Acriflaviniumchlorid

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. November 2016
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Entwickelt wurde das Präparat Acriflaviniumchlorid von der I.G. Farben während der 1920er Jahre. Zunächst wurde der Wirkstoff für die Behandlung von Wundinfektionen im Mund und Rachen eingesetzt. Aufgrund der Wirkungsweise steht allerdings zu befürchten, dass Acriflaviniumchlorid Krebs auslösen könnte. Der Wirkstoff wird deshalb in der Humanmedizin nicht mehr verwendet, jedoch in der Veterinärmedizin bei der Behandlung von Zierfischen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Acriflaviniumchlorid?

Bei Acriflaviniumchlorid handelt es sich um einen Wirkstoff, der aus einem Stoffgemisch besteht, das bereits 1929 vom Chemieunternehmen I.G. Farben zum Patent angemeldet wurde. Es handelt sich um ein Antiseptikum, das für die Behandlung von Infektionen im Mund- und Rachenraum sowie gegen die Schlafkrankheit verwendet wurde.

Seit eine Studie der Internationalen Agentur für Krebsforschung ergeben hat, dass Acriflaviniumchlorid möglicherweise die Entstehung von Krebs fördern kann, wird das Präparat in der Humanmedizin nicht mehr eingesetzt.

Weit verbreitet ist Acriflaviniumchlorid aber bei Aquarienbesitzern, die das Mittel zur Desinfektion von Aquarien ebenso verwenden wie zur Behandlung von verschiedenen Krankheiten bei Fischen. Grundsätzlich wird Acriflaviniumchlorid in die Wirkungsgruppe der Antiseptika eingeordnet, wobei es im engeren Sinne als Desinfektionsmittel zum Einsatz kommt.

Pharmakologische Wirkung

Die Ausbreitung von Viren und Bakterien wird durch Acriflaviniumchlorid unterbunden, indem sich der Wirkstoff in der DNA des Erregers zwischen zwei Basenpaaren einlagert. Bei der nächsten Zellteilung kommt es zu einer sogenannten Rastermutation, die das Erbgut der Erreger verändert.

Ähnlich wie bei Antibiotika kann es deshalb zu Resistenzen verschiedener Viren- und Bakterienstämme kommen, weil durch die Einlagerung des Wirkstoffes eine Mutation ausgelöst wird, die sich weiter fortsetzen kann. Wirksam ist Acriflaviniumchlorid vor allem bei grampositiven Bakterien. Diese Bakterienstämme verfärben sich bei der mikroskopischen Untersuchung auf eine von Hans Christian Gram definierte Art, wodurch die Diagnostik des Erregers bei verschiedenen Infektionskrankheiten erleichtert wird.

Bei grampositiven Bakterien handelt es sich zumeist um Actinobakterien oder Firmicutes, die in der Natur eine wichtige Rolle für den Abbau von Schadstoffen spielen, jedoch häufig als Krankheitserreger auftreten. Weil Acriflaviniumchlorid nicht nur die Bakterien und Viren angreift, sondern den Wirkungsmechanismus auch in den Körperzellen des Menschen entfaltet, kann es auch hier zu Mutationen einzelner Zellen führen. Das gilt vor allem bei wiederholter Anwendung.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Der Wirkstoff wird in der Humanmedizin nicht mehr verwendet, da er Krebs auslösen könnte, jedoch in der Veterinärmedizin bei der Behandlung von Zierfischen wird er weiter eingesetzt.

Eine wichtige Rolle spielt der Wirkstoff Acriflaviniumchlorid in der Tiermedizin bei der Behandlung von Zierfischen. Behandelt werden hier eine Vielzahl von Krankheiten wie bakterielle Infekte, Pilzinfektionen, Flossenfäule, oder kleineren Entzündungen.

Hier wird das Präparat äußerlich angewendet, indem es einfach dem Aquarienwasser zugegeben wird. Neben ausgewachsenen Fischen kann auch Fischlaich, der von einer Infektion befallen ist, mit Acriflaviniumchlorid behandelt werden. Wirksame Hilfe verspricht das Präparat auch gegen diverse schädliche Parasiten, darunter Kiemen- und Hautwürmer. Acriflaviniumchlorid schwächt bereits ausgebrochene Infektionen ab und kann dem Ausbrechen von Infektionen vorbeugen. Deshalb wird das Präparat auch zum Desinfizieren von Aquarien verwendet.

Aquarienbesitzer sollten darauf achten, dass sie die Filter reinigen, bevor sie dem Wasser Acriflaviniumchlorid beimengen. In der Teichwirtschaft spielt Acriflaviniumchlorid als wirkungsvolles Präparat ebenfalls eine wichtige Rolle. Hier gehört es zum Standardmittel, welches in Quarantäneteiche gegeben wird, auch wenn die Fische an anderen Krankheiten leiden. Denn diese können das Entstehen von Infektionen an geschwächten Fischen fördern. Durch den Einsatz von Acriflaviniumchlorid hat der Teichwirt die Gewähr, dass zumindest ein Teil des Fischbestandes gerettet werden kann.

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Risiken & Nebenwirkungen

Zu den häufigsten Nachteilen, die Acriflaviniumchlorid mit sich bringt, gehört eine gelbliche Verfärbung des Wassers. Zudem können Wasserpflanzen geschädigt oder abgetötet werden. Weil der Wirkstoff auch in die Zellen des kranken Fisches eindringt, kann die Acriflaviniumchlorid-Gabe bei einigen Fischarten wie Guppies zu Unfruchtbarkeit führen.

Aus diesem Grund darf das Präparat in Deutschland nicht mehr in der Humanmedizin verwendet werden, weil es zu den Auslösefaktoren für diverse Arten von Krebs zählt. Die mutagene Wirkung des Acriflaviniumchlorid hat außerdem zur Folge, dass mittlerweile zahlreiche Krankheitserreger eine teilweise oder komplette Resistenz entwickelt haben. Langfristig gesehen kann das Präparat also gegen komplette Bakterien- und Virenstämme unwirksam werden, wie es bei Antibiotika bereits der Fall ist.

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