Acetaldehydsyndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 1. August 2017
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Von einem Acetaldehydsyndrom ist die Rede, wenn es nach dem Genuss von Alkohol oder bestimmten Pilzen zu Vergiftungserscheinungen kommt. Die Vergiftung kann durch mehrere unterschiedliche Substanzen entstehen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Acetaldehydsyndrom?

Das Acetaldehydsyndrom ist auch unter den Bezeichnungen Antabus-Syndrom, Coprinus-Syndrom oder Disulfiram-Syndrom bekannt. Gemeint ist damit eine akute Vergiftung nach dem Genuss von bestimmten Substanzen. Dazu gehören in erster Linie Alkohol, Medikamente oder Pilze wie zum Beispiel der Faltentintling.

Besonders betroffen von einem Acetaldehydsyndrom sind Menschen mit asiatischer Abstammung. So liegt bei ihnen häufiger ein genetischer Polymorphismus der Aldehyddehydrogenase vor als bei Personen, die eine europäische Abstammung aufweisen. Dadurch kommt es zu einem langsameren Abbau des Aldehyds Acetaldehyd. Mediziner sprechen auch von einem ALDH-2 Defekt.

Ursachen

Verursacht wird ein Acetaldehydsyndrom durch eine Blockade des Enzyms Aldehyddehydrogenase beziehungsweise ALDH-1 und ALDH-2. Diese hat wiederum eine Hemmung der Oxidation des Acetaldehyds zu Essigsäure zur Folge, die beim Abbau von Alkohol entsteht. Dadurch kommt es zu einer toxisch gesteigerten Bildung von Hydroxylradikalen, die zu den häufigsten Radikalen zählen.

Es gibt zahlreiche verschiedene Substanzen, die nach dem Konsum von Alkohol als Ursache für die Bildung eines Acetaldehydsyndroms in Betracht kommen. Dazu zählen unter anderen zur gleichen Zeit eingenommene Arzneimittel wie Antibiotika. Genauer gesagt handelt es sich dabei um Cephalosporine mit einer seitlichen Methylthiotetrazol-Kette wie Moxalactam, Cefoperazon, Cefotetan, Cefmenoxim und Cefamandol, Imidazole, die wirksam gegen anaerobe Erreger sind wie Tinidazol oder Metronidazol, Antipilzmittel wie Griseofulvin sowie andere antibiotische Stoffe wie Cotrimoxazol und Chloramphenicol.

Weitere Medikamente, die ein Acetaldehydsyndrom hervorrufen können, sind Malariamittel wie Quinacrin, Antidiabetika, die zu den Sulfonylharnstoffen zählen wie Chlorpropamid, Acetohexamid, Glipizid, Glyburid und Tolbutamid, Vasodilatatoren, die der Gattung der Nitrate entstammen, Isosorbitidinitrat oder Nitroglyzerin. Ebenso kommen chemische Stoffe wie Pestizide, die zum Abtöten von Schädlingen dienen, als Verursacher eines Acetaldehydsyndroms infrage.

Von einem Acetaldehydsyndrom ist die Rede, wenn es nach dem Genuss von Alkohol oder bestimmten Pilzen zu Vergiftungserscheinungen kommt.

In erster Linie sind dies Sulfiram und Carbamate. Namensgeber für das Antabus-Syndrom beziehungsweise Disulfiram-Syndrom war der medizinische Wirkstoff Disulfiram, der in früheren Jahren als Entwöhnungsmittel gegen Alkoholismus unter dem Handelsnamen Antabus zur Anwendung gelangte.

Das Arzneimittel verhindert, dass Alkohol in Essigsäure umgewandelt wird, indem es das Enzym Aldehyddehydrogenase blockiert. Auf diese Weise sorgen schon kleine Alkoholmengen, die eingenommen werden, für heftige Unverträglichkeitreaktionen wie Herzrasen, Kopfschmerzen und Übelkeit. Bei größeren Alkoholmengen können diese Reaktionen im schlimmsten Fall sogar den Tod der betroffenen Person zur Folge haben.

Aus diesem Grund kommt Disulfiram heutzutage nur noch selten zum Einsatz. Ebenfalls zu den Auslösern eines Acetaldehydsyndroms zählen mehrere Speisepilze wie die Faltentintlinge und die Hexenröhrlinge. In den Pilzen befindet sich das Pilzgift Coprin, das die Eigenschaft hat, das Enzym Aledehyddehydrogenase zu blockieren.

