Achlorhydrie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 27. März 2017
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Bei der Achlorhydrie trägt der Magensaft der Patienten zu wenig oder überhaupt keine Salzsäure. In einer Konsequenz dazu ist die Resorption von Stoffen wie Eisen gestört und eine perniziöse Anämie tritt ein. Die Behandlung besteht aus diätischen Schritten und Vitamin-B12-Substitution.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Achlorhydrie?

Die Magensäure unterstützt die Zersetzung von Nahrungsbestandteilen innerhalb des Magens. Es handelt sich um eine wässrige Lösung mit circa 0,5 Prozent Salzsäure. Der Nahrungsbrei wird durch die Magensäure auf die Weiterverarbeitung im Darm vorbereitet. Bei der Achlorhydrie ist die Magensäure in ihrer Zusammensetzung pathologisch verändert.

Die wässrige Lösung enthält im Rahmen der Erkrankung keinerlei Salzsäure. Zugrunde liegt der Krankheit eine gestörte Salzsäuresekretion durch die Parietalzellen des Magens. Bei diesen Zellen handelt es sich um große Drüsenzellen der Magenmucosa, die innerhalb des Fundus und des Corpus ventriculi vorkommen. Die Zellen spalten Protonen aus Kohlensäure ab und sezernieren sie auf der apikalen Seite im Austausch mit Kalium-Ionen.

Darüber hinaus dienen sie dem Transport von Chlorid-Ionen, die sie von ihrer basalen Seite aus durch das Zytosol transportieren und ins Magenlumen abgeben. So entsteht die Salzsäure, die den pH-Wert des Magensafts senkt. In den meisten Fällen liegt im Rahmen einer Achlorhydrie ein kompletter Funktionsverlust der Drüsenzellen vor, so vor allem bei der absoluten Achlorhydrie. Bei einer relativen oder chemischen Achlorhydrie erfüllen die Drüsenzellen ihre Funktion und Salzsäure fehlt nur scheinbar.

Ursachen

Die Ursache einer Achlorhydrie ist ein tatsächlicher oder scheinbarer Funktionsverlust der Parietalzellen. Zu einer Zerstörung der Drüsenzellen kann es zum Beispiel im Rahmen von autoimmuner Destruktion kommen, wie sie bei Typ-A-Gastritis vorliegt. Darüber hinaus können Magenkarzinome im Bereich der Drüsenzellen einen Funktionsverlust des Drüsengewebes verursachen.

Auch therapeutische Eingriffe wie die Gastrektomie oder eine Therapie mit Protonenpumpen-Hemmern ziehen unter bestimmten Umständen funktionale Beeinträchtigungen der Magensaftdrüsen nach sich. In der Regel stellt sich im Rahmen der Achlorhydrie auf Basis der eben genannten Ursachen HCl und ein absoluter Mangel an Intrinsic-Factor ein. Die Parietalzellen werden vor allem durch Histamin zur Sekretion stimuliert.

Der Verdauungstrakt ist ein unabhängiges Funktionssystem, das selbst Stimuli zum Funktionieren produziert. In Zusammenhang mit Histamin heißt das eine vagale oder gastro-induzierte Histamin-Freisetzung durch ECL-Zellen, die auf der Magenschleimhaut in direkter Nachbarschaft zu den Drüsenzellen liegen. Aus diesem Grund kann das System auch bei Erkrankungen der Histamin-Produzenten gestört sein. Häufig liegt die Achlorhydrie außerdem im Rahmen des WDHA-Syndroms vor.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei der Achlorhydrie trägt der Magensaft der Patienten zu wenig oder überhaupt keine Salzsäure.

Neben wässrigen Durchfällen gilt die perniziöse Anämie oder der Morbus Biermer als wichtigstes Symptom von Achlorhydrie. Diese Art der Blutarmut beruht auf einem Mangel an Vitamin B12. Die Intrinsic-Factor-Bildung der Patienten ist gestört. Die typischen Beschwerden des Morbus Biemer sind Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit, erhöhte Herzfrequenz, starke Blässe und Kollaps-Neigung.

