Aderlass

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. September 2017
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Der Aderlass wird zu den ältesten Heilverfahren gezählt. Dabei erfolgt eine erhebliche Entnahme von Blut.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Aderlass?

In früheren Zeiten zählte der Aderlass (Phlebotomie) zu den häufigsten Therapiemaßnahmen, der bei zahlreichen Behandlungen zum Einsatz kam. Er war bis in das 19. Jahrhundert als Heilmittel weit verbreitet.

In der heutigen Zeit gilt der Aderlass, bei dem den Patienten eine hohe Menge an Blut abgenommen wird, lediglich in wenigen Fällen als vorteilig. Aus diesem Grund gelangt er heutzutage nur noch selten zum Einsatz. Als Aderlass werden in der Umgangssprache auch Blutabnahmen zum Zweck der Blutentnahme oder Blutspende angesehen.

In früheren Zeiten galt der Aderlass als Allzweckheilmittel. So wurde die Blutabnahme zu den unterschiedlichsten Erkrankungen genutzt, was jedoch nicht selten bei den Patienten zu Schäden führte. Dabei bluteten manche Erkrankte mitunter regelrecht aus. Zu den prominentesten Patienten des Aderlasses gehörte George Washington (1732-1799). So wurde bei ihm eine starke Kehlkopfentzündung durch den Aderlass behandelt, dessen Durchführung mehrmals erfolgte. Dabei galt der enorme Blutverlust des ersten amerikanischen Präsidenten als möglicher Grund für dessen Ableben.

Besonders in der Naturkeilkunde sowie der alternativen Medizin wird der Aderlass geschätzt, wo er zu den ableitenden Behandlungen gehört. Mithilfe des Aderlasses sollen die Selbstheilungskräfte des Organismus gestärkt werden.

Zurückzuführen ist der Aderlass auf die frühe indische Medizin. Noch heute wird im Ayurveda der Aderlass durchgeführt. In Europa erfolgten die Behandlungen durch den griechischen Arzt Hippokrates (460 bis 370 v. Chr.). Seinerzeit gingen die Mediziner davon aus, dass die Krankheiten zumeist durch ein Übermaß an Blut verursacht wurden. Gleiches galt für ein Ungleichgewicht bei den Körpersäften. Es wurde angenommen, dass sich das Blut in den Gliedern anstaute und verdarb. Daher galt die Entfernung des schlechten Blutes als sinnvoll.

Im Jahr 1628 entdeckte der Engländer William Harvey (1578-1657) den Blutkreislauf und widerlegte damit die Aderlassgrundlagen. Dennoch blieb der Aderlass als Behandlungsmethode weiterhin im Einsatz. So wurde die Therapiemethode noch bis ins 19. Jahrhundert empfohlen.

Funktion, Wirkung & Ziele

Zwar kommt der Aderlass heutzutage nur noch selten vor, dennoch gibt es durchaus verschiedene Erkrankungen, die sich mit ihm wirkungsvoll behandeln lassen. Besonders in der Naturkeilkunde sowie der alternativen Medizin wird der Aderlass geschätzt, wo er zu den ableitenden Behandlungen gehört.

Mithilfe des Aderlasses sollen die Selbstheilungskräfte des Organismus gestärkt werden. Der Körper bildet dabei neue Blutzellen, die fehlende Zellen ersetzen. Die neuen Zellen weisen eine bessere Arbeitsweise auf als die vorherigen Blutzellen. Als positive Eigenschaften des Aderlasses gelten die zunehmende Aufnahme von Sauerstoff, die verbesserten Fließeigenschaften des Blutes, die effizientere Arbeit des Immunsystems sowie das Anregen der Entgiftung.

Als unterstützende Therapiemethode wird der Aderlass von der Alternativmedizin zur Behandlung oder Prävention von Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Entzündungen, Durchblutungsstörungen, Bluthochdruck, Gicht und Übergewicht empfohlen. Allerdings liegen kaum wissenschaftliche Studien vor, die die gesundheitsfördernde Wirkung des Aderlasses bestätigen. So fielen die wenigen Studien unterschiedlich aus. Als positiv galt u. a. die Abnahme des Blutdrucks, der um 16 mmHg sank.

Aber auch in der Schulmedizin kommt der Aderlass durchaus zum Einsatz, wenn auch nur noch selten. Dazu gehören zum Beispiel seltene Erkrankungen wie Polyglobulie, bei der sich die Anzahl an Erythrozyten (roten Blutkörperchen) erhöht, Polycythaemia vera (PV), die mit hohen Hämokritwerten einhergeht, sowie die Eisenspeicherkrankheit Hämochromatose, bei der der Darm übermäßig viel Eisen aufnimmt. Dies führt wiederum zu einer Überlastung von Herz und Leber. Zur Durchführung des Aderlasses erfolgt in der Regel die Blutentnahme durch die Armvene innerhalb der Ellenbeuge.

Je nachdem, in welcher Verfassung sich der Patient befindet, entnimmt der Arzt entweder eine kleine Menge an Blut zwischen 50 und 150 Millilitern oder eine große Menge, die bis zu 500 Milliliter betragen kann. Via Schlauch gelangt das Blut des Patienten in ein Auffanggefäß, bei dem es sich in der Regel um eine Unterdruck-Glasflasche handelt. Außer einem kleinen Stechen verspürt der Patient keinerlei Schmerzen. Insgesamt dauert die Prozedur nicht länger als fünf Minuten. Außerdem überprüft der Arzt regelmäßig den Blutdruck des Patienten.

Eine spezielle Variante stellt der japanische Aderlass dar, der auch als Shirako oder Mikroaderlass bekannt ist. Bei diesem Verfahren sticht der Therapeut Krampfadern am Unterschenkel mit einer Lanzette oder einem Messer auf. Auf diese Weise werden Blutstauungen behandelt, die mit Dehnungen der Blutgefäße zusammenhängen.

Eine andere Form ist der Aderlass nach Hildegard von Bingen, der von verschiedenen Heilpraktikern angeboten wird. Dabei soll der Körper von „schlechtem Blut“ bzw. Giften befreit werden.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Grundsätzlich gilt der Aderlass nicht als riskant, sofern er fachgerecht durchgeführt wird. So sind im Vorfeld gründliche Untersuchungen sowie das Ermitteln von Laborwerten wie zum Beispiel dem Blutbild wichtig. In manchen Fällen kann es aber trotzdem zu gesundheitlichen Problemen kommen.

Fällt der Blutdruck zu hoch aus oder wird zuviel Blut entnommen, besteht das Risiko von Schwindelgefühlen, Kreislaufproblemen und Ohnmacht. Durch den Einstich in die Haut ist es wiederum möglich, dass schädliche Bakterien in den Körper eindringen und eine Entzündung verursachen. Allerdings lässt sich diese Nebenwirkung durch sorgfältige Hygiene in der Regel vermeiden. Erfolgt ein zu hoher Entzug von Blut, besteht das Risiko eines Eisenmangels.

Es gibt auch einige Gegenanzeigen, bei deren Vorliegen kein Aderlass vorgenommen werden darf. Dabei handelt es sich um akuten Durchfall, Anämie (Blutarmut), krankhaft niedrigen Blutdruck sowie eine Dehydratation. Bei Kindern und alten Menschen ist auf eine allgemeine körperliche Schwäche zu achten.

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Quellen

  • Augustin, M., Schmiedel, V.: Leitfaden Naturheilkunde, Urban & Fischer, München 2012
  • Ernst, E.: Praxis Naturheilverfahren. Springer, Berlin 2005
  • Kraft, K., Stange, R. (Hrsg): Lehrbuch Naturheilverfahren. Hippokrates, Stuttgart 2010

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