Übelkeit und Erbrechen während der Schwangerschaft

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Juli 2017
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Dieser Ratgeber befasst sich mit Übelkeit und Erbrechen während der Schwangerschaft. Besonderes Augenmerkt wird dabei auf die Schwangerschaftsphasen, die Ursachen, Wirkungen und Behandlungsmöglichkeiten von Erbrechen und Übelkeit während der Schwangerschaft gelegt.

Inhaltsverzeichnis

Ursachen für Schwangerschaftserbrechen & Übelkeit

Beim Vorliegen einer Schwangerschaft muss die Mutter in ihrem Körper das Kind, das heisst einen vollkommen neuen Organismus, aufbauen und ernähren. Das bedeutet für sie eine erhebliche zusätzliche Belastung, der sie nur gerecht werden kann, wenn sich ihr Körper in mancher Hinsicht verändert und umstellt.

Dabei sind die Anforderungen aber nicht gleichmäßig über die gesamte Schwangerschaft verteilt, sondern sie wechseln sowohl in qualitativer als auch in quantitativer Hinsicht. Es lassen sich drei große Abschnitte unterscheiden: Das Stadium der Anpassung, das den ersten bis vierten Schwangerschaftsmonat umfaßt, das Stadium des Wohlbefindens vom vierten bis siebenten Monat und das Stadium der Belastung, das sich vom achten bis zehnten Monat erstreckt.

Uns interessiert hier in erster Linie die Verhältnisse in der Frühschwangerschaft. In dieser Zeit verändert sich der weibliche Körper in seiner äußeren Form zwar nur wenig, aber in seinem Inneren gehen bereits zahlreiche wichtige Umstellungen vor sich, die sich besonders im Bereich der inneren Drüsen, das Kreislauf- und Nervensystems sowie im Stoffwechsel abspielen.

Alle diese Vorgänge dienen der Vorbereitung auf die erhöhte Leistung, die von der werdenden Mutter verlangt wird. Während der ganzen Schwangerschaft findet zum Beispiel eine allmähliche Vermehrung der Blutmenge um etwa einen Liter statt. Das ist auch ganz leicht verständlich, wenn man bedenkt, dass das langsame Wachstum des Kindes im Mutterleib eine größere mit Sauerstoff und anderen Nahrungsstoffen zu versorgende Körpermasse der Mutter bedeutet.

Die Vermehrung der Blutmenge besteht nicht etwa nur in einer Mobilisierung des Reservebluts, sondern vor allem in einer tatsächlichen Zunahme des Bluts- besonders des Plasmaanteils. Auf diese Weise wird die zusätzliche Versorgung des Kindes gesichert. Ferner verstärken bestimmte innere Drüsen ihre Arbeit, die Hypophyse, Nebennierenrinde, Schilddrüse.

Andere, beispielsweise die Eierstöcke, vermindern ihre Tätigkeit, da ihre Hormonproduktion für die Dauer der Schwangerschaft von einem neu entwickelten drüsigen Organ, nämlich dem Mutterkuchen, mit übernommen wird. Die großen Verdauungsdrüsen stellen sich ebenfalls auf eine erhöhte Bereitschaft ein, so dass sich dadurch auch die Zusammensetzung des Magensaftes etwas verschiebt. Das gesamte Nervensystem hat durch seine regulierenden Funktionen, die je nach Bedarf hemmend oder erregend wirken, besonders wichtige Leistungen zu vollbringen.

Dies sind nur einige der wichtigsten Veränderungen, die in den ersten Schwangerschaftsmonaten vor sich gehen bzw. angebahnt werden. Man sieht jedoch schon aus dieser kurzen Aufzählung, wie kompliziert und vielschichtig diese nebeneinander und zum Teil auch miteinander ablaufenden Vorgänge sind, denen sich der Körper einer Schwangeren in relativ kurzer Zeit anpassen muss. Es ist daher verständlich, dass gerade in dieser Situation oft Störungen auftreten, die sich in verschiedener Weise äußern können.

Wirkung von Erbrechen während der Schwangerschaft

Beim Vorliegen einer Schwangerschaft muss die Mutter in ihrem Körper das Kind, das heisst einen vollkommen neuen Organismus, aufbauen und ernähren. Das bedeutet für sie eine erhebliche zusätzliche Belastung.

Am bekanntesten und auch am häufigsten ist die Übelkeit und das Erbrechen während der Schwangerschaft, das schon wenige Wochen oder Tage nach Eintritt der Schwangerschaft einsetzt - deshalb gilt es als eines der frühesten und relativ sicheren Schwangerschaftszeichen - und im allgemeinen mit Beginn des vierten Monats aufhört.

In leichter Form kommt es bei sehr vielen Frauen vor - manchmal nur beim Genuß bestimmter Speisen, gegen die sie plötzlich eine Abneigung empfinden. In dieser Form hat es keine krankhafte Bedeutung, denn der Allgemeinzustand der Betreffenden wird dadurch gar nicht oder nur unwesentlich beeinträchtigt. Mit Vorliebe tritt das Erbrechen in den frühen Morgenstunden auf, es kann sich aber auch an anderen Tageszeiten bemerkbar machen.

Es gibt nun aber auch Frauen, bei denen sich das Erbrechen in sehr viel stärkerem Maße zeigt. Sie müssen zehn- bis zwanzigmal am Tage und auch in der Nacht erbrechen, fühlen Ekel und Widerwillen jeder Nahrungsaufnahme gegenüber, nehmen innerhalb kurzer Zeit stark an Gewicht ab und sehen blaß und verfallen aus. In diesen Fällen, die fast immer eine stationäre Behandlung in einer Frauenklinik erforderlich machen, spricht man von einer Hyperemesis gravidarum, das heisst unstillbares Schwangerschaftserbrechen oder wörtlich übersetzt, übermäßiges Erbrechen Schwangerer.

Diese Erkrankung gehört - im Gegensatz zu der leichten Form, der Emesis - zu den Frühgestosen oder - toxikosen und ist eine schwangerschaftsspezifische Störung. Dabei bestehen keine Beziehungen zu den im letzten Schwangerschaftsdrittel auftretenden Spättoxikosen.

Die besondere Gefahr beim Erbrechen während der Schwangerschaft liegt darin, dass durch das häufige Erbrechen einerseits und die ungenügende Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr andererseits die Regulierung des Stoffwechsels durcheinander gerät bzw. unmöglich wird. Es entwickelt sich ein ähnlicher Zustand wie nach langem Hungern: Zunächst wird der Glykogengehalt der Leber und des Muskelgewebes verbraucht, anschließend die Fett- und Eiweißreserven. Am verhängnisvollsten wirkt sich aber der ständige Flüssigkeitsverlust aus, der zur Austrocknung führt, so dass schließlich eine schwere Vergiftung zustande kommt.

Obwohl man die Symptome genau kennt und sie auch heutzutage durchaus erfolgreich behandelt kann, ist ihre Entstehung noch immer nicht völlig geklärt. Von den zahlreichen Theorien, die sich damit beschäftigen, hat vor allem die Ansicht eine weite Verbreitung gefunden, dass die eigentliche Ursache im seelischen Verhalten der schwangeren Frau zu suchen sei. Eine negative Einstellung zum Kind oder auch zum Ehemann soll der auslösende Faktor sein. Dabei wird diese mehr oder weniger bewusst empfundene Abneigung nach außen nicht offen zugegeben, sondern in Form des Erbrechens demonstriert.

Natürlich kommt es nicht selten vor, dass gerade zu Beginn einer an sich ungewollten Schwangerschaft das Kind nicht immer mit Freude erwartet wird. Die Gründe hierfür sind verschieden, sie können bei der Frau selbst, aber auch beim Mann oder in ungünstigen äußeren Verhältnissen (Beruf, Wohnung, usw.) liegen. In solchen Fällen ist es durchaus möglich, dass die Frau mit einer seelischen Fehlhaltung reagiert und als Folge davon ein psychisch bedingtes Erbrechen in der Schwangerschaft auftritt.

Diese Reaktion wird noch durch den Umstand begünstigt, dass während dieser Zeit das Zentralnervensystem ganz allgemein und dait auch sein Brechzentrum leichter erregbar ist. Grundsätzlich handelt es sich hierbei jedoch um Ausnahmeerscheinungen, und es wäre grundfalsch, wenn man jede Frau, die an Schwangerschaftserbrechen leidet, nur von diesem Blickwinkel aus betrachten würde.

Seelisch bedingte Störungen sind bekanntlich sehr weit verbreitet und kommen praktisch bei Männern genauso häufig vor wie bei Frauen. Wir brauchen nur an Herz- und Mageneurosen zu denken, die sich ebenfalls sehr oft auf Grund irgendwelcher Konfliktsituationen entwickeln. Auch wissen wir, dass jede organische Krankheit in ihren Erscheinungsformen von psychogenen Mechanismen überlagert sein kann.

Behandlung & Therapie

Wie jede andere Erkrankung erfordert auch das Erbrechen in der Schwangerschaft stets eine gründliche Untersuchung und besonders eine Überprüfung der Stoffwechsellage, denn in den meisten Fällen liegt ihre Ursache in Anpassungsschwierigkeiten. Überwiegend sind es körperlich nicht allzu robuste, eher etwas labile und zarte Frauen, die von der schweren Form des Erbrechens betroffen werden, weil deren Nervensystem auf die zahlreichen Veränderungen in der Frühschwangerschaft, und zwar vor allem auf die veränderten hormonellen Verhältnisse, besonders empfindlich reagiert.

Das Erbrechen ist zweifellos ein Ausdruck der sich umstellenden und noch nicht richtig einregulierten neurohormonalen Funktionen in dieser labilen Phase der Frühschwangerschaft, wobei die Reaktion des Magens zwar nach außen hin die eindrucksvollste, aber keineswegs einzige Antwort des mütterlichen Organismus darstellt. Für diese Theorie spricht auch die Tatsache, dass das Erbrechen im zweiten Drittel der Schwangerschaft in den allermeisten Fällen aufhört, weil dann das Stadium der Anpassung vorüber ist und zunächst eine gewisse Stabilisierung einsetzt.

Was kann man nun tun, um diese Anpassungsvorgänge zu erleichtern? Sobald das Vorliegen einer Schwangerschaft bekannt ist, sollte man sich vor einer allzugroßen Aktivität in sportlicher Hinsicht hüten, und zwar gilt das besonders für diejenigen Sportarten, die mit stoßweisen körperlichen Erschütterungen verbunden sind, wie zum Beispiel Reiten und Motorradfahren.

Gegen Schwimmen ist in den ersten Monaten nichts einzuwenden, und Gymnastik kann sogar die ganze Schwangerschaft hindurch geübt werden, in den späteren Monaten zweckmäßig als Teil der psychoprophylaktischen Geburtsvorbereitung, bei der ja ein dem jeweiligen Stand der Schwangerschaft angepaßtes Gymnastikprogramm trainiert wird. Sehr zu empfehlen und praktisch für jede Frau durchführbar sind regelmäßige Spaziergänge von ein bis zwei Stunden täglich, jedoch nicht als Stadt- und Einkaufsbummel, sondern möglichst in Grünanlagen oder waldreicher Umgebung.

Beim ersten Anzeichen von Erbrechen oder Übelkeit ist es ratsam, die Ernährung auf eine leicht verdauliche, vitaminreiche Kost umzustellen, die an Stelle der meist üblichen großen Hauptmahlzeiten in mehreren kleinen Portionen über den ganzen Tag verteilt werden soll. Oft ist es günstig, wenn das erste Frühstück noch morgens im Bett zu sich genommen wird und man danach noch eine kurze Ruhepause einschaltet, ehe der übliche Tagesablauf beginnt.

Für reichliche Flüssigkeitszufuhr ist zu sorgen, um bei häufigem Erbrechen den Wassser- und Salzverlust zu ergänzen, jedoch auch stets nur in geringen Mengen, damit der Magen nicht zu sehr belastet wird. Wenn die werdende Mutter diese Hinweise befolgt, kann sie auch von sich aus mithelfen, ihrem Organismus die Umstellung zu erleichtern.

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