Abulie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 21. November 2016
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Abulie ist ein Symptom verschiedener Krankheiten, das sich überwiegend in Form von Willenlosigkeit und Willensschwäche äußert. Entsprechend kann die Abulie nicht eigenständig therapiert werden. Vielmehr steht nach der Diagnose die Behandlung der zugrundeliegenden Erkrankung im Vordergrund.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Abulie?

Die Abulie ist eine krankhafte Willenlosigkeit verbunden mit Willensschwäche, Unentschlossenheit und der Unfähigkeit selbst Entscheidungen zu treffen. Sie stellt keine eigene Krankheit dar, sondern ist Symptom einer anderen Erkrankung. Am meisten kommt sie bei Stirnhirnerkrankungen, wie zum Beispiel Tumoren, Neurosen oder einer Depression, sowie bei schizophrenen Psychosen vor.

Betroffene Menschen möchten gerne eine Handlung durchführen, sind aber nicht in der Lage diesbezüglich einen Beschluss zu fassen beziehungsweise diesen auszuführen. Das betrifft sowohl die Arbeit als auch Freizeitaktivitäten und die Selbstversorgung. Gute Vorsätze können die Patienten nicht mehr in die Tat umsetzen, Handlungen werden immer wieder verschoben und die Konzentration auf das eigentliche Vorhaben ist nicht möglich.

Folglich verliert die Person ihre Willenskraft und wird sozial immer weniger aktiv, was zu einer völligen Isolation führen kann. Darüber hinaus wird auch das Unvermögen zu sprechen infolge eines Verlustes der funktionellen Versorgung des Stimmapparates als Abulie bezeichnet.

Ursachen

Die Abulie tritt infolge verschiedener Erkrankungen auf. So unterschiedlich diese Krankheiten sein können, sind auch deren Auslöser. Häufig kommt die krankhafte Willenlosigkeit jedoch im Rahmen einer Depression vor. Diese kann wiederum viele Ursachen haben, die bis heute nicht vollständig geklärt sind.

Fest steht allerdings, dass meist mehrere innere und äußere Faktoren zusammenspielen. Dazu gehören unter anderem die Vererbung, Alkohol, Drogen, bestimmte Medikamente, körperliche Erkrankungen, psychische Störungen, Stress und biochemische Auslöser. Immer häufiger tritt die krankhafte Willenlosigkeit im Zusammenhang mit einer Cannabissucht auf.

Aber auch Hirntumore, Neurosen oder eine schizophrene Störung können die Abulie auslösen. Oft ist sie dann eine Folge von Traurigkeit, Antriebslosigkeit oder der Verarmung des Gefühlslebens.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Besteht der Verdacht auf Abulie, sollte sofort ein Arzt konsultiert werden. Schließlich setzt die Diagnose eine Vorerkrankung, wie beispielsweise einen Hirntumor, Schizophrenie, Depression oder eine Neurose, voraus. Wurde eine solche Krankheit noch nicht festgestellt, wird der Arzt entsprechende Untersuchungen einleiten. Erster Ansprechpartner ist üblicherweise der Hausarzt.

Dieser wird die körperliche Gesundheit überprüfen und im ausführlichen Gespräch dem Verdacht auf verschiedene psychische Störungen nachgehen. Anschließend wird der Arzt entsprechende Spezialisten einschalten. Diese führen weitere Untersuchungen durch, wozu Verhaltensbeobachtungen des Patienten, neuropsychologische Testverfahren und Befragungen der Angehörigen gehören.

Erst infolge dessen können gezielte Therapiemaßnahmen begonnen werden. Problematisch ist jedoch oft, dass die Willensschwäche in vielen Fällen selbst den Beschluss verhindert, einen Arzt aufzusuchen. Dadurch ist eine frühzeitige Diagnose nur äußerst selten möglich. Im weiteren Krankheitsverlauf geht die Abulie häufig mit einer Melancholie einher.

Hinzu können Stummheit (Mutismus) oder eine wortkarge Sprache mit langen Unterbrechungen und der Unfähigkeit zu längeren Reden kommen. Darüber hinaus führt die Abulie oft zur sozialen Isolation und in vielen Fällen auch zur Alkohol- oder Drogensucht. Nicht selten endet die Abulie darin, dass die Patienten selbst ihren Willen zu leben verlieren.

Komplikationen

Die unbehandelte Abulie führt nicht selten zu einer dauernden Melancholie oder gar Depressionen. Häufig begründen Patienten ihre Willenlosigkeit als vorübergehende Erscheinung, die auf vermehrtem Stress beruht. Sie vermeiden den Arztbesuch und flüchten sich in Medikamenten zur Beruhigung oder trinken vermehrt Alkohol. Das wiederum hat zur Folge, dass in vielen Fällen eine Abhängigkeit eintritt.

Die Abulie kann sich ebenfalls auf die Kommunikation mit anderen Menschen auswirken. Das heißt, dass die Betroffenen nur noch vermindert oder überhaupt nicht mehr sprechen. In einigen Fällen ist ihre Sprache verlangsamt und dem Gegenüber fällt es schwer, ihnen in ihren Gedankengängen zu folgen. Die Vielzahl an Medikamenten setzt voraus, dass die richtige Diagnose gestellt wird. Häufige Komplikationen bei der Behandlung von Abulie sind die Nebenwirkungen der Medikamente sowie die Abhängigkeit vom Therapeuten.

Patienten fühlen sich zum Beispiel unter der Obhut ihres Arztes sicher und können ihren Alltag strukturieren. Sobald sie wieder auf sich selbst gestellt sind, verschlimmert sich ihr Leiden. Die Gefahr bei Medikamenten besteht nicht nur in der Abhängigkeit. Sie können ebenfalls Störungen im Magen-Darm-Trakt, der Libido und des Herzrhytmus hervorrufen. Eine weitere Komplikation bei der medikamentösen Behandlung der Abulie ist die Gewichtszunahme. Die Patienten fühlen sich zwar wohl und bewältigen ihren Alltag wie gewohnt, leiden dabei aber unter ihrem erhöhten Gewicht.

Behandlung & Therapie

Die Abulie ist keine eigenständige Krankheit, sondern das Symptom einer anderen Erkrankung. Aus diesem Grund kann sie selbst nicht behandelt werden. Vielmehr gilt es zunächst die Grunderkrankung zu therapieren. Tritt die krankhafte Willenslosigkeit zum Beispiel im Rahmen einer Depression auf, liegt die Behandlung dieser Erkrankung im Vordergrund.

In diesem Falle können sowohl die Einnahme von Medikamenten als auch psychotherapeutische Maßnahmen verordnet werden. Wichtig ist, dass zunächst alle Grunderkrankungen erkannt werden, denn häufig liegen mehrere psychische Störungen gleichzeitig vor. In diesem Fall kann nur ein ganzheitlicher Therapieansatz zum Erfolg führen. Dabei werden regelmäßig auch die Angehörigen einbezogen.

Je nach Störungsmuster und Verhaltensauffälligkeiten gibt es verschiedene Therapieformen. Bei manchen Ansätzen stehen die Problemlösefähigkeit und das Verhaltensmanagement im Vordergrund. Andere Ansätze widmen sich hingegen der Manipulation oder Modifikation der Umwelt des Patienten. Hilfreich ist es in jedem Fall, wenn Abulie betroffenen Personen ihren Tagesablauf klar strukturieren und sich auf einige wenige Aufgaben konzentrieren.

Dadurch können Misserfolge verhindert werden, die sonst zu Selbstzweifeln führen und die Willensschwäche verstärken würden. Ein schriftlich festgehaltener Tagesplan und Checklisten können sehr nützlich sein. Sie können für Entlastung sorgen und dem ständigen Verschieben gewisser Handlungen entgegenwirken. Zusätzlich benötigen die Patienten meist externe Hilfestellung beim Ausführen ihrer Tagsaufgaben sowie Zuspruch und angemessenes Lob. Angehörige werden oft als Co-Therapeuten hinzugezogen.




Vorbeugung

Um eine Abulie vorzubeugen, ist eine rechtzeitige Diagnose der zugrundeliegenden Erkrankung notwendig. So hilft es zum Beispiel, wenn eine Depression in einem frühen Stadium erkannt wird. Professionelle Therapiemaßnahmen können in diesem Fall eingeleitet werden, noch bevor eine krankhafte Willenlosigkeit hinzukommt und sich der Patient wohlmöglich völlig isoliert.

Treten Abulie-begünstigende Krankheiten ein, muss vor allem das Umfeld des Betroffenen sehr aufmerksam sein. Sie sollten regelmäßig das Verhalten des Patienten beobachten und den Arzt über Auffälligkeiten informieren.

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