Körper wieder neue B- und T-Lymphozyten. Alemtuzumab kann bei MS deshalb deutlich niedriger dosiert werden als in der Krebstherapie.

Außerhalb der Zulassung wird Alemtuzumab weiterhin bei bestimmten Untergruppen von CLL-Patienten verwendet und wird in der Induktionstherapie bei Nierentransplantationen eingesetzt.

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Risiken & Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen des Antikörpers Alemtuzumab sind Hautausschläge, Kopfschmerzen, Fieber und Atemwegsinfekte. Viele der unerwünschten Wirkungen beruhen direkt auf dem Lymphozyten-abtötenden Effekt. Dadurch wird eine Suppression des Immunsystems erreicht, die zum Teil auch erwünscht ist (zum Beispiel bei der Behandlung von Patienten mit Multiple Sklerose).

Zugleich erhöht ein geschwächtes Immunsystem jedoch immer das Risiko für Infektionen und kann Autoimmunerkrankungen auslösen oder verstärken. In einzelnen Fällen kam es nach der Behandlung mit Alemtuzumab zu einer idiopathischen thrombozytopenischen Purpura (ITP). ITP wird auch Immunthrombozytopenie genannt und ist eine Autoimmunkrankheit, die die Blutplättchen (Thrombozyten) betrifft.

Bei jedem vierten behandelten MS-Patienten traten Autoimmunreaktionen gegen die Schilddrüse auf. Diese führten zum Teil zu Morbus Basedow, einer Überfunktionserkrankung der Schilddrüse. Um solche schwerwiegenden Nebenwirkungen zu erkennen, wird während der Behandlung das Blutbild der Patienten engmaschig überwacht.

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