Auch Gelbsucht mit Verdauungsstörungen oder Bauchschmerzen können vorliegen. Im Einzelfall können sich außerdem neurologische Symptome einstellen, so vor allem Taubheitsgefühl und Missempfindungen in Form von Hautkribbeln oder pelzigem Gefühl. Neben eingeschlafenen Händen und Füßen können Gangunsicherheiten, Koordinationsstörungen und sogar Lähmungen im Rahmen der Erkrankung eintreten.

Abgerundet werden diese Symptome oft durch psychische und kognitive Symptome wie schlechte Merkfähigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Depression oder Psychose. Die Resorption von Nährstoffen ist bei einer Achlorhydrie Störungen unterworfen. Magensäure fördert vor allem die Resorption von Eisen, sodass Achlorhydrie einen Eisenmangel verursachen kann. Die Ausprägung und die Symptome können sich von Fall zu Fall unterscheiden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Hinweisgebend ist bei der Diagnose der Achlorhydrie neben dem typischen Symptombild vor allem die Anamnese hinsichtlich der Grunderkrankungen. In der Labordiagnostik imponiert die Achlorhydrie als perniziöse Anämie und kompensatorische Hypergastrinämie. Zweifellos nachgewiesen wird der Zustand der Achlorhydrie mittels pH-Analyse des Magensaftes, der meist über eine Magensonde abgeleitet wir.

Als Sekretionsstimulus wird vor der Untersuchung Pentagastrin gegeben. Routinegemäß wird die Erkrankung mittels Sonographie, Röntgenbildgebung oder Gastroskopie abgeklärt. Eine vollständige Zerstörung der Parietalzellen ist nicht voll reversibel.

Behandlung & Therapie

Die Therapie der Achlorhydrie unterscheidet sich in Abhängigkeit von der Ursache und der Ausprägung. Bei der absoluten Achlorhydrie ist eine therapeutische Verabreichung von Pentagastrin nicht dazu in der Lage, die Sekretion zu provozieren. Bei der unvollständigen Form kann die Pentagastrin-Gabe dagegen Erfolge erzielen.

Die am häufigsten angewandten Therapieschritte bei absoluter Achlorhydrie sind diätische Maßnahmen. Kombiniert werden diese Schritte mit Gegensteuerungen zur perniziösen Anämie. Um die Mangelzustände an Vitamin B12 auszugleichen, werden den Patienten intravenös oder intramuskulär Vitamin-Substitution verabreicht. Bei dieser Art von Therapie handelt es sich um eine rein symptomatische Therapie.

Die Ursache für die Anämie und die fehlende Sekretionsleistung der Drüsen wird durch die genannten Behandlungsschritte also nicht aufgehoben. Nichtsdestotrotz bessern sich mit der symptomatischen Therapie zumindest die manifesten Symptome der Betroffenen. Die supportiven diätischen Maßnahmen beugen einer Verschlimmerung der Situation vor. In bestimmten Fällen kann auch eine Eisensubstitution erforderlich sein, da Eisen ein wichtiger Bestandteil des Bluts und damit des Sauerstofftransports ist.

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Vorbeugung

Der Achlorhydrie lässt sich aktiv kaum vorbeugen. Magenkarzinome sind zum Beispiel mit genetischer Disposition assoziiert. Für autoimmunologische Erkrankungen und die damit assoziierte Zerstörung der Magendrüsen ist sich die Medizin bislang nicht über die genaue Pathogenese einig. Da diese beiden Erkrankungen die häufigsten Ursachen der Achlorhydrie sind, gestaltet sich die Prophylaxe entsprechend schwierig.

Bücher über Anämie (Blutarmut), Eisenmangelanämie

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Rassow, J., et al.: Duale Reihe Biochemie. Thieme, Stuttgart 2016
  • Zilles, K., Tillmann, B.: Anatomie. Springer, Heidelberg 2010

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