Ösophagusperforation

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 22. November 2017
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Bei einer Ösophagusperforation entsteht durch eine Verletzung ein Loch in der Speiseröhre. Häufig ist dies die Folge eines verschluckten Fremdkörpers. Die Perforation der Speiseröhre kann zu einer Entzündung des Mediastinums führen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Ösophagusperforation?

Die Speiseröhre ist ein etwa 25 Zentimeter langer muskulärer Schlauch, der den Mundraum mit dem Magen verbindet. Die Speiseröhre weist denselben Wandaufbau wie die übrigen Verdauungsorgane auf. Die innerste Schicht besteht aus Schleimhaut. Darüber liegt eine submuköse Bindegewebsschicht. Die dritte Schicht ist die Tunica musculais.

Sie sorgt über Muskelkontraktionen für den Weitertransport der Nahrung vom Mund zum Magen. Bei einer Ösophagusperforation werden alle Wandschichten der Speiseröhre so verletzt, dass ein Durchbruch entsteht. Die Erkrankung ist insgesamt eher selten. Die Sterblichkeitsrate liegt allerdings bei 10 bis 30 Prozent.

Ursachen

Für eine Ösophagusperforation gibt es unterschiedliche Ursachen. Am häufigsten entsteht sie auf iatrogenem Weg. Als iatrogen werden Krankheitsbilder bezeichnet, wenn sie durch ärztliche Maßnahmen hervorgerufen wurden. Eine iatrogene Ösophagusperforation wird meist durch Spiegelungen bedingt. Bei der sogenannten Ösophaskopie wird die Speiseröhre mit einem Endoskop gespiegelt. Die Speiseröhre kann aber auch bei einer Magenspiegelung verletzt werden.

Die Perforation kann zudem durch einen Ösophagusfremdkörper verursacht werden. Ein Ösophagusfremdkörper ist ein verschluckter Gegenstand, der aufgrund seiner Größe nicht bis in den Magen transportiert werden kann, sondern in der Speiseröhre stecken bleibt. Zu den häufigsten verschluckten Fremdkörpern, die eine Perforation verursachen, gehören Fischgräten, Zahnersatz und Pfirsichkerne. Kinder verschlucken zudem häufig kleine Spielzeuge oder auch Münzen.

Die Mehrzahl der Gegenstände bleibt in der ersten Ösophagusenge stecken. Diese befindet sich direkt hinter dem Ringknorpel auf Höhe des Kehlkopfes. Hier weist die Speiseröhre nur einen Innendurchmesser von etwa 15 Millimetern auf. Neben Ösophagusfremdkörpern können auch schwere Refluxerkrankungen zu einer Perforation der Speiseröhre führen. Bei der gastroöosophagealen Refluxkrankheit kommt es zu einem Rücklauf von Magensäure in die Speiseröhre. Im Volksmund wird die Refluxkrankheit auch als Sodbrennen bezeichnet.

Durch die Magensäure wird die Schleimhaut der Speiseröhre geschädigt. Es kommt zu chronischen Entzündungen und im schlimmsten Fall auch zu einer Perforation. Die spontane Perforation der Speiseröhre wird auch als Boerhaave-Syndrom bezeichnet. Hier entsteht ein spontaner Riss durch alle Wandschichten des Ösophagus. Meist entsteht das Syndrom infolge eines starken Druckanstiegs innerhalb der Speiseröhre. Dieser ist hauptsächlich die Folge von starkem Erbrechen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Ösophagusperforation äußert sich sehr unterschiedlich. In den meisten Fällen kommt es zu Schmerzen. Meist tritt der Schmerz sehr plötzlich und in hoher Intensität auf. Zudem kann es zu Bluterbrechen (Hämetemesis) kommen. Wird das Blut direkt erbrochen, so ist es hell. Hatte das Blut hingegen schon Kontakt mit der Magensäure, erscheint es bräunlich. Man spricht in diesem Fall auch von Kaffeesatzerbrechen. Aufgrund der Schwere der Erkrankung reagiert auch der Kreislauf mit.

Der Puls beschleunigt sich und durch den Blutverlust kommt es zu einem Blutdruckabfall. Je nach Blutungsmenge kann ein hypovolämischer Schock entstehen. Insbesondere bei Rupturen im Halsbereich kann sich ein Hautemphysem zeigen. Ein Hautemphysem ist eine Gasansammlung in der Unterhaut. Sie entsteht meist nach der Eröffnung lufthaltiger Organe.

