Abgebrochener Zahn

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 23. Oktober 2017
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Ein abgebrochener Zahn entsteht durch äußere Einwirkung auf die Zahnsubstanz, die als Folge davon bricht. In vielen Fällen kann ein Zahnarzt solche Zahnfrakturen durch Rekonstruktion des Zahns behandeln. Die Behandlung gestaltet sich je nach Art der Fraktur unterschiedlich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein abgebrochener Zahn?

Ein abgebrochener Zahn ist eine Fraktur, Absplitterung, Spaltung oder ein Riss eines Zahns (Infraktur). Ein Stoß, Schlag, Biss auf etwas Hartes, Unfall oder willentlich herbeigeführter Druck auf den Zahn durch Instrumente bei der Zahnentfernung sind Auslöser der sogenannten Zahnfraktur.

Abgebrochene Zähne treten sowohl bei Milchzähnen als auch bei permanenten Zähnen auf. Der/die Betroffene nimmt die Zahnfraktur durch Schmerzen oder Verletzungen im Mundraum wahr. Verletzungen entstehen durch die scharfen Kanten des abgebrochenen Zahns.

Bei Verdacht auf eine Zahnfraktur ist die Konsultation eines Zahnarztes erforderlich. Er wird entscheiden, ob er den Zahn rekonstruieren kann oder ob er ihn extrahieren und ersetzen muss. Abgebrochene Zähne treten statistisch häufiger bei Kindern und Jugendlichen als bei Erwachsenen auf.

Ursachen

Ein abgebrochener Zahn entsteht dann, wenn die äußere Einwirkung auf die Zahnsubstanz so hoch ist, dass sie nicht mehr standhält und bricht. Dies ist der Fall bei einer Gewalteinwirkung von außen. Hierbei handelt es sich um Stöße oder Schläge.

Auch Unfälle, wie ein Sturz auf den Mund, sind eine Ursache. Kinder und Jugendliche sind besonders betroffen, da sie viel in Bewegung sind. Unfälle, die eine Zahnfraktur zur Folge haben können, passieren ferner beim Sport oder mit dem Fahrrad und Pkw.

Speisen können ebenfalls eine Zahnfraktur auslösen, wenn sie harte Bestandteile, wie Fruchtkerne, Knochen oder Nussschalen, enthalten. Bei der Extraktion eines Zahns führt der Zahnarzt unter Umständen willentlich eine Zahnfraktur herbei, damit er den Zahn besser extrahieren kann. Bereits behandelte Zähne brechen leichter als gesunde.

Da das natürliche Zahnbein härter ist als Füllmaterialien, brechen Zähne, die aufgrund von Karies zu einem Großteil mit Füllmaterialien befüllt sind, leichter. Auch wurzelbehandelte Zähne neigen eher zu einer Fraktur, da bei ihnen Nervenäste und Blutgefäße aus dem Zahn entfernt wurden. Dies führt auf Dauer zu einer Minderversorgung des Zahns und so zu erhöhter Porosität.

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Diagnose & Verlauf

Ein abgebrochener Zahn ist eine Fraktur, Absplitterung, Spaltung oder ein Riss eines Zahns (Infraktur). Bei Verdacht auf eine Zahnfraktur ist die Konsultation eines Zahnarztes erforderlich.

Der/die Betroffene bemerkt den abgebrochenen Zahn meist unmittelbar, nachdem sich die Fraktur ereignet hat. Ein spür- und hörbares Knacken begleitet häufig den Moment des Abbrechens. Der/die Betroffene verspürt außerdem einen schmerzhaften Druck im Kiefer- und Zahnbereich, den die Kraft der gewaltsamen Einwirkung auslöst.

Je nachdem, wie ausgeprägt die Zahnfraktur ist, treten keine, geringe oder starke Schmerzen auf. Ist nur ein Teil des Zahnschmelzes abgebrochen, bemerkt der/die Betroffene zunächst die neue Form des Zahns. Sie kann scharfe Kanten aufweisen und zu Verletzungen im Mundraum führen. Bei tiefer gehenden Frakturen liegt der Nervenkanal des Zahnnervs offen. Dies führt aufgrund der Reizung des Nervs zu erheblichen Schmerzen.

Komplikationen

Ein abgebrochener Zahn ist im Normalfall harmlos. Es können jedoch durchaus Komplikationen auftreten. Die wahrscheinlich häufigste Komplikation ist das Verschlucken des abgebrochenen Zahnes bzw. des abgebrochenen Zahnteiles. In diesem Zusammenhang muss jedoch beachtet werden, dass auch das Verschlucken des abgebrochenen Zahnes im Normalfall keine Beschwerden hervorruft. Lediglich ein Aspirieren des abgebrochenen Zahnes kann zu bedrohlichen Komplikationen führen.

