Aachener Aphasie-Test

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. September 2017
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Der Aachener Aphasie-Test (AAT) ist ein Diagnoseverfahren zur Erkennung und Einordnung von erworbenen, also nicht angeborenen Sprachstörungen, sogenannten Aphasien. Der Test überprüft die Sprachfähigkeit eines Patienten in mehreren Bereichen und ermöglicht so eine zuverlässige Beschreibung der Art der aphasischen Störung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Aachener Aphasie-Test?

Erworbene Sprachstörungen sind häufig die Folge einer Erkrankung der dominanten Gehirnhälfte, zum Beispiel durch Verletzungen, Tumore, Hirnblutungen, Entzündungen oder einen Schlaganfall. Je nach Art der zugrundeliegenden Erkrankung zeigen die Patienten unterschiedlich starke Störungen in verschiedenen Bereichen der Sprache.

Daher werden mit Hilfe des Aachener Aphasie-Tests nicht nur das Nachsprechen, das Sprachverständnis und das Benennen von Dingen untersucht, sondern auch mögliche Auffälligkeiten beim Lesen und Schreiben. Er ist sowohl für eine einmalige Durchführung als auch für die wiederholte Anwendung zur Kontrolle eines Krankheits- oder Therapieverlaufs geeignet.

Funktion, Wirkung & Ziele

Anwendung findet der Aachener Aphasie-Test nicht nur in der ärztlichen Praxis, sondern auch in der klinischen Psychologie, der klinischen Linguistik und der Logopädie. Er ist geeignet für Patienten ab einem Alter von 14 Jahren und dauert 60-90 Minuten. Da das Testverfahren für die deutsche Sprache konzipiert wurde, kann es nur bei Patienten mit entsprechendem sprachlichen Hintergrund angewendet werden.

Inzwischen wurde der AAT jedoch auch ins Italienische und Niederländische übersetzt. An Entsprechungen im Englischen und Französischen wird gearbeitet. Der Testablauf ist immer identisch und in sechs Teile gegliedert, in denen die Sprachfähigkeiten der Testperson in unterschiedlichen Bereichen untersucht werden. Im ersten Testabschnitt wird der Patient während eines zehnminütigen Interviews mit persönlichen Fragen zu Familie, Beruf, Interessen und Gesundheit hinsichtlich seiner Spontansprache, also seiner gesprochenen Alltagssprache, analysiert.

Besonderes Augenmerk wird hierbei sowohl auf das Kommunikationsverhalten im Gespräch mit dem Interviewer als auch auf die Struktur und den Sinngehalt des Gesprochenen gelegt. Aber auch Aussprache, Automatismen, Betonung und Sprachmelodie fließen in die Analyse mit ein. Bei dem darauf folgenden Token-Test wird der Patient aufgefordert, aus mehreren Gegenständen einzelne vorgegebene Dinge auszuwählen. Durch diese ersten zwei Teilabschnitte des AAT werden relativ sicher vorhandene Aphasien festgestellt, ohne dass diese jedoch näher klassifiziert werden können.

Der Aachener Aphasie-Test (AAT) ist ein Diagnoseverfahren zur Erkennung und Einordnung von erworbenen, also nicht angeborenen Sprachstörungen, sogenannten Aphasien.

Die Testabschnitte drei bis sechs ermöglichen sodann eine genauere Einordnung der Art der aphasischen Störung. So überprüft der dritte Teil des Aachener Aphasie-Tests die Fähigkeit des Befragten, einzelne Laute sowie einfache und schwierigere Wörter und Sätze nachzusprechen, während der vierte das Vorlesen und Schreiben von vorgesprochenen Wörtern und Wortteilen erfordert. Im fünften Abschnitt muss die Testperson Objekte, Farben oder Handlungen anhand von Zeichnungen korrekt benennen. Der sechste Testteil schließlich dient der Analyse des Hörverständnisses: Der Befragte wählt aus mehreren unterschiedlichen Abbildungen diejenige aus, die seiner Meinung nach am besten zu einem vorgelesenen Satz oder Wort passt.

Im Verlauf des Tests steigt die Schwierigkeitsstufe der einzelnen Aufgaben kontinuierlich. Die Antworten werden computergestützt anhand eines festgelegten Punktesystems bewertet. Mit Hilfe der so gewonnenen Testergebnisse lassen sich zuverlässige Aussagen über das Vorhandensein einer eventuellen Aphasie machen und ihr Schweregrad bestimmen. Darüber hinaus wird eine Einordnung der vorliegenden Symptome entsprechend den vier unterschiedlichen Aphasieformen Global, Broca, Wernicke und Amnestisch ermöglicht. Auch Sonderformen der Aphasie wie Transkortikale Aphasien und Leitungsaphasien können so erkannt werden.

Ebenfalls wird eine Abgrenzung zu anderen sprachlichen Störungen ermöglicht, die irrtümlich als Aphasie eingestuft wurden. Der Aachener Aphasie-Test ist ein standardisiertes und geprüftes Testverfahren, das wesentlich zur Diagnosestellung beitragen kann und oft übersehene Aphasien bei Hirntumorpatienten aufdeckt. Auch das Vorhandensein einer Agraphie oder Alexie wird durch die Durchführung des Tests ermöglicht.

Ohne das Hinzuziehen weiterer Untersuchungen und Testverfahren sowie einer gründlichen Anamnese sind die Ergebnisse des AAT allein jedoch nicht für eine Diagnosestellung geeignet. Weitergehende Testverfahren bei einer akuten Aphasie sind beispielsweise der Aachener Aphasie-Bedside-Test und die Aphasie-Check-List.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Da bei der Durchführung des Aachener Aphasie-Tests keine Beeinflussung des Patienten seitens des Interviewers stattfindet, kann seine Durchführung grundsätzlich als ungefährlich eingestuft werden.

Es kann beim Befragten jedoch im Verlauf des Tests zu Unsicherheiten hinsichtlich der eigenen kognitiven Fähigkeiten kommen, wenn das Beantworten der Fragen Schwierigkeiten bereitet. Das Erkennen von Normabweichungen in der eigenen Sprache oder Wahrnehmung kann den Patienten stark beunruhigen und erfordert Einfühlungsvermögen und Erfahrung auf Seiten des Interviewers. Der Test sollte daher nur durch psychologisch oder sprachtherapeutisch geschultes Personal durchgeführt werden, um eine Überforderung des Patienten zu vermeiden und eventuelle emotionale Nachwirkungen zu erkennen.

Ebenso ist auf eine entsprechend eingerichtete Testumgebung zu achten. Für Patienten mit schwerwiegenden oder akuten Krankheitsbildern kann die Durchführung des Aachener Aphasie-Tests mitunter sehr anstrengend sein. Hierauf sollte der Interviewer hinweisen und sich vergewissern, dass eine entsprechende Nachsorge zur Verfügung steht. Die Testergebnisse müssen immer in Verbindung mit weiteren geeigneten Diagnoseverfahren ausgewertet werden, um vorliegende Sprachstörungen beurteilen zu können und ihre Ursachen zu finden.

Erst dann kann eine angemessene Therapie in die Wege geleitet werden. Der Testaufbau folgt einem standardisierten Ablauf und darf weder in der Reihenfolge der Fragen noch im Gesamtumfang verändert werden, da dies zu verfälschten Ergebnissen und so zum Übersehen oder falschen Klassifizieren einer Aphasie führen kann. Die Durchführung von Teilabschnitten des AAT ist allerdings für logopädisch-therapeutische Zwecke möglich.

Bücher über Stottern & Sprachstörungen

Quellen

  • Diener, H.-C., et al.: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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