Acepromazin

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. November 2016
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Bei Acepromazin handelt es sich um einen beruhigend und antipsychotisch fungierenden Wirkstoff. Er wird ausschließlich in der Veterinärmedizin verordnet. Bei Verhaltensstörungen, Psychosen, starkem Juckreiz und auf Reisen sediert Acepromazin aufgeregte Hunde, Katzen, Pferde und weitere Tierarten und macht sie leichter lenkbar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Acepromazin?

Das Neuroleptikum und Sedativum Acepromazin zeichnet sich durch seine hohe Wirksamkeit aus. Diese übertrifft andere Beruhigungsmedikamente wie beispielsweise Chlorpromazin und Promazin. Dabei lässt sich Acepromazin auch sehr niedrig dosiert verwenden.

Außer der Ruhigstellung von Tieren wirkt es Erbrechen entgegen und blockiert die Effekte von Histamin in geringem sowie von Acetylcholin in stärkerem Maße. Der Wirkstoff Acepromazin, ein ursprünglich gelbliches Öl, liegt in Arzneien als Acepromazin-Maleat vor. Maleat ist ein kristallines, gelbes und geruchloses Pulver von bitterem Geschmack.

Das lichtempfindliche Medikament ist dunkel und gut verschlossen aufzubewahren. Medikamente mit dem Wirkstoff Acepromazin sind unter den Handelsnamen Calmivet, Prequillan, Sedalin und Vetranquil erhältlich. Es gibt sie als Tabletten, Injektionslösung, Granulat und Gel zur oralen, subkutanen, intramuskulären und intravenösen Gabe.

Pharmakologische Wirkung

Acepromazin wirkt beruhigend und muskelentspannend. Dieser Effekt beruht vor allem auf einer Blockade der Dopamin-2-Rezeptoren (D-2-Rezeptoren). Die übrigen 5 Dopaminrezeptoren beeinflusst der Wirkstoff nicht.

Neben der Blockade der D-2-Rezeptoren hemmt Acepromazin die Freisetzung und den Turnover des Dopamins. Der Dopaminantagonismus führt auch zur antiemetischen Wirkung des Medikaments, insbesondere bei einem auf Opioide zurückführbaren Erbrechen. Eine ebenfalls bewirkte Blockade der α-1-Adenorezeptoren erweitert die Blutgefäße, worauf der Blutdruck sinkt sowie der Hämatokritwert.

Die Vasodilatation führt häufig zu einem Fallen der Körpertemperatur: der Poikilothermie. Außerdem vermindert der Wirkstoff den Tonus der glatten Muskeln und entkrampft diese so. Bei akuter Atemnot verlängert Acepromazin die Atemfrequenz und übt darüber eine beruhigende Wirkung aus.

Da Acepromazin außer bei Hunden, Katzen und Pferden auch bei anderen Tieren angewandt werden kann, sei hier noch auf weitere Wirkweisen eingegangen. So wirkt bei eingefangenen Wildtieren die Vasodilatation stressbedingter Myopathie entgegen. Bei Schweinen hilft es, maligne Hypothermie bei Stress zu unterbinden.

Acepromazin wirkt bereits in geringen Dosierungen. Größere Gaben erhöhen lediglich die Wirkungszeit, nicht dagegen die Wirkungsstärke. Ist eine stärkere Wirkung erwünscht, empfiehlt sich versuchsweise die Kombination mit Benzodiazepinen oder alternativ eine Kombination mit Opioiden oder Ketamin.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Bei Acepromazin handelt es sich um einen beruhigend und antipsychotisch fungierenden Wirkstoff. Er wird ausschließlich in der Veterinärmedizin verordnet.

Bei Kleintieren wie Hunden und Katzen beruhigt Acepromazin ängstliche, aufgeregte oder aggressive Tiere. Auch auf Reisen oder zur Milderung der Symptome von Reisekrankheit hat sich das Medikament bewährt. Selbst Psychosen und Verhaltensstörungen lassen sich mit Acepromazin positiv beeinflussen.

Ebenfalls nimmt es Pferden den Stress bei Transporten. Dabei ist seine lange Wirksamkeit von Vorteil und dass Acepromazin keine Ataxien verursacht.

Bei selbst bei ansonsten ruhigen Tieren oft schwer durchführbaren medizinischen Untersuchungen wie rektalen oder vaginalen Inspektionen oder kleinen Eingriffen ist Acepromazin eine ausgezeichnete Unterstützung. Die sedierten Tiere empfinden deutlich weniger Stress und die Untersuchung kann sicherer und zügiger ausgeführt werden.

Das Mittel kann ferner prämedikamentiv zur Entspannung vor Narkosen sowie kombiniert mit starken Schmerzmitteln eingesetzt werden. Hauskatzen mit durch eine ischämische Myopathie ausgelösten Vasospasmen profitieren von einer Therapie mit Acepromazin. Ebenso hilft es gut bei obstruktiven Erkrankungen unterer Harnwege von Katzen. Bei Amphetaminvergiftungen dient Acepromazin als wirksames Gegenmittel.

Eine mangelhafte Milchbildung bei Säugetieren regt Acepromazin an, da es als Gegenspieler zum Prolaktininhibitor Dopamin wirkt. Acepromazin eignet sich zur Therapie von Heimtieren, Zootieren sowie landwirtschaftlich genutzten Tieren.

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Risiken & Nebenwirkungen

In bestimmten Situationen ist die Gabe von Acepromazin kontraindiziert. So darf es bei einem Schockzustand wegen seiner gefäßerweiternden Wirkung nicht verabreicht werden. Aufgrund dieser vasodilatatorischen Wirkung mit einhergehendem Blutdruckabfall sollte Acepromazin möglichst keinen sehr jungen oder alten Tieren gegeben werden.

Auch bei Herzproblemen ist von einer Behandlung mit Acepromazin abzuraten. Eine erhöhte Sensibilität gegenüber dem Medikament wurde bei Windhunden sowie Hunderassen mit kurzen Köpfen (Brachycephalen) wie Boxern oder Pekinesen beobachtet.

Weitere Kontraindikationen sind besonders starke Erregungen, größere Traumen, Krämpfe, Epilepsie, schwere Leberfunktionsstörungen und Blutgerinnungsstörungen. Nicht mit Acepromazin therapiert werden dürfen Rennmäuse, da diese Tiere leicht mit tonisch-klonischen Krämpfen darauf reagieren.

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