Bei der Aspiration wird der abgebrochene Teil des Zahnes versehentlich eingeatmet, d. h. er gelangt in die Luftröhre. Als Reflex tritt normalerweise ein Hustenreiz auf. Dieser Hustenreiz hat es zum Ziel, den verschluckten Teil des abgebrochenen Zahnes aus der Luftröhre zu befördern. Gelingt dies nicht, ist das Aufsuchen eines Arztes anzuraten, da das Aspirieren des Zahnes ernsthafte Folgen bis hin zur Lungenentzündung haben kann. Dies ist jedoch äußerst selten. Eine deutlich häufigere Komplikation ist das Freilegen des Zahninneren.

Dies macht den Zahn sehr leicht angreifbar. Durch das Eindringen von Bakterien ins freigelegte Innere des Zahnes kann Karies entstehen. Schlimmstenfalls kommt es zu einer Entzündung der Zahnwurzel oder des Nervs. Dies kann zum Absterben des Nervs führen, was die Erhaltung des Zahnes unwahrscheinlich macht. Aus diesem Grund ist es sinnvoll und wichtig, beim Abbrechen eines Zahnes einen Zahnarzt aufzusuchen. Durch eine Untersuchung durch den Zahnarzt können derartige Komplikationen erkannt oder ausgeschlossen werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die Konsultation eines Zahnarztes ist bei einem abgebrochenen Zahn grundsätzlich zu empfehlen. Ein Fachmann sollte prüfen, ob es freiliegende Zahnhälse, offene Nervenenden oder Splitter, die sich in die Zahnfleischtaschen geschoben haben, gibt. Das Risiko von Entzündungen steigt, wenn keine Kontrolle stattfindet. Bei dem verbliebenen Zahn können weitere Probleme auftreten. Er ist unter Umständen nicht mehr ausreichend geschützt.

Das lässt ihn anfälliger für Keime, Viren oder Bakterien werden, die sich im Mund und Rachen des Betroffenen befinden. Damit steigt die Gefahr, weitere Zahnerkrankungen wie Karies oder Parodontose zu erleiden. Es kann sein, dass der abgebrochene Zahn die Zahnwurzel oder den Zahnnerv freilegt. Beides ist für den Patienten schmerzhaft und kann zu Entzündungen mit Eiterbildung über den betroffenen Zahn hinaus führen. Das Risiko, dass der verbliebene Zahnnerv abstirbt, steigt an.

Dies führt meist dazu, dass der Zahn im späteren Verlauf nicht mehr für einen Zahnaufbau genutzt werden kann. Er muss in einem chirurgischen Eingriff vollständig entfernt werden. Ein abgebrochener Zahn kann zur Folge haben, dass der Zahnhalteapparat seine Festigkeit verliert. Je nach Struktur der Kieferknochen und Zähne, kann es zu einer Lockerung der umliegenden Zähne kommen. Eine Rückbildung des Zahnfleisches ist gegeben. Dies kann zu einem weiteren Zahnverlust oder empfindlichen Zähnen führen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung eines abgebrochenen Zahns richtet sich nach der Art der Fraktur. Der Zahnarzt findet heraus, ob der Zahnnerv, die sogenannte Zahnpulpa, betroffen ist oder nicht. Er rekonstruiert den abgebrochenen Zahn in vielen Fällen.

Ist nur der Zahnschmelz betroffen, füllt der Zahnarzt den Zahn mit Füllungsmaterialien wieder auf. Ist der Zahnnerv mitbetroffen, führt er eine Wurzelbehandlung durch und füllt den Zahn. Er setzt eventuell eine Krone oder eine Teilkrone auf. Letzteres ist bei großen Zahnsubstanzverlusten notwendig. Ist der Zahn in Höhe des Zahnhalses abgebrochen, die Wurzel aber im Kiefer bewahrt, versucht der Zahnarzt, ein Stück der Wurzel freizulegen. Er kann dann eine Krone formen. Alternativ wird eine Wurzelbehandlung durchgeführt und eine Krone angefertigt.

Falls der/die Betroffene das abgebrochene Zahnfragment aufbewahrt hat und schnellstmöglich nach der Fraktur einen Zahnarzt aufsucht, kann das Fragment unter Umständen wieder angeklebt werden. Das ist möglich, wenn das Fragment konserviert wurde, zum Beispiel in einer Zahnrettungsbox, einem Glas Milch oder einer alkoholhaltigen Flüssigkeit, und der Zahnnerv nicht betroffen ist.

