Akzeleration

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 12. November 2016
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Die Akzeleration entspricht einer somatischen oder psychischen Entwicklungsbeschleunigung.

Neben individuellen Akzelerationen kommen auch säkulare Akzelerationen vor, bei denen eine ganze Generation durch umweltliche Einflüsse einer beschleunigten Entwicklung unterworfen ist.

Mit körperlichen Akzelerationen gehen vor allem Haltungsschäden einher.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Akzeleration?

Unter der Akzeleration verstehen Mediziner eine Beschleunigung oder allgemeine Zunahme der Reife oder des Wachstums, so zum Beispiel der sexuellen Reife. Auf die Sexualität bezogen verweist vor allem eine früh einsetzende Pubertät auf eine Akzeleration.

Der Begriff stammt vom lateinischen Nomen "acceleratio" ab, das wörtlich übersetzt so viel wie „Beschleunigung" bedeutet. Grundsätzlich liegt also Akzeleration vor, wenn die individuelle, körperliche Entwicklung eines Individuums schneller oder extremer vor sich geht, als die seiner Altersgenossen. Die Rede ist dann von individueller Akzeleration.

Ebenso spricht der Mediziner aber auch von Akzeleration, wenn die Entwicklung einer ganzen Generation schneller oder extremer verläuft, als die der vorausgegangenen Generation. In diesem Zusammenhang ist auch von einer säkularen Akzeleration die Rede.

Auf die Sexualität bezogen verweist vor allem eine früh einsetzende Pubertät auf eine Akzeleration.

Manchmal wird neben der somatisch beschleunigten Entwicklung sogar eine beschleunigte Entwicklung der Psyche als Akzeleration bezeichnet. Auch im Bildungswesen kann von Akzeleration die Rede sein. So insbesondere in der Hochbegabtenförderung, also bei Unterrichtsformen für Schüler, deren kognitive Fähigkeiten sich schneller entwickeln als die des Durchschnitts.

Das Gegenteil der Akzeleration ist die Retardierung. Dieses Phänomen entspricht einer geistig oder körperlich verlangsamten Entwicklung und stellt sich beispielsweise im Rahmen vieler Genmutationen ein.

Funktion & Aufgabe

Die körperliche Entwicklung eines Lebewesens ist an seine Umgebung angepasst. Akzelerationen sind also Phänomene der Anpassung, die Wissenschaftlern zufolge vermutlich auf veränderte Umweltbedingungen zurückzuführen sind. In Industrienationen haben Forscher etwa wegen des permanent verbesserten Lebensstandards alljährlich eine Größenzunahme dokumentieren können, die offenbar einer regelmäßigen Akzeleration entspricht. Auch die klimatischen Bedingungen einer Region werden mit der körperlichen Entwicklung in Zusammenhang gebracht.

Die Reizzufuhr soll ebenfalls mit der körperlichen Entwicklung zusammenhängen. Die vielen Reize innerhalb einer städtischen Zivilisation wirken sich auf die körperliche Entwicklung eines Individuums demnach beschleunigend. Einen Einfluss auf die Entwicklung sollen außerdem etwaige Stresseinwirkungen während der Kindheit haben.

Die Zusammenhänge von Akzeleration und Urbanisierung sowie Industrialisierung werden von einigen Forschern mittlerweile allerdings wieder in Frage gestellt. Speziell in den vergangenen Jahren hat sich das Blatt in den Industrienationen gewendet. Trotz der stetig verbesserten Lebensstandards in diesen Ländern schreitet die körperliche Entwicklung aktuell wieder langsamer voran.

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Krankheiten & Beschwerden

Die Akzeleration in den Industrienationen hat einige gesundheitlich Beschwerden begünstigt. 1975 war ein großer Mann rund 184 Zentimeter groß. 2000 galt erst ein Körpermaß von 191 Zentimetern in den Industrienationen als groß. Diese Akzeleration hat vor allem Haltungsschäden begünstigt.

Eine gesunde Wirbelsäule wölbt sich im Brustbereich etwas nach hinten und im Lendenbereich ein Stück nach vorne. Große Menschen ziehen jedoch oft den Kopf ein oder bewegen sich vermehrt gebeugt, was der natürlichen Krümmung der Wirbelsäule entgegen steht. Die Schultern tragen besonders große Menschen häufig zusammengezogen. Auch das steht der natürlichen Wirbelsäulenform entgegen. In einigen Fällen wollen sich große Menschen bewusst oder unbewusst kleiner machen, um sich so dem Durchschnitt anzupassen.

Zum anderen befindet sich ihr Feld der Interaktion weiter unten und sie sind teils zu dieser Fehlhaltung gezwungen, da ihre Umwelt nicht auf sie ausgelegt ist. Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs liegen so zum Beispiel oft nicht auf ihrer Höhe. Auch die Fahrzeugindustrie ist an starke Akzelerationen nicht angepasst und zwingt überdurchschnittlich große Menschen unter Umständen zu Fehlhaltungen, die sie sich auf längere Sicht zur Gewohnheit machen.

Eine Folge dessen sind nicht nur Rückenbeschwerden, sondern vor allem auch Gelenkbeschwerden. Durch die Fehlbelastungen der Gelenke nutzen sich die Gelenkknorpel in vielen Fällen frühzeitig ab, was Erscheinungen wie Arthrose begünstigt. Als Begleitsymptome stellen sich bei Haltungsschäden häufig starke Kopfschmerzen und Nackenschmerzen ein.

Die natürliche Krümmung der Wirbelsäule dämpft Belastungen während des Gehens oder während anderer Bewegungsarten ab. Diese dämpfende Funktion ist bei einer Fehlhaltung nicht mehr gegeben, wodurch sich die genannten Symptome einstellen können.

Theoretisch lässt sich die Größenzunahme medizinisch begrenzen, indem den Betroffenen Hormone gegeben werden. Diese Behandlungsform ist aber umstritten und mit vielen Nebenwirkungen behaftet. Indiziert ist ein Eingriff in die körperliche Entwicklung nur bei starken Extremen, die gesundheitlich untragbare Konsequenzen bedeuten würden.

Auch eine beschleunigte Entwicklung der Sexualität kann unter Umständen Beschwerden verursachen. Frühreife Jugendliche neigen Studien zufolge so zum Beispiel zu deutlich stärkeren Selbstbehauptungstendenzen und zu einer starken Erotisierung ihrer Umwelt. Einige Akzelerationen finden auch im Rahmen einer Erkrankung statt, so beispielsweise der Hochwuchs.

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