Ösophagusvarizenblutung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. August 2017
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Bei einer Ösophagusvarizenblutung kommt es zu Blutungen aus Krampfadern innerhalb der Speiseröhre. Sie wird als medizinischer Notfall eingestuft und ist lebensgefährlich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Ösophagusvarizenblutung?

Als Ösophagusvarizen werden Krampfadern (Varizen) in der Speiseröhre (Ösophagus) bezeichnet. Sie entstehen zumeist durch Pfortaderhochdruck (portale Hypertension). Ösophagusvarizen führen zu einer Erweiterung der Venen innerhalb der Speiseröhre. Häufig stellen sie eine Komplikation der fortgeschrittenen Leberzirrhose dar.

Aber auch andere Erkrankungen können für das Auftreten von Ösophagusvarizen verantwortlich sein. Im Rahmen einer Leberzirrhose zeigen sich Ösophagusvarizen bei rund 50 Prozent aller Patienten. Kommt es zu einer Ösophagusvarizenblutung, versterben etwa 30 Prozent aller betroffenen Personen trotz medizinischer Behandlung. Das Risiko eines erneuten Auftretens von Blutungen in der Speiseröhre beträgt circa 70 Prozent.

Ursachen

Verursacht wird eine Ösophagusvarizenblutung durch einen Einriss der Varizen in der Speiseröhre. Die Krampfadern im Ösophagus bilden sich, wenn kein richtiger Abfluss des Blutes aus der Leber mehr möglich ist, wie im Falle einer fortgeschrittenen Leberzirrhose. Das Blut sucht nach einem Ausweichkreislauf in Richtung Herz. Dadurch entsteht in den Lebervenen ein erhöhter Druck, was zu einem Blutrückstau an der Leber führt. Ärzte sprechen dann von einem Pfortaderhochdruck.

Damit das Blut dennoch zum Herzen transportiert werden kann, sucht das Blut über bereits vorhandene Kollateralkreisläufe nach anderen Wegen. Die starke Belastung, die deswegen zustande kommt, hat schließlich die Bildung von Krampfadern zur Folge. Eine Ösophagusvarizenblutung setzt bei äußeren Verletzungen der dünnen Gefäßwand ein.

Diese können unter anderem durch feste Speisen hervorgerufen werden. Ein weiterer Auslöser ist ein verstärkter Gefäßdruck im Rahmen der Darmentleerung, bei der es zur Bauchpresse kommt. Die Krampfadern verfügen nicht über eine Muskulatur, die stark genug ist, die Blutung zu regulieren und zu stoppen. So kann die große Blutmenge nicht an der Leber vorbeigelangen.

Dies ruft wiederum das Ausleiern der Speiseröhrenvenen hervor. Im weiteren Verlauf dünnen die Venen immer mehr aus, bis sie schließlich platzen. Es bestehen mehrere Risikofaktoren für eine Ösophagusvarizenblutung. Dazu gehören der Konsum von Alkohol trotz Leberzirrhose, das Bestehen von sehr umfangreichen Ösophagusvarizen sowie bereits erlittene Blutungen in der Speiseröhre.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Symptome zeigen sich bei Ösophagusvarizen erst spät. Sie sind gekennzeichnet durch eine Ösophagusvarizenblutung, bei der die Patienten plötzlich Blut erbrechen. Das Blut zeigt sich schwallartig und in großen Mengen. Von der Speiseröhre aus kann es außerdem unmittelbar in den Magen fließen, wodurch wiederum Teerstuhl entsteht.

Weil das Blut in Kontakt mit der Magensalzsäure gerät, wird es aufgrund von chemischen Veränderungen schwarz gefärbt. Ein weiterer Hinweis auf eine Ösophagusvarizenblutung ist eine blasse Haut der betroffenen Person, was auf den erheblichen Blutverlust zurückzuführen ist. Dadurch erfolgt das Absinken des Blutdrucks.

Die Ösophagusvarizenblutung gilt als lebensbedrohlich und stellt einen medizinischen Notfall dar. So besteht die Gefahr, dass der Patient in kurzer Zeit stirbt. Die Blutungen in der Speiseröhre bilden die häufigste Todesursache bei einer Leberzirrhose. Je stärker die Leberzirrhose vorangeschritten ist, umso größer fällt die Todesgefahr durch eine Ösophagusvarizenblutung aus.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zur Diagnose einer Ösophagusvarizenblutung wird zumeist eine Endoskopie vorgenommen. Der Arzt führt zu diesem Zweck einen dünnen Schlauch, der mit einer Kamera ausgestattet ist, via Mundraum in die Speiseröhre ein. Mithilfe eines angeschlossenen Monitors wird der Arzt in die Lage versetzt, die Speiseröhrenschleimhaut zu untersuchen und die Ösophagusvarizen zu identifizieren.

Wichtig ist zudem eine Differentialdiagnose zu anderen Ursachen, die für Blutungen im Magen-Darm-Trakt infrage kommen. Dabei kann es sich um Entzündungen der Magenschleimhaut oder Magengeschwüre handeln. Nicht selten nimmt eine Ösophagusvarizenblutung trotz Blutstillung einen negativen Verlauf.

So versterben rund 30 Prozent aller Patienten an ihr. Grund dafür ist in den meisten Fällen ein Schock aufgrund der massiven Blutungen. Selbst wenn die erste Blutung überlebt wird, stirbt circa ein Drittel der Betroffenen an Rezidivblutungen.

Behandlung & Therapie

Im Falle einer Ösophagusvarizenblutung ist eine sofortige medizinische Versorgung erforderlich, da höchste Lebensgefahr besteht. Zu den wichtigsten Therapiemaßnahmen gehört das Stabilisieren des Kreislaufs, denn der Patient büßt in kurzer Zeit viel Blut und Flüssigkeit ein. Um diesem Zustand entgegenzuwirken, erhält der Erkrankte auf intravenösem Wege Flüssigkeit.

Falls nötig, kann auch eine Bluttransfusion vorgenommen werden. Des Weiteren erfolgt der Versuch, die Blutungen zum Stillstand zu bringen. Dabei führt der Arzt zumeist eine endoskopische Ligatur durch. Das bedeutet, dass er die Ösophagusvarizen mithilfe von Clips aus Kunststoff abbindet. Ebenso ist eine medikamentöse Blutstillung möglich. Zu diesem Zweck werden dem Patienten Medikamente wie Somatostatin oder Terlipressin verabreicht.

Sie wirken sich senkend auf den Blutdruck innerhalb des Pfortadersystems aus. Liegen starke Blutungen vor, besteht die Option, eine Ballontamponade in die untere Speiseröhre einzuführen. Der Arzt bläst den Ballon in der Speiseröhre auf, wodurch die Blutgefäße zusammengepresst werden. Weil das Risiko von Komplikationen jedoch als hoch gilt, kommen in erster Linie eine Endoskopie oder die Darreichung von Medikamenten zur Anwendung.

Ein weiterer Bestandteil der Therapie ist die Gabe von Antibiotika. Auf diese Weise wird einer möglichen Infektion mit Bakterien entgegengewirkt. Daher erhält der Patient einige Tage lang Ciprofloxacin. Tritt die Ösophagusvarizenblutung im Zusammenhang mit einer Leberzirrhose auf, gilt es, einem Leberkoma vorzubeugen.

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Vorbeugung

Einer Ösophagusvarizenblutung lässt sich nicht vorbeugen. Aus diesem Grund ist es wichtig, auslösende Grunderkrankungen rechtzeitig zu behandeln.

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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