Als Coprinus-Syndrom führt dies bei gleichzeitigem Alkoholgenuss wiederum zu Vergiftungserscheinungen. Ohne die Verbindung mit Alkohol kann das Coprin jedoch keine schädliche Wirkung entfalten.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bis sich nach dem Genuss von Alkohol die ersten Auswirkungen des Acetaldehydsyndroms zeigen, vergehen nur wenige Minuten oder bis zu 72 Stunden. Dabei können bereits wenige Milliliter Alkohol auffällige Rötungen im Gesicht, an Nacken, Hals und Brust sowie ausgeprägte Hitzegefühle auslösen.

Bei manchen Betroffenen tritt die Rötung am gesamten Körper auf. Weiterhin leiden die Patienten unter Juckreiz, Prickeln, einem metallischem Geschmack im Mund, zu hohem oder zu niedrigem Blutdruck und Kälte in Armen und Beinen.

Darüber hinaus sind Beschwerden wie Schweißausbrüche, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen, Krämpfe und Zittern möglich. Selten zeigen sich auch Enge-Gefühle in der Brust, die bis zu einem Angina-pectoris-Anfall reichen, Herzrhythmusstörungen, Störungen der Bewegung oder eine Ataxie. Im schlimmsten Fall erleidet der Patient einen Kollaps und fällt ins Koma. In der Regel bessern sich die Symptome jedoch nach drei bis sechs Stunden wieder.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose eines Acetaldehydsyndroms oder Coprinus-Syndrom erfolgt anhand der typischen Symptome. Außerdem befragt der Arzt den Patienten nach seinem Alkoholkonsum und ob er gleichzeitig bestimmte Pilze gegessen oder spezielle Medikamente eingenommen hat. Des Weiteren wird eine körperliche Untersuchung durchgeführt.

Bei den meisten Patienten nimmt das Acetaldehydsyndrom einen positiven Verlauf. So verschwinden die unangenehmen Symptome nach wenigen Stunden wieder von selbst. Vereinzelt drohen jedoch schwere Komplikationen wie ein Kreislaufkollaps oder der Fall ins Koma. Zu Todesfällen kam es durch das Acetaldehydsyndrom jedoch nur sehr selten.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ob eine ärztliche Behandlung beim Acetaldehydsyndrom notwendig ist, kann nicht allgemein vorausgesagt werden und hängt in der Regel auch von der Ausprägung der Beschwerden ab. Sollten die Beschwerden nur in einem sehr leichten Ausmaß auftreten und das Leben des Betroffenen nicht zu stark einschränken, so ist keine Behandlung notwendig. Dabei verschwinden die Symptome in der Regel nach einigen Minuten oder Stunden und führen zu keinen weiteren Beschwerden. Allerdings sollte der Patient bei einer möglichen Alkoholabhängigkeit oder Drogenabhängigkeit einen Berater oder eine Entzugsklinik aufsuchen.

Ein Arzt muss dann aufgesucht werden, wenn es durch das Acetaldehydsyndrom zum Beispiel zu Herzbeschwerden kommt. Diese können im schlimmsten Falle zum Tode des Betroffenen führen. Allerdings sollte auch schon bei Erbrechen oder bei Störungen der Sensibilität eine Behandlung durch einen Arzt erfolgen, damit es nicht zu Folgeschäden kommt. Tritt ein Kollaps oder ein Koma auf, so muss auf jeden Fall der Notarzt verständigt werden. Die Beschwerden verschwinden in der Regel nach spätestens drei Stunden. Sollte es auch nach diesem Zeitraum nicht zu einer Besserung gekommen sein, so muss ebenso eine ärztliche Behandlung stattfinden.

Behandlung & Therapie

Liegt ein leichter Verlauf des Acetaldehydsyndroms vor, muss normalerweise keine medizinische Behandlung erfolgen. So dauern die Beschwerden in der Regel nur kurz an. Weil es zudem keine kausalen Therapiemaßnahmen gibt, wird stattdessen eine Behandlung der Symptome vorgenommen, falls dies nötig sein sollte.

Handelt es sich um eine schwere Vergiftung, erhält der Patient oftmals Aktivkohle. Bestehen kardiovaskuläre Beschwerden, gilt die Gabe von Betablockern gegen Herzrasen (Tachykardie) oder eine Volumensubstitution gegen zu niedrigen Blutdruck (Hypotonie) als sinnvoll. Dabei wird der Patient gleichzeitig per Bildschirm überwacht.