Bei Rupturen im unteren Drittel der Speiseröhre kann es zu einem Serothorax oder zu einem Pneumothorax kommen. Von einem Serothorax spricht man bei einer Ansammlung von seröser Flüssigkeit im Brustraum. Bei einem Pneumothorax befindet sich Luft im Pleuraspalt. Dadurch wird eine Ausdehnung des betroffenen Lungenflügels verhindert. Es kommt zu Atemstörungen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Der Großteil der Ösophagusperforationen kann mit einer Röntgenaufnahme des Thorax diagnostiziert werden. Es zeigt sich Luft im Mittelfellraum (Mediastinum) und eine Verbreiterung des Mittelfellraums. Auch das Hautemphysem und Flüssigkeitsspiegel im Bereich des Mediastinums weisen auf eine Perforation hin.

Zur weiteren Diagnostik können Kontrastmittelaufnahmen oder eine CT-Untersuchungen zum Einsatz kommen. Auch endoskopische Ursachen können bei der Diagnosestellung hilfreich sein. Unter Umständen kann aber durch Blutüberlagerungen die Perforationsstelle bei der Endoskopie übersehen werden.

Komplikationen

Die Ösophagusperforation stellt einen äußerst lebensbedrohlichen medizinischen Notfall dar, der sofort operiert werden muss. Es handelt sich um einen Durchbruch der Speiseröhre. Oft werden die Verletzungen des Ösophagus durch Verschlucken von spitzen Gegenständen hervorgerufen.

Es kommt zu schweren Blutungen und im ungünstigsten Fall zu einer Mittelfellentzündung (Mediastinitis), die auch bei einer umfassenden Therapie eine hohe Sterblichkeit aufweist. Die starke Blutung führt zu Bluterbrechen und in einigen Fällen zu Blutdruckabfall bis hin zum Kreislaufschock, der unter Umständen ebenfalls tödlich endet. Als gefährlichste Komplikation einer Ösophagusperforation droht aber die Mediastinitis.

Diese wird durch den aus der Speiseröhre in den Mediastinalraum (Mittelfell) gelangenden Speisebrei ausgelöst. Dadurch kann sich das Mittelfell mit Bakterien infizieren. Es kommt zu eitrigen Entzündungen, die zu Thoraxschmerz, starker Atemnot und im Extremfall zu einer Sepsis führen kann. Die Sepsis stellt wiederum die schwerste Komplikation der Mediastinitis und damit der Ösophagusperforation dar.

Die Letalität bei einer Ösophagusperforation liegt zwischen 10 und 30 Prozent. Diese hohe Sterblichkeit wird im Besonderen von einer Mittelfellentzündung hervorgerufen. Weitere Komplikationen bei einer Ösophagusperforation sind Hautemphyseme sowie der Pneumothorax. Beim Hautemphysem gelangt freie Luft unter die Haut. Der Pneumothorax ist durch den Eintritt von Luft in den Pleuraspalt gekennzeichnet. Auch der Pneumothorax ist potenziell lebensbedrohlich, wenn er sich zum sogenannten Spannungspneumothorax entwickelt.

Therapie & Behandlung

Bei einer Ösophagusperforation ist in der Regel ein operativer Verschluss des Durchbruchs erforderlich. Um eine Hypovolämie zu verhindern, werden Infusionen verabreicht. Ebenso erfolgt eine prophylaktische Antibiotikagabe zum Schutz vor bakteriellen Infektionen. Bei sehr schweren Entzündungen der Speiseröhre, bei Tumoren, Verätzungen oder beim sogenannten Megaösophagus werden die betroffenen Speiseröhrenabschnitte chirurgisch entfernt.

Eine Behandlung ohne Operation ist nur in absoluten Ausnahmefällen bei sehr kleinen und unkomplizierten Einrissen möglich. Nach dem operativen Verschluss des Durchbruchs müssen regelmäßig Kontrollen auf narbige Zusammenziehungen erfolgen. Auch Refluxerkrankungen und Karzinome müssen in regelmäßigen Abständen vom Arzt ausgeschlossen werden.

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Vorbeugung

Um einer Ösophagusperforation vorzubeugen, sollte bei Sodbrennen immer ein Arzt aufgesucht werden. Insbesondere Menschen, die gerne große Mengen und vor allem fette Speisen essen, sind von Sodbrennen betroffen. Die Magenentleerung erfolgt in dem Fall verzögert. Durch den längeren Aufenthalt im Magen wird der Rückfluss in die Speiseröhre begünstigt. Säurebildner wie Süßigkeiten, Alkohol und Kaffee sollten bei einer Neigung zu Sodbrennen gemieden werden. Sie sorgen unter anderem auch dafür, dass der Speiseröhrenmuskel schlaffer wird.

Dies führt ebenfalls zu einem vermehrten Rückfluss von Magensäure. Auch zu enge Kleidung kann den Rückfluss fördern. Dasselbe gilt für seelische Anspannung und Stress. Bei einem verschluckten Fremdkörper sollte ebenfalls so schnell wie möglich ein Arzt aufgesucht werden. Dieser kann den Ösophagusfremdkörper entfernen und so einer Perforation der Speiseröhre vorbeugen.

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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