Agar-Agar

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 29. November 2016
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Wer auf bewusste Ernährung achtet, wird Agar-Agar als veganen Gelatine-Ersatz kennen. Das weiße, aus Kohlenhydraten, Eiweiß und Rohfasern bestehende Pulver spielt jedoch auch in der Naturheilkunde eine Rolle und wird sogar in der Mikrobiologie eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen & Anbau von Agar-Agar

Agar-Agar – auch bekannt als Agar-Tang, Japanischer Fischleim oder Japanische Gelatine – ist eine gelierende Substanz, die aus den Zellwänden bestimmter Rotalgenarten gewonnen wird. Die am häufigsten verwendete Algenart ist Gelidium amansii lamour, ein bis zu 25 Zentimeter langes, zart verzweigtes Gewächs.

Es gedeiht vor allem in Südostasien an den Küsten des Indischen Ozeans, kommt aber auch vor den Küsten Kaliforniens und Mexikos vor. Die Algen werden im Sommer vom Meeresboden geerntet beziehungsweise bei Ebbe am Strand gesammelt, gründlich gereinigt und dann zum Trocknen ausgelegt. Anschließend werden sie in Wasser gekocht, wobei sich der gewünschte Inhaltsstoff aus den Zellwänden löst und das Kochwasser in ein dickflüssiges Gel verwandelt.

Dieses wird getrocknet oder gefriergetrocknet, oft auch noch gebleicht, und liegt dann in Form von Flocken oder weißem Pulver vor. Der Name „Agar-Agar“ kommt aus dem Indonesischen beziehungsweise Malaiischen und bedeutet übersetzt so viel wie „gelierendes Lebensmittel aus Algen“. Neben Gelidium eignen sich für die Gewinnung der Substanz auch die Rotalgen Garcilaria, Hypnea und Pterocladia.

Wirkung & Anwendung

Bereits im 17. Jahrhundert stellten die Japaner Agar-Agar her und setzten es bei der Zubereitung von Speisen ein. Bis heute sind zum Beispiel Tokoroten-Nudeln beliebt als kalorienarmer und erfrischender Snack. Auch in der chinesischen Küche findet das geruchs- und geschmacksneutrale Algenpulver traditionell Verwendung, und selbst die westliche Lebensmittelindustrie hat längst seine hervorragenden Eigenschaften für sich entdeckt.

Da es wesentlich ergiebiger ist als herkömmliche Gelatine, dient es als Verdickungsmittel unter anderem in vegetarischen Suppen, Puddings, Eiscremes und Torten. Unter der Zulassungsnummer E 406 findet es sich in der Liste der Lebensmittelzusatzstoffe. Bei der Zubereitung vegetarischer und veganer Speisen genügt ein gestrichener Teelöffel Agar-Agar bereits als Ersatz für ganze sechs Blatt Gelatine. Das Pulver wird - je nach Rezept - in Brühe, Milch, Saft oder Wasser zwei Minuten lang gekocht, sodass seine Gelierwirkung sich voll entfalten kann.

Ein weiteres Anwendungsgebiet für Agar-Agar findet sich in der Mikrobiologie. Hier dient die Substanz als Nährboden für Mikroorganismen. Ihr Vorteil gegenüber Gelatine besteht unter anderem darin, dass sie den hohen Temperaturen, wie sie bei der Sterilisation notwendig sind, besser standhält. An der Oberfläche des Agar-Agar-Gels bildet sich zudem eine dünne Flüssigkeitsschicht, auf der feste Gegenstände leichter gleiten können.

Dies ermöglicht eine gleichmäßigere Verteilung von Versuchsmaterial mithilfe von Spateln oder Kanülen. In Gel-Form wird Agar-Agar in Laboren als Substrat für die Aufzucht verschiedener Pflanzen genutzt und beeinflusst dabei die Physiologie von deren Zellkulturen. Designer haben unlängst unter dem Projektnamen „Agar Plasticity“ aus gefriergetrocknetem Agar-Gel ein Polstermaterial für Versandverpackungen entwickelt, das umweltschädliche Kunststoffe ersetzen soll.

Erhältlich ist das vielseitige Algenpulver vor allem in Reformhäusern, Bio- und Asialäden, jedoch findet es sich inzwischen auch im Sortiment gut sortierter Supermärkte. Agar-Agar in Reinform wird in Apotheken angeboten und wird gerne als natürliches Quellmittel gegen Verstopfung verwendet. Als homöopathisches Mittel in Form von Globuli oder Tropfen kommt der Wirkstoff in den Potenzen D12, C6 bis C200 sowie 1MK zum Einsatz.

Bedeutung für die Gesundheit, Behandlung & Vorbeugung

Agar-Agar besteht aus unverdaulichen Ballaststoffen und wirkt daher darmanregend und verdauungsfördernd. In höheren Dosen kann es auch direkt als Abführmittel fungieren. Die klassische Homöopathie setzt Agar-Agar bei Symptomen ein, die infolge einer Unterdrückung von Sekretabsonderungen, Schweißbildung oder Hautausschlägen durch äußerlich angewandte Präparate auftreten.

Die im entsprechenden Arzneimittelbild genannten Symptome reichen von seelischer Reizbarkeit und Hypochondrie bis hin zu Blutstau, Bronchitis und Krampfanfällen. Auch wundmachende Absonderungen, Hitzegefühl und brennende Schmerzen in einzelnen Körperteilen stehen auf der Liste – sofern sie Folge der Unterdrückung von Hautausschlag oder Nagelpilz durch Salben sind.

Nicht nur mit dem isolierte Agar-Agar, sondern auch mit einem Tee aus den ganzen Blättern der Rotalge arbeitet die traditionelle chinesische Medizin (TCM). Sie beschreibt die enthaltenen Wirkstoffe als entgiftend und cholesterinsenkend und ordnet sie dem Funktionskreis von Magen, Leber, Milz, Lunge, Niere, Blase und Gedärmen zu.

In Wasser angerührtes Agar-Agar-Pulver empfiehlt sie zur Regulierung des Stuhlgangs bei verlangsamter Darmperestaltik, verhärtetem Stuhl und Verstopfung. Ähnlich wie die Homöopathie setzt auch die chinesische Medizin den wertvollen Wirkstoff aus der Rotalge ein, um Hitze zu eliminieren und Feuer zu reduzieren.

Von Bronchialkatarrh und Pneumonie bis hin zu Gastritis, Blasenentzündung und sogar Hämorrhoiden nimmt sie dabei vielerlei Beschwerden und Erkrankungen ins Visier. Allgemein gilt in der chinesischen Tradition Agar-Agar als tonisierend und wird zur Anregung des Stoffwechsels empfohlen. Es soll bei Übergewicht, Ödemen und Cellulite helfen, einer Schwellung der Hoden entgegenwirken und das Nieren-Qi in Schwung bringen.

Die indonesische Volksheilkunde setzt das Algenpulver bei Herzerkrankungen ein und schreibt ihm auch eine günstige Wirkung bei Diabetes mellitus zu. Wegen der großen Ähnlichkeit des Algeneiweißes mit den Knorpelsubstanzen im menschlichen Körper vertreten manche Heilpraktiker auch hierzulande die Ansicht, dass ein entsprechender Nahrungszusatz den Verlauf von Arthrose mildern oder ihr – bei frühzeitiger regelmäßiger Einnahme – sogar bis zu einem gewissen Grad vorbeugen kann.

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