Mitunter kann es auch erforderlich sein, eine medikamentöse Sedierung (Beruhigung) des Patienten durchzuführen. Verzichten muss der Betroffene wenigstens fünf Tage lang auf den Genuss von jeglichem Alkohol.

Aussicht & Prognose

In der Regel kommt es durch das Acetaldehydsyndrom zu verschiedenen unangenehmen Symptomen nach dem Genuss von Alkohol. Dabei treten starke Rötungen und ein Juckreiz im Gesicht auf. Der Patient fühlt sich unwohl und leidet an einem verringerten Blutdruck. Durch den niedrigen Blutdruck kann es auch zum Bewusstseinsverlust kommen. Oft kommt es beim Bewusstseinsverlust zu einem Sturz, bei welchem sich der Betroffene verletzten kann.

Weiterhin leidet der Patient an Krämpfen und an einem Zittern. Im schlimmsten Falle ist auch das Herz betroffen, sodass es zu einem Kreislaufkollaps kommt. In den meisten Fällen treten allerdings keine lebensgefährlichen Komplikationen auf, wenn das Acetaldehydsyndrom behandelt wird. Die Symptome verschwinden dann nach einigen Stunden wieder.

Bei der Behandlung werden Medikamente eingesetzt. In schwerwiegenden Fällen muss der Betroffene einige Tage im Krankenhaus verbringen, bis sich die Symptome gebessert haben. Auch nach der Behandlung ist es notwendig, auf Alkohol für einen Zeitraum von einer Woche zu verzichten. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es nochmals zum Acetaldehydsyndrom beim Verzehr von Alkohol kommen wird. In der Regel wird die Lebenserwartung durch das Syndrom nicht verringert.

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Vorbeugung

Die beste Vorbeugung gegen ein Acetaldehydsyndrom ist der Verzicht auf den gleichzeitigen Genuss von Alkohol, Pilzen wie Faltentintlingen und Hexenröhrlingen sowie bestimmten Medikamenten, die allesamt die Vergiftung auslösen können. So führt meist erst das Zusammenwirken der einzelnen Substanzen zum Ausbruch der Vergiftungserscheinungen.

Das können Sie selbst tun

Die beste Maßnahme, die ein Patient ergreifen kann um dem Acetaldehydsyndrom vorzubeugen, liegt darin, generell keinen oder nur sehr wenig Alkohol zu konsumieren. Dies gilt jedoch auch allgemein und nicht nur in Bezug auf das Acetaldyhadsyndrom. Sollte trotzdem (zu viel) Alkohol konsumiert werden, sind mögliche Begleiterscheinungen nicht auszuschließen.

Da Betroffene den Alkohol in ihrem Blut langsamer abbauen, werden sie schon von kleineren Mengen beeinflusst. Oft führt jedoch erst das Zusammenwirken verschiedener Substanzen zum Ausbruch der Vergiftungserscheinungen. Daher kann der Verzicht auf verschiedene Pilzsorten, wie z.B. Faltentintlinge oder Hexenröhrlinge, hilfreich sein. Da sich viele Pilze in ihrem Aussehen ähneln und somit eine Verwechslungsgefahr vorhanden ist, sollte im Zweifelsfall lieber auf ihren Konsum verzichtet werden. Bei der Einnahme von Medikamenten ist die Packungsbeilage in jedem Fall aufmerksam zu studieren, um ein mögliches Wechselwirken mit Alkohol und/oder anderen Produkten zu vermeiden.

Im Akutfall kann der Betroffene durch ein Erbrechen möglicherweise die Symptome abmildern. Auch eine Behandlung mit Aktivkohle kann sich positiv auswirken. Gegebenenfalls sind jedoch Maßnahmen zur Ersthilfe anzuwenden. Bis der normale Gesundheitszustand wieder hergestellt ist, sollte strikt auf Alkohol verzichtet werden. Um den Körper zu schonen empfiehlt sich Bettruhe.

Bücher über Alkoholkrankheit & Alkoholismus

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Möller, H.-J.: Therapie psychischer Erkrankungen. Thieme, Stuttgart 2006
  • Ziegenfuß, T.: Notfallmedizin. Springer, Heidelberg 2011

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