Actinomycin D

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. November 2016
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Actinomycin D ist ein zytotoxisches Antibiotikum, das auch unter dem Namen Dactinomycin bekannt ist. Da es als Zytostatikum das Zellwachstum und die Zellteilung hemmt, wird Actinomycin D zur Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt. Dabei ist es unter den Handelsnamen Lyovac-Cosmegen® und Cosmegen® erhältlich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Actinomycin D?

Das Peptid-Antibiotikum Actinomycin D wird aus den Bodenbakterien Streptomyces parvulus gewonnen. Der Wirkstoff ist aus zwei zyklischen Peptiden aufgebaut, die über eine Phenoxazin-Verbindung zusammenhängen. Erstmals beschrieben wurde das Zytostatikum im Jahr 1949.

Anfangs hofften die Wissenschaftler, mit Actinomycin D ein Antibiotikum zur Behandlung bakterieller Erkrankungen gefunden zu haben. Doch zeigte sich schnell, wie giftig das Medikament auch für menschliche Zellen ist.

Daher setzten Mediziner es stattdessen schon bald bei der Behandlung verschiedener Tumoren ein. Das Zytostatikum soll während einer Chemotherapie die schnelle Vermehrung der Krebszellen sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern verhindern.

Pharmakologische Wirkung

Actinomycin D bindet an die DNA (Desoxyribonukleinsäure) der Zellen, wodurch die Doppelhelix sich nicht mehr öffnen kann. Fachleute bezeichnen diesen Vorgang, bei dem ein Wirkstoff Moleküle in die DNA einhängt und sie vernetzt, als Interkalation.

Actinomycin D bindet dabei vor allem an die Guanin-Reste der DNA. Auf diese Weise hemmt Actinomycin D bei niedriger Dosierung zunächst die RNA-Synthese. Dies hat zur Folge, dass in den Zellen die Herstellung der Proteine minimiert wird. Bei höherer Dosierung ist auch die DNA-Replikation betroffen. Das Erbgut wird also nicht mehr vervielfältigt, wodurch auch die Zellteilung ausbleibt.

Der Tumor wird hierdurch am Wachstum gehemmt. Da Actinomycin D die Blut-Hirn-Schranke im menschlichen Körper nicht durchdringen kann, lassen sich Tumoren im Gehirn und im Rückenmark nicht mit dem Medikament behandeln. Alle anderen Zellen des Körpers, die DNA enthalten, können von dem Wirkstoff beeinflusst werden. Denn Actinomycin D wirkt nicht spezifisch auf den Tumor, sondern ebenso auf die gesunden Körperzellen.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Da Actinomycin D als Zytostatikum das Zellwachstum und die Zellteilung hemmt, wird Actinomycin D zur Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt.

Der Wirkstoff Actinomycin D wird bei verschiedenen soliden Tumoren eingesetzt. Unter anderem beim Ewing-Sarkom, einem recht häufigen Knochenkrebs sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen. Aber auch bei bösartigen Tumoren der Weichteile (Weichteilsarkom und Rhabdomyosarkom) nutzen Mediziner die zytostatischen Eigenschaften von Actinomycin D.

Ebenso kommt das Medikament bei Kindern und Jugendlichen während der Behandlung eines bösartigen Nierentumors (Nephroblastom) zum Einsatz. Erwachsene mit einem Hodenkarzinom, einem Chorionkarzinom oder dem Kaposi-Sarkom können ebenfalls mit Actinomycin D behandelt werden. Bei all diesen Chemotherapien wird Actinomycin D mit weiteren Zytostatika kombiniert.

Auch wird es über einen längeren Zeitraum in genau festgelegten Abständen mehrmals verabreicht. Denn bereits nach einer Woche sind etwa 30 Prozent des Wirkstoffs über den Urin und den Stuhl wieder ausgeschieden. Da Actinomycin D stark reizt, wird es lediglich intravenös gegeben und kann nicht oral eingenommen werden. Aufgrund der starken Gewebeschädigung kontrollieren die Mediziner die Injektionsstelle während der Behandlung sehr sorgfältig.

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Risiken & Nebenwirkungen

Da Actinomycin D das Wachstum und die Teilung menschlicher Zellen hemmt, kann es zu unterschiedlichen Nebenwirkungen kommen. So stört das Medikament unter anderem die Entwicklung der Blutzellen. Hierdurch kann es vor allem zu einem vorübergehenden Mangel an Blutplättchen und weißen Blutkörperchen kommen.

Letzteres wiederum hat zur Folge, dass Infektionen durch Bakterien, Pilze und Viren gehäuft auftreten. Ein direkter Kontakt mit dem Medikament kann sowohl die Haut und die Augen als auch das Bindegewebe stark schädigen und sogar abtöten. Die Injektion darf daher nur in die Vene und nicht ins benachbarte Gewebe erfolgen. Besonders gravierend können die Schäden nach einer vorherigen Bestrahlung sein, weshalb Actinomycin D niemals nach einer Strahlentherapie eingesetzt werden darf.

Sehr häufig kommt es wenige Stunden nach der Gabe von Actinomycin D zu Übelkeit und Erbrechen. Ebenfalls können schmerzhafte Schleimhautschädigungen (Mukositis) in Mund, Speiseröhre und Darm auftreten. Auch kann das Mittel die Leber angreifen. Da Actinomycin D mutagen und embryotoxisch wirkt, kann es das Erbgut nachhaltig schädigen und darf während einer Schwangerschaft nicht eingesetzt werden.

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