Actinobacillus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Juni 2017
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Die Bakteriengattung Actinobacillus gehört zur Abteilung der Proteobakterien und der Familie der Pasteurellaceae. Eine Namensverwandtschaft mit den Aktinomyzeten liegt vor, da die Gattung häufig als opportunistischer Erreger an Aktinomykosen beteiligt ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Actinobacillus?

Bakterienarten der Gattung Actinobacillus haben eine schlanke und teilweise ovale Form. Sie besitzen keine Flagellen und sind unbeweglich. Die Gram-Färbung verläuft negativ, Actinobacillen haben also nur eine Mureinhülle mit aufliegender Lipidschicht.

Bakterien dieser Gattung sind fakultativ anaerob und können somit sehr gut in sauerstoffarmen bis sauerstofflosen Bereichen überleben. Actinobacillen sind keine Sporenbildner und bauen Kohlenhydrate ohne Gasproduktion ab.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Bakterien der Gattung Actinobacillus haben sich auf eine parasitäre Lebensweise spezialisiert. Sie können bei Säugetieren, Vögeln und Reptilien parasitieren.

Eine genaue Analyse des Actinobacillus actinomycetemcomitans zeigte eine monophyletische Artverwandtschaft zu Haemophilus aphrophilus und Haemophilus segnis. Eine Reklassifizierung der genannten Arten in die neue Gattung Aggregatibacter ("aggregare" im Sinne von "zusammenfassen, zusammenschließen") wird diskutiert.

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Krankheiten & Beschwerden

Keime aus der Gattung Actinobacillus sind Begleitkeime bei Aktinomykosen. Die Aktinomykose ist eine Mischinfektion, die ausgelöst wird durch Bakterien der Familie Actinomyzetaceae. Erreger der Gattung Actinobacillus sind nicht ursächlich, sondern bilden als opportunistische Erreger einen Teil der Mischinfektion.

Die Erkrankung Aktinomykose wird im Deutschen als "Strahlenpilz" bezeichnet, da man den Infektionsherd anfangs durch eine Pilzbesiedlung erklärte. Zwar können Aktinomykosen auch Pilzbesiedlungen mit sich ziehen, da diese aber nicht als ursächlich zu betrachten sind, ist die deutsche Bezeichnung "Strahlenpilz" irreführend.

Die Aktinomykose wird durch Verletzungen der Schleimhäute ausgelöst. Ansässige Aktinomyzeten der normalen Keimflora dringen durch diese Verletzungen in tiefere Gewebsschichten ein und lösen hier eitrige Entzündungen aus. Weiterhin kommt es zur Bildung von Granulationsgewebe und weitverzweigten Fisteln.

Die Fistelbildung gilt als Hauptkomplikation der Infektion, da Erreger hierdurch in den Blutkreislauf eindringen und eine systemische Infektion auslösen können. Am Punkt der systemischen Infektion angekommen, ist die Prognose für den Erkrankten nicht gut, da durch die systemische Entzündung eine hohe Rückfälligkeit (Rezidivität) auch nach augenscheinlicher Genesung sehr wahrscheinlich ist. Eine chronische Erkrankung ist auch mit rechtzeitiger Antibiotikatherapie also nicht auszuschließen.

Weiterhin kommt erschwerend hinzu, das Aktinomyzeten mehrere Tage der Anzucht benötigen, um identifiziert werden zu können (circa 14Tage). PCRs tun sich bei Mischinfektionen ebenfalls schwer, den ursächlichen Erreger ausfindig zu machen.

Die Antibiotikagabe kann letztendlich dazu führen, das der ursächliche Keim eliminiert wird, jedoch andere Keime mit vorliegenden Resistenzen die Aktinomykose weiter antreiben. Bei den beschriebenen Komplikationen und Mechanismen dieser Mischinfektion wundert es also nicht, das die Antibiotikatherapie über ein ganzes Jahr und darüber hinaus andauern kann.

Die zervikofaziale Aktinomykose, mit der die Aktinomykose im Mund, am Hals und im Gesichtsbereich bezeichnet wird, tritt am häufigsten auf. Andere Formen der Aktinomykose, die sich in tiefere Hautschichten oder in das ZNS ausweiten, werden seltener beschrieben. Grundsätzlich ist die Möglichkeit einer Aktinomykose an allen Positionen des Körpers vorhanden. So wurden auch Aktinomykosen im Genitalbereich und an der Brustdrüse beobachtet.

Eine genaue Diagnose des Erregers mitsamt vorhandenen Resistenzen findet über den Auswurf statt. Als Alternative sind auch Lungenbiopsien möglich. Die Entnahme von Gewebeproben für den Direktnachweis des Erregers ist nicht Erfolg versprechend.

Eine Analyse vom Auswurf über das PCR- Verfahren ist bis dato die beste Lösung zur Identifizierung des Erregers. Eine Antibiotikatherapie kann in den ersten drei Monaten intravenös mit Aminopenicillin begonnen werden. Es bieten sich auch Tetracyclin oder Cephalosporin an. Eine chronische Infektion mit rezidivierenden Beschwerden kann trotz mehrmonatiger Antibiotikagabe nicht ausgeschlossen werden.

Bakterien der Gattung Actinobacillus gelten weiterhin als Verursacher von Wundinfektionen, Endokarditis und Bakteriämien. Ein tödlicher Verlauf der Infektion kann besonders bei immungeschwächten Persönlichkeiten auftreten. Hier liegt die Sterblichkeitsrate bei circa 30%. Die verursachten Wundinfektionen weiten sich nur langsam aus und zeigen sich zumeist lokal begrenzt. Häufig kann eine Lymphadenitis als Begleiterscheinung beobachtet werden.

Eine weitere Rolle spielen Sekundärinfektionen, die auch nach der erfolgreichen Behandlung und Ausheilung der akuten Infektion auftreten können. Schwere Spätkomplikationen können hier vor allem im zentralen Nervensystem und in der Herzinnenhaut verursacht werden.

Eine besondere Rolle für den Menschen spielen die Keime Actinobacillus hominis und Actinobacillus urea. Obwohl die Keime auch in den Atemwegen von gesunden Menschen gefunden werden können, wird eine Verwicklung in die Entstehung von Sinusitis, Bronchopneumonia sowie Meningitis bis heute kontrovers diskutiert.

Das Actinobacillus actinomycetemcomitans kann ebenfalls in der normalen Mundflora gefunden werden und steht im Verdacht, zusammen mit anderen anaeroben Organismen für die Endokarditis verantwortlich zu sein.

Die Keime der Gattung Actinobacillus haben bis dato keine ausgeprägten Resistenzen. Daher wird standardmäßig auf Penicillin zurückgegriffen. Insbesondere die Benzylpenicilline zeigen bei der Behandlung von Actinobacillus- Infektionen gute Ergebnisse. Die Wirksamkeit von Benzylpenicillinen (Penicllin G) gegen gramnegative Stäbchenbakterien ist ungewöhnlich. Die Keime der Gattung Actinobacillus bilden hier jedoch eine Ausnahme, die für eine erfolgreiche Antibiotikatherapie von Nutzen ist.

Bei resistenten Keimen kann die antibiotische Behandlung mit Ampicillin, Tetracyclin und Cephalosporine fortgesetzt werden. Besonders wichtig für eine effektive Behandlung von vorliegenden Infektionen ist eine Identifizierung des auslösenden Erregers. Es kann sich bei Infektionen mit Stämmen der Actinobacillus-Art immer um Mischinfektionen handeln und somit besteht die Gefahr, das teilweise resistente Keime vorliegen.

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