Ist die Zahnwurzel gebrochen, kann der Zahn unter Umständen noch rekonstruiert werden. Bei Frakturen im mittleren Wurzelbereich sowie bei senkrechten Wurzelfrakturen muss der Zahn extrahiert werden.

Aussicht & Prognose

Wenn ein Zahn abbricht, dann zieht das in der Regel relativ starke Schmerzen nach sich. Wer einen abgebrochenen Zahn daher nicht schnell behandeln lässt, der läuft Gefahr, dass sich die Zahnwurzel und das Zahnfleisch drumherum stark entzünden. Meist muss der komplette Zahn entfernt oder mit Hilfe von einer Krone bedeckt werden.

In den Zahn können nun leichter Verschmutzungen eindringen, weswegen bei einem abgebrochenen Zahn vor allem Zahnspülungen und Zahnseide verwendet werden sollten.

Das abgebrochene Stück wird meistens mit Hilfe einer Füllung oder einer Krone ersetzt. Für gewöhnlich verläuft hier die Behandlung ohne Probleme, nur in seltenen Fällen muss die Füllung nochmals entfernt werden, wenn sich der Zahn tiefer entzündet hat. Eine gute Füllung kann über mehrere Jahre halten und muss nicht gewechselt werden.

Sollte das abgebrochene Stück relativ groß sein, so kann dieses aufbewahrt und später wieder an den Rest des Zahns angefügt werden. Hier muss allerdings schnell gehandelt werden. Bei starken Blutungen muss die Stelle gut gekühlt werden, damit es keine Schwellung und keine Entzündung gibt.

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Vorbeugung

Einem abgebrochenen Zahn kann bedingt vorgebeugt werden. Gute Zahnhygiene beugt kariösen Defekten vor, sodass das natürliche Zahnbein erhalten bleibt und nicht durch künstliche Füllmaterialien ersetzt werden muss.

Der regelmäßige Zahnarztbesuch zählt ebenfalls zur Kariesprophylaxe. Zusätzlich können Präparate zur Erhaltung und Härtung des Zahnschmelzes angewendet werden. Bei Sportarten mit hohem Unfallrisiko empfiehlt sich das Tragen eines Mund- und Zahnschutzes.

Besonders bei Kindern und Jugendlichen lassen sich abgebrochene Zähne nicht immer vermeiden, weshalb bei einer vorliegenden Zahnfraktur umgehend ein Zahnarzt aufgesucht werden sollte.

Das können Sie selbst tun

Ein abgebrochener Zahn löst bei den meisten Betroffenen zunächst Erschrecken aus, doch die Situation ist weniger bedrohlich, als allgemein angenommen wird. Bei einem Zahnunfall sollte der Patient möglichst Ruhe bewahren. Eine Blutung muss gestillt werden. Hierfür eignen sich Mullbinden oder Kompressen, also Verbandsmaterialien aus der Hausapotheke. Auch ein anderes fusselfreies Textilstück kann verwendet werden.

Leider bricht häufig ein Stück am Schneidezahn ab, was unangenehm auffällt und daher schnelles Handeln erfordert. Auch aus medizinischen Gründen sollte eine rasche Behandlung erfolgen. Ist das ausgebrochene Stück noch auffindbar, kann es mit zum Zahnarzt genommen werden. Es besteht die Möglichkeit, es wieder anzukleben. Dies ist die einfachste Rekonstruktion des Zahnes, ihr Erfolg hängt aber von der vorhandenen Zahnsubstanz ab. Vorher sollte das Stück mit klarem Wasser abgewaschen und dann in einer Kunststoffbox transportiert werden.

Ist das abgebrochene Stück groß, liegt eventuell ein Teil des Zahninneren frei. Dann ist ein zeitnaher Arztbesuch dringend anzuraten. Wartet der Patient zu lange, kann es Komplikationen geben. Zur Rekonstruktion stehen Brücke, Implantat oder Zahnprothese zur Verfügung. Welche Möglichkeit infrage kommt, muss der Zahnarzt beurteilen. Ist der Zahn komplett abgebrochen, aber die Wurzel noch im Kiefer, muss diese herausoperiert werden. Die Lücke wird später mit einem Implantat oder einer Brücke geschlossen.

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Quellen

  • Gernet, W., et al.: Zahnärztliche Prothetik. Thieme, Stuttgart 2011
  • Ott, R., Vollmer, H.P., Krug, W.: Klinik- und Praxisführer Zahnmedizin. Thieme, Stuttgart 2003
  • Schumacher, G.-H., Gente, M.: Odontographie – Anatomie der Zähne und des Gebisses. Hüthig, Heidelberg 1995

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