Abulie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 18. Mai 2017Geprüfte Qualität
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Abulie ist ein Symptom verschiedener Krankheiten, das sich überwiegend in Form von Willenlosigkeit und Willensschwäche äußert. Entsprechend kann die Abulie nicht eigenständig therapiert werden. Vielmehr steht nach der Diagnose die Behandlung der zugrundeliegenden Erkrankung im Vordergrund.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Abulie?

Die Abulie ist eine krankhafte Willenlosigkeit verbunden mit Willensschwäche, Unentschlossenheit und der Unfähigkeit selbst Entscheidungen zu treffen. Sie stellt keine eigene Krankheit dar, sondern ist Symptom einer anderen Erkrankung. Am meisten kommt sie bei Stirnhirnerkrankungen, wie zum Beispiel Tumoren, Neurosen oder einer Depression, sowie bei schizophrenen Psychosen vor.

Betroffene Menschen möchten gerne eine Handlung durchführen, sind aber nicht in der Lage diesbezüglich einen Beschluss zu fassen beziehungsweise diesen auszuführen. Das betrifft sowohl die Arbeit als auch Freizeitaktivitäten und die Selbstversorgung. Gute Vorsätze können die Patienten nicht mehr in die Tat umsetzen, Handlungen werden immer wieder verschoben und die Konzentration auf das eigentliche Vorhaben ist nicht möglich.

Folglich verliert die Person ihre Willenskraft und wird sozial immer weniger aktiv, was zu einer völligen Isolation führen kann. Darüber hinaus wird auch das Unvermögen zu sprechen infolge eines Verlustes der funktionellen Versorgung des Stimmapparates als Abulie bezeichnet.

Ursachen

Die Abulie tritt infolge verschiedener Erkrankungen auf. So unterschiedlich diese Krankheiten sein können, sind auch deren Auslöser. Häufig kommt die krankhafte Willenlosigkeit jedoch im Rahmen einer Depression vor. Diese kann wiederum viele Ursachen haben, die bis heute nicht vollständig geklärt sind.

Fest steht allerdings, dass meist mehrere innere und äußere Faktoren zusammenspielen. Dazu gehören unter anderem die Vererbung, Alkohol, Drogen, bestimmte Medikamente, körperliche Erkrankungen, psychische Störungen, Stress und biochemische Auslöser. Immer häufiger tritt die krankhafte Willenlosigkeit im Zusammenhang mit einer Cannabissucht auf.

Aber auch Hirntumore, Neurosen oder eine schizophrene Störung können die Abulie auslösen. Oft ist sie dann eine Folge von Traurigkeit, Antriebslosigkeit oder der Verarmung des Gefühlslebens.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Besteht der Verdacht auf Abulie, sollte sofort ein Arzt konsultiert werden. Schließlich setzt die Diagnose eine Vorerkrankung, wie beispielsweise einen Hirntumor, Schizophrenie, Depression oder eine Neurose, voraus. Wurde eine solche Krankheit noch nicht festgestellt, wird der Arzt entsprechende Untersuchungen einleiten. Erster Ansprechpartner ist üblicherweise der Hausarzt.

Dieser wird die körperliche Gesundheit überprüfen und im ausführlichen Gespräch dem Verdacht auf verschiedene psychische Störungen nachgehen. Anschließend wird der Arzt entsprechende Spezialisten einschalten. Diese führen weitere Untersuchungen durch, wozu Verhaltensbeobachtungen des Patienten, neuropsychologische Testverfahren und Befragungen der Angehörigen gehören.

Erst infolge dessen können gezielte Therapiemaßnahmen begonnen werden. Problematisch ist jedoch oft, dass die Willensschwäche in vielen Fällen selbst den Beschluss verhindert, einen Arzt aufzusuchen. Dadurch ist eine frühzeitige Diagnose nur äußerst selten möglich. Im weiteren Krankheitsverlauf geht die Abulie häufig mit einer Melancholie einher.

Hinzu können Stummheit (Mutismus) oder eine wortkarge Sprache mit langen Unterbrechungen und der Unfähigkeit zu längeren Reden kommen. Darüber hinaus führt die Abulie oft zur sozialen Isolation und in vielen Fällen auch zur Alkohol- oder Drogensucht. Nicht selten endet die Abulie darin, dass die Patienten selbst ihren Willen zu leben verlieren.

Komplikationen

Die unbehandelte Abulie führt nicht selten zu einer dauernden Melancholie oder gar Depressionen. Häufig begründen Patienten ihre Willenlosigkeit als vorübergehende Erscheinung, die auf vermehrtem Stress beruht. Sie vermeiden den Arztbesuch und flüchten sich in Medikamenten zur Beruhigung oder trinken vermehrt Alkohol. Das wiederum hat zur Folge, dass in vielen Fällen eine Abhängigkeit eintritt.

Die Abulie kann sich ebenfalls auf die Kommunikation mit anderen Menschen auswirken. Das heißt, dass die Betroffenen nur noch vermindert oder überhaupt nicht mehr sprechen. In einigen Fällen ist ihre Sprache verlangsamt und dem Gegenüber fällt es schwer, ihnen in ihren Gedankengängen zu folgen. Die Vielzahl an Medikamenten setzt voraus, dass die richtige Diagnose gestellt wird. Häufige Komplikationen bei der Behandlung von Abulie sind die Nebenwirkungen der Medikamente sowie die Abhängigkeit vom Therapeuten.

Patienten fühlen sich zum Beispiel unter der Obhut ihres Arztes sicher und können ihren Alltag strukturieren. Sobald sie wieder auf sich selbst gestellt sind, verschlimmert sich ihr Leiden. Die Gefahr bei Medikamenten besteht nicht nur in der Abhängigkeit. Sie können ebenfalls Störungen im Magen-Darm-Trakt, der Libido und des Herzrhytmus hervorrufen. Eine weitere Komplikation bei der medikamentösen Behandlung der Abulie ist die Gewichtszunahme. Die Patienten fühlen sich zwar wohl und bewältigen ihren Alltag wie gewohnt, leiden dabei aber unter ihrem erhöhten Gewicht.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei Abulie handelt es sich zunächst um eine allgemeine Willensschwäche. Sie ist ein Symptom mehrerer unterschiedlicher Erkrankungen und kann nur im Rahmen der Therapie der Grunderkrankung mitbehandelt werden. Von einer Abulie Betroffene sind nicht fähig, ein Vorhaben in die Tat umzusetzen oder Entscheidungen zu treffen – sei es beruflich oder privat. Bei fortschreitender Abulie ziehen sich Menschen immer weiter zurück bis zum Extremfall der sozialen Isolation. Parallel zu dieser Definition wird mit Abulie außerdem die organisch bedingte Unfähigkeit zu sprechen bezeichnet.

Abulie ist vor allem vergesellschaftet mit Stirnhirnerkrankungen, Neurosen, Depressionen sowie schizophrenen Psychosen. Zum Einleiten einer Therapie sollte als Erstes der Hausarzt aufgesucht werden. Dieser überweist seinen Patienten nach ersten Untersuchungen häufig an einen Neurologen, Psychiater, Psychologen oder Psychotherapeuten. Die Therapie der Abulie soll so bald wie möglich erfolgen.

Andernfalls droht eine Manifestation der Depression sowie ein Alkohol- oder Tablettenmissbrauch, um die Situation besser ertragen zu können, was jedoch neue Gesundheitsprobleme hervorriefe und einen Teufelskreislauf in Gang setzen würde. Als hilfreich hat sich bei der Behandlung von Abulie das Hinzuziehen von Angehörigen des Patienten erwiesen, die sozusagen als Co-Therapeuten fungieren.

Behandlung & Therapie

Die Abulie ist keine eigenständige Krankheit, sondern das Symptom einer anderen Erkrankung. Aus diesem Grund kann sie selbst nicht behandelt werden. Vielmehr gilt es zunächst die Grunderkrankung zu therapieren. Tritt die krankhafte Willenslosigkeit zum Beispiel im Rahmen einer Depression auf, liegt die Behandlung dieser Erkrankung im Vordergrund.

In diesem Falle können sowohl die Einnahme von Medikamenten als auch psychotherapeutische Maßnahmen verordnet werden. Wichtig ist, dass zunächst alle Grunderkrankungen erkannt werden, denn häufig liegen mehrere psychische Störungen gleichzeitig vor. In diesem Fall kann nur ein ganzheitlicher Therapieansatz zum Erfolg führen. Dabei werden regelmäßig auch die Angehörigen einbezogen.

Je nach Störungsmuster und Verhaltensauffälligkeiten gibt es verschiedene Therapieformen. Bei manchen Ansätzen stehen die Problemlösefähigkeit und das Verhaltensmanagement im Vordergrund. Andere Ansätze widmen sich hingegen der Manipulation oder Modifikation der Umwelt des Patienten. Hilfreich ist es in jedem Fall, wenn Abulie betroffenen Personen ihren Tagesablauf klar strukturieren und sich auf einige wenige Aufgaben konzentrieren.

Dadurch können Misserfolge verhindert werden, die sonst zu Selbstzweifeln führen und die Willensschwäche verstärken würden. Ein schriftlich festgehaltener Tagesplan und Checklisten können sehr nützlich sein. Sie können für Entlastung sorgen und dem ständigen Verschieben gewisser Handlungen entgegenwirken. Zusätzlich benötigen die Patienten meist externe Hilfestellung beim Ausführen ihrer Tagsaufgaben sowie Zuspruch und angemessenes Lob. Angehörige werden oft als Co-Therapeuten hinzugezogen.

Aussicht & Prognose

Die Prognose hängt bei einer Abulie immer von dem zugrunde liegenden Leiden ab. Liegt den Symptomen eine Depression oder eine Schizophrenie zugrunde, kann es zu einer weiteren Verstärkung der Willensschwäche kommen. Wird die Ursache allerdings frühzeitig erkannt und adäquat behandelt, geht im Verlauf auch die Abulie zurück. Bereits gebildete Automatismen können dem Betroffenen jedoch auch nach der Genesung noch lange Zeit Schwierigkeiten im Alltag bereiten.

Je nach Ausprägung der Abulie kann eine Therapie den Verlauf positiv beeinflussen. Abulie in Folge einer Psychose kann durch rasche Maßnahmen ebenfalls effektiv behandelt werden. Die Prognose bei einer Abulie ist dementsprechend positiv. Auch bei einer Willensschwäche in Folge einer Neurose oder anderer psychischer Störungen, kann eine Therapie die Erfolgsaussichten erhöhen.

Da es in Folge der Abulie zur Entwicklung verschiedenster Probleme, und aufgrund der Prokrastination oftmals auch zur Ausgrenzung aus dem sozialen Leben kommen kann, ist die Behandlung ein langwieriger Prozess, der oft mit Rückschlägen verbunden ist. Die Aussicht ist dennoch positiv, insofern frühzeitig die richtigen Maßnahmen zur Behandlung der Abulie und der zugrunde liegenden Ursache ergriffen werden.

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Vorbeugung

Um eine Abulie vorzubeugen, ist eine rechtzeitige Diagnose der zugrundeliegenden Erkrankung notwendig. So hilft es zum Beispiel, wenn eine Depression in einem frühen Stadium erkannt wird. Professionelle Therapiemaßnahmen können in diesem Fall eingeleitet werden, noch bevor eine krankhafte Willenlosigkeit hinzukommt und sich der Patient wohlmöglich völlig isoliert.

Treten Abulie-begünstigende Krankheiten ein, muss vor allem das Umfeld des Betroffenen sehr aufmerksam sein. Sie sollten regelmäßig das Verhalten des Patienten beobachten und den Arzt über Auffälligkeiten informieren.

Das können Sie selbst tun

Je nach vorliegender Grunderkrankung können Betroffene die Behandlung krankhafter Willenlosigkeit mit Selbsthilfemaßnahmen unterstützen. Der Übergang von Fremd- zu Selbsthilfe ist dabei fließend. In einer Therapie erlernte Bewältigungsstrategien müssen eigenverantwortlich in den Alltag integriert werden. So sinkt auch das Rückfallrisiko.

Um apathisch-willenloser Grundstimmung entgegenzuwirken, ist eine strukturierende Tagesplanung in schriftlicher Form hilfreich, die das wiederholte Verschieben von Tätigkeiten erschwert. Überforderung und unrealistische Zielsetzung sind dabei zu vermeiden. Sinnvoll sind eine Priorisierung der Tagesziele und eine ausgewogene Verteilung unangenehmer und angenehmer Tätigkeiten. Ein so erarbeiteter Tages- und Wochenplan bietet einerseits wichtige Planungshilfe und dient andererseits der Motivation durch dokumentierte Heilerfolge. Für wiederkehrende, komplexe Aufgaben empfehlen sich Checklisten als Entlastung. Den Kontakt zu Angehörigen und Freunden sichern Betroffene durch regelmäßige Treffen mit verbindlichen Terminen. Selbsthilfegruppen und Patientenklubs bieten ebenfalls die Möglichkeit, sozialem Rückzug und Isolation entgegenzuwirken.

In Abhängigkeit der zugrundeliegenden Haupterkrankungen können Betroffene mit Achtsamkeitsübungen im Alltag trainieren, zwischen gesundem Rückzugs- und Selbstschutzverhalten einerseits und krankhafter Willenlosigkeit andererseits zu unterscheiden. Einige Patienten profitieren (je nach individueller Lebenssituation) vom Zusammenleben mit Haustieren. Sie bieten Anlass und Motivation, aus der lähmenden Willenlosigkeit herauszukommen. Wichtig ist, dass kein zusätzlicher Druck entsteht und das Zusammensein mit den Tieren positiv erlebt werden kann.

Bücher über Depressionen

Quellen

  • Gleixner, C., Müller, M., Wirth, S.: Neurologie und Psychiatrie. Für Studium und Praxis 2015/16. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2015
  • Möller, H..: Therapie psychischer Erkrankungen. Thieme, Stuttgart 2006
  • Payk, T., Brüne, M